Diversity Recruiting

Diversity Recruiting: Definition, Ziele, Bedeutung, Umsetzung, Best Practices

Nicola Lehrle
Lesezeit: ca. 8 Minuten

Diversity Recruiting bietet Unternehmen die Chance, durch personelle Vielfalt erfolgreicher zu werden. Wo unterschiedliche Sichtweisen durch Diversity in der Arbeitswelt zusammenkommen, wird produktiver gearbeitet. Beim Kampf um die besten Köpfe sollten Vielfalt und Inklusion zur nachhaltigen Personalstrategie werden. Es reicht dabei nicht, nur 'oberflächlich' den Content in Social Media oder bei Stellenausschreibungen im Hinblick auf Diversity anzupassen: Chancengleichheit muss von innen heraus gelebt werden - jeden Tag!

Was ist Diversity Recruiting? Eine Definition

Diversity Recruiting (auch Diversity Hiring genannt) beschreibt eine zeitgemäße Strategie, um als Unternehmen Mitarbeiter mit unterschiedlichsten Hintergründen zu begeistern.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) gab 2006 den formalen Startschuss gegen die Diskriminierung einzelner Bewerber: Geschlecht, ethnische Herkunft, sexuelle Orientierung, Alter und eine mögliche Behinderung dürfen keine Rolle bei der Personalauswahl spielen.

Führungskräfte müssen ein vielfältiges Arbeitsklima als Chance verstehen. Durch Inklusion und die Einbindung verschiedener Sichtweisen entstehen für Konzerne innovative Potenziale. Aktives Management betrieblicher Vielfalt ist notwendig, damit jeder Mitarbeiter Höchstleistungen erbringen kann (unabhängig von seinem persönlichen Hintergrund).

Welche Ziele verfolgt Diversity Recruiting?

Diese moderne Form von Recruiting muss mehr leisten, als nur Diskriminierung zu verhindern. Wer Fairness und Gleichberechtigung auf allen Ebenen im Business etablieren kann, wird die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig erhöhen.

  • Studien zeigen, dass die Kreativität in diversen Teams stärker ausgeprägt ist.

  • Diversität gibt allen Mitarbeitern ein Gefühl von Wertschätzung.

  • In einer diversen Belegschaft kommen unterschiedliche Sichtweisen und soziale Kompetenzen zum Tragen.

Mit diesem wichtigen Thema können Personalentscheider einen messbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten.

Warum sollten Unternehmen neue Wege bei der Personalsuche gehen?

Traditionelles Recruiting hat gerade in kreativen Arbeitsbereichen ausgedient. Wer soll sich von Standardfloskeln noch angesprochen fühlen?

Wer als starke Arbeitgebermarke mit einem weltoffenen Image punkten kann, wird beim Recruiting eine wesentlich größere Reichweite erzielen. Es ist die Gesamtheit unterschiedlicher Erfahrungshorizonte von Kandidaten, die ein Unternehmen voranbringen.

Studien: Wie sind deutsche Konzerne aufgestellt?

Zahlreiche Studien bescheinigen, dass Deutschland beim Diversity Recruiting noch erheblichen Nachholbedarf hat. Das Gleichbehandlungsgesetz wird eher als Gefahr und Pflichterfüllung in Personalabteilungen gesehen, nicht aber als zukunftsorientiertes Potenzial.<br><br>Insgesamt wird ein klares Bild deutlich: Diversität ist ein wichtiger Wettbewerbsfaktor geworden. Vielfalt bzw. ein offenes Arbeitsumfeld spielt bei der Jobsuche für immer mehr Bewerber eine Schlüsselrolle:

  • 77 % der Befragten in einer StepStone-Studie geben an, sich eher in einem toleranten, weltoffenen und vielfältigen Unternehmen bewerben zu wollen. Hierfür würden sie teils auch ein geringeres Gehalt akzeptieren.

  • Fast 80 % geben explizit an, ein diverses Arbeitsumfeld zu bevorzugen. Diese wichtige Bedeutung scheint aber noch einseitig zu sein:

  • So geben 60 % der Befragten an, dass Diversity Management in ihrem Betrieb noch keine wichtige Rolle spielt.

Je vielfältiger, desto erfolgreicher ist ein Business: Eine internationale Analyse von McKinsey zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen Unternehmenserfolg und Diversity. Die Wahrscheinlichkeit für eine höhere Rentabilität steigt mit der Vielfältigkeit der Talente. Gerade in akuten Krisen kommen gemischte Teams zu nachhaltigeren Lösungen für den Unternehmenserfolg. Die Corona-Pandemie ist hierfür ein eindrucksvolles Beispiel.

Warum ist Diversity Hiring so wichtig?

In vielen Branchen herrscht ein akuter Fachkräftemangel. Beim Recruiting müssen Unternehmen neue Wege gehen, um sich im Kampf um die wenigen besten Köpfe strategisch klug aufzustellen. Und hierbei spielt eine diverse Personalpolitik eine entscheidende Rolle.

Es reicht nicht mehr, beim Recruiting 'nur' mit einem spannenden Aufgabenbereich, der Möglichkeit einer Karriere und einem hohen Gehalt zu locken:

Für die Generation Y als wichtige Zielgruppe spielt das Geld nicht mehr die alles entscheidende Rolle. Die Unternehmenskultur ist mittlerweile bei der Entscheidung für oder gegen einen Arbeitgeber von zentraler Bedeutung. Vielfältigkeit ist eine wichtige Voraussetzung für eine attraktive Arbeitgebermarke.

Überblick: Diese Vorteile bietet Diversity Recruiting:

  • Kreativität und Innovation nehmen durch unterschiedliche Kompetenzen zu.

  • Geringere Fluktuation: Diversity Management stärkt die Mitarbeiterbindung.

  • Diversity Management erhöht die Mitarbeiterzufriedenheit.

  • Studien bescheinigen vielfältigen Unternehmen eine höhere Produktivität.

  • Positive Effekte beim Employer Branding: Anziehungskraft einer attraktiven Arbeitgebermarke.

Wie kann ich Diversity Recruiting im Unternehmen umsetzen?

Diversity Management muss als authentische Basis auf allen Ebenen gelebt werden.

Es reicht nicht, nur Beschlüsse auf dem Papier zu fassen. Jede Führungskraft muss Vielfältigkeit mit ihrem Handeln ein Gesicht geben.

Es reicht ebenfalls nicht, beim Recruiting mit neuen Stellenanzeigen Diversität nur oberflächlich anzudeuten.

Spätestens beim Vorstellungsgespräch werden Job-Kandidaten im Unternehmen einen realistischen Eindruck gewinnen. Bei der anschließenden Probephase zeigt sich schnell, ob das Recruiting ein realistisches Bild der Unternehmenskultur gezeichnet hat.

Übersicht: Dimensionen der Vielfalt und Beispielmaßnahmen

Geschlechtervielfalt

  • Mehr Frauen als Führungskräfte,

  • Bessere Vereinbarkeit von Beruf & Familie (beispielsweise mit eigener Kita),

  • Das dritte Geschlecht darf nicht nur auf dem Papier erscheinen.

Generationenvielfalt

  • Karrierechancen altersunabhängig machen,

  • Bildung generationenübergreifender Teams,

  • Wissenstransfer durch Mentorenprogramme.

Kulturenvielfalt

  • Willkommenskultur im Unternehmen leben,

  • Stärkung interkultureller Dialoge,

  • Diverse Sprachkenntnisse für Expansion nutzen.<br>

Vielfalt der Herkunft

  • Recruiting international ausrichten, um Kompetenzen breiter aufzustellen,

  • Abbau von Sprachbarrieren durch interkulturelle Teams,

  • Anerkennung diverser Bildungsabschlüsse, auch internationaler.

Was sind die Grundvoraussetzungen für Diversity Recruiting?

Führungskräfte müssen ein Bewusstsein für dieses Thema schaffen bzw. es zunächst selbst verinnerlichen.

Der eine oder andere unbewusste Stereotyp wird zu überwinden sein: Kein Menschen ist völlig frei von Vorurteilen. Bei den Führungsgrundsätzen muss die Chancengleichheit ein zentraler Wert werden.

Offene Kommunikation und Workshops sorgen für eine lebendige Unternehmenskultur.

Beim Marketing und in der gesamten Unternehmenskommunikation muss dieses Thema selbstbewusst in den Fokus rücken. Es besteht die Option, mit gezieltem Marketing ein modernes Image zu etablieren.

Durch Training und die Analyse von Best Practice Beispielen müssen Führungskräfte sensibilisiert werden. Jeder muss wissen, wofür Diversity Management im Unternehmen steht und welche Möglichkeiten sich ergeben.

Daher sollte dieses wichtige Handlungsfeld auch bei der Personalentwicklung eine wichtige Rolle spielen.<br><br>Hat das Unternehmen eine umfassende Vision der Chancen durch Vielfalt erarbeitet, müssen alle Prozesse - angefangen beim Recruiting - darauf abgestimmt werden.

Bewerber müssen beispielsweise die Vielfalt des Unternehmens schon in der Stellenausschreibung erkennen können. Das Employer Branding muss eine klare Botschaft senden: Jeder Mitarbeiter ist willkommen, wenn er qualifiziert ist.

Der Geist der Inklusion muss spätestens beim Vorstellungsgespräch vor Ort spürbar sein. Alle Bewerber sollten das motivierende Gefühl haben, bei diesem Arbeitgeber attraktive Rahmenbedingungen vorzufinden: "Hier kann ich 'ich' sein und mit selbst verwirklichen."

Welche Tipps und Best Practice Beispiele gibt es?

Die Charta der Vielfalt sollte die Basis für eine gelebte Diversitätskultur sein.

Demnach sollte jeder Wertschätzung am Arbeitsplatz erfahren können, völlig unabhängig vom Geschlecht, der Herkunft, der Hautfarbe, seiner Religion, sexuellen Identität oder einer möglichen Behinderung. Ein Ort, an dem all diese Unterschiede zusammenkommen, ist für jeden einzelnen eine Chance.

Die Integration eines Diversity-Netzwerkes im Betrieb kann die Basis für einen gelebten Austausch sein: Dieses wichtige Thema darf im Arbeitsalltag keine Nebenrolle spielen. Es muss immer greifbar sein!<br><br>Ein wichtiger Tipp mit großer Wirkung ist die Anpassung von Stellenanzeigen. Standardformulierungen haben ausgedient, vielfältige Kreativität ist gefragt. Alle Stellenausschreibungen müssen diskriminierungsfrei sein.

Diversität sollte explizit angesprochen, beispielsweise mit dem Verweis, dass ein Migrationshintergrund erwünscht ist oder Frauen gezielte Unterstützung durch Mentoring erfahren.

Eine solche 'Bevorzugung' ist übrigens mit Blick auf § 5 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes erlaubt. Von einer positiven Maßnahme ist auszugehen, wenn durch die gezielte Ansprache einer Zielgruppe ein Ungleichgewicht behoben wird.

So lassen sich Vorurteile beim Recruiting ausblenden

Blind Hiring kann ein vielversprechender Ansatz beim Recruiting sein: Bei anonymisierten Bewerbungen ohne Bild und richtigen Namen rücken Erfahrungen und Wissen in den Fokus.

So lässt sich die Ähnlichkeits-Bias umgehen, die für verkrustete Denkweisen steht. Diese Bias besagt, dass Recruiter oft Personen einstellen, die ihnen ähneln. Das hat wahrlich nichts mit Diversity Management zu tun.

Ein Blick auf die Praxis: So leben Betriebe Vielfalt

Volkswagen:  <br><br>Als Global Player ist Volkswagen von Natur aus interkulturell ausgerichtet: Alleine im Wolfsburger Stammwerk arbeiten Menschen aus mehr als 100 Nationen zusammen.

Die 'Together Strategie 2025' ist in die Unternehmensstrategie integriert worden, um der Chancengleichheit nicht nur auf dem Papier Gewicht zu verleihen. Diversity Manager tauschen sich regelmäßig auf Konferenzen aus. Für die Förderung von Frauen gibt es spezielle Mentoring-Programme. Volkswagen hat beispielsweise am Christopher Street Day teilgenommen (während der Corona-Pandemie digital). Natürlich geht hiervon eine starke, medienwirksame Botschaft aus.<br><br> Audi:<br><br>Dieser Autobauer hat 2017 eine eigene Einheit für Diversity Management ins Leben gerufen und so für eine strukturelle Verankerung gesorgt. Aktives Generationenmanagement, ein Mentorenprogramm für weibliche Talente und die gezielte Integration mit Blick auf das Handlungsfeld sexuelle Orientierung lassen die Anstrengungen ebenenübergreifend erscheinen.<br><br> Novartis:<br><br>Der Konzern hat in den vergangenen Jahren zahlreiche LGBTIQ-Initiativen gestartet und symbolstarke regenbogenfarbene Give-Aways verteilt. So konnte sehr medienwirksam Aufmerksamkeit für dieses Schlüsselthema erzeugt werden. Das 2020 ins Leben gerufene Projekt 'queer+friends' hat die Regenbogenfarben im Konzern noch präsenter gemacht.<br><br>

Quellen:

Beispiele und Maßnahmen, siehe https://hire.workwise.io/hr-praxis/organisationsentwicklung/diversity-management#definition<br><br>So gelingt Diversity Management, siehe https://www.charta-der-vielfalt.de/presse/pressemitteilungen/detail/16-best-practices-zeigen-wie-diversity-gelingt/ <br><br>Aus diesen Gründen sind Unternehmen mit Diversity erfolgreicher, siehe https://blog.searchtalent.de/diversity-warum-bunte-unternehmen-besser-sind/ <br><br>Studie zum Diversity Recruiting, siehe https://www.stepstone.de/wissen/diversity/

Über die Autorin: Nicola Lehrle
Nicola Lehrle

Nicola Lehrle ist als Redakteurin bei hiral tätig. In ihrer beruflichen Laufbahn mit Schwerpunkt Marketing konnte sie im HR vielerlei Erfahrung sammeln. Ihr Fokus liegt auf Ratgebern und Fachtexten zu unterschiedlichen Themen im Bereich Personal/HR. Nicola möchte mit ihren Texten den Lesern auch komplizierte Sachverhalte möglichst einfach erklären.

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