Diversity Management

Diversity Management: Begriff, Ziele, Chancen und Umsetzung

Nicola Lehrle
Lesezeit: ca. 7 Minuten

Das Thema Diversity ist hochaktuell für viele Unternehmen. Auch im Personalmanagement spielt Diversität eine große Rolle. Diversity Management ist ein wichtiger Teilbereich des Personalmanagements. Durch die Einführung von Diversity Management soll vor allem Diskriminierung am Arbeitsplatz bekämpft, Chancengleichheit für alle Mitarbeiter hergestellt und Employer Branding unterstützt werden. Diversity Konzepte sind aber auch zu einem Tool geworden, um unterschiedliche Hintergründe, Eigenschaften und Erfahrungen von Mitarbeitern für den Erfolg eines Unternehmens zu nutzen. Wir erklären, was Diversity Management ist, welche Ziele es verfolgt und wie sich die Umsetzung von Diversity in deutschen Unternehmen gestaltet.

Wie lautet die Definition von Diversity Management?

Weil jeder Mitarbeiter seinen ganz eigenen Background sowie eine individuelle Persönlichkeit mitbringt, bedarf es eines Konzepts, das Individualität und Vielfalt im Unternehmen thematisiert, schützt und fördert. Hierfür gibt es Diversity Management, beziehungsweise das Management der Vielfalt. Diversität beschreibt die Eigenschaften, in denen sich Menschen voneinander unterscheiden. Grundsätzlich bezieht sich die personelle Vielfalt dabei auf folgende Bereiche:

  • das Alter,

  • das Geschlecht,

  • die ethnische Zugehörigkeit oder den kulturellen Hintergrund,

  • die sexuelle Orientierung und den Familienstand,

  • die Religionszugehörigkeit,

  • die Weltanschauung,

  • und darauf, ob eine Behinderung besteht, oder nicht.

Doch auch der Lebensstil, das Einkommen, die persönlichen Werte und die Einstellung zu Themen wie Politik und Geschichte fallen unter die Charta der Vielfalt.

Ursprünglich wurde das Vielfaltsmanagement eingeführt, um Diskriminierung im Arbeitsumfeld entgegenzuwirken. Somit sollte bereits beim Recruiting jeder Kandidat dieselben Chancen haben, ohne auf Grund von persönlichen Eigenschaften ausgegrenzt zu werden. Der Diversity-Ansatz galt somit also überwiegend der Antidiskriminierung.

Heute hat sich Diversity Management zu einem hilfreichen Instrument entwickelt, um das eigene Unternehmen erfolgreicher zu machen. Denn durch Diversity-Maßnahmen kann eine gezielt vielfältige Belegschaft modelliert werden. Dadurch können der kulturelle Background und die individuelle Erfahrungen von Mitarbeitern komplementär genutzt werden, um sie vorteilhaft für das Unternehmens einzusetzen.

Welche Ziele verfolgen Unternehmen mit kultureller Vielfalt?

Durch den Fachkräftemangel in Deutschland werden hierzulande vermehrt Mitarbeiter aus anderen Ländern und mit einer anderen ethnischen Herkunft rekrutiert. Dank des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes, kurz AGG, dürfen Mitarbeiter außerdem auf Grund eines Diskriminierungsmerkmals nicht benachteiligt werden. Dies führt per se zu einer eher vielfältigen Belegschaft. Um der täglichen Herausforderung für Unternehmen und Mitarbeiter gerecht zu werden, gibt es das Management der Vielfalt. Die Ziele des Diversity Managements sind dabei folgende:

  • Die Schaffung einer angenehmen sowie produktiven Arbeitsatmosphäre: Durch eine verbesserte Unternehmenskultur sollen Mitarbeiter motiviert werden. Dadurch kann die Mitarbeiterbindung zusätzlich gestärkt werden.

  • Die Verbesserung des Arbeitgeberimages: Durch personelle Diversität im Unternehmen wird Toleranz, Offenheit und Wertschätzung vermittelt. Dies unterstützt auch das Employer-Branding.

  • Die Eliminierung von sozialer Diskriminierung: Durch den integrativen Ansatz von Diversity Maßnahmen wird Diskriminierung vermieden bzw. abgebaut.

  • Die Förderung von Austausch: Rege Kommunikation und ein gelungener Austausch sorgt für mehr Verständnis untereinander. Dies führt zu einem besseren Miteinander und erleichtert den Ausgleich von Personalengpässen.

  • Die Vermeidung von Konflikten: Kulturelle und persönliche Unterschiede können großes Konfliktpotenzial innerhalb der Belegschaft darstellen. Diese gilt es, im Rahmen von Diversity Maßnahmen, vorzubeugen und abzubauen. Praxisbeispiele hierfür können interkulturelle Trainings und die Sensibilisierung von Führungskräften sein.

  • Die Steigerung von Innovation und Kreativität: Personelle Vielfalt bringt auch immer eine größere Bandbreite an Erfahrung, Wissen und Perspektive. Dies steigert die Innovationsfähigkeit von Unternehmen und führt zu neuen Ideen und Lösungsansätzen, was den Unternehmenserfolg steigern kann.

  • Chancengleichheit: Ein weiteres Ziel des Diversity Managements ist Chancengleichheit. Frauen und Männer sollen, unabhängig von ihrem Familienstand, dieselben Karriereperspektiven erhalten. Dies gilt auch für Mitarbeiter mit Kindern während Erziehungsphasen. Durch flexible Arbeitszeitmodelle soll eine gesunde Work-Life-Balance erreicht werden, die gleichzeitig auch die Motivation steigert.

Welche Chancen und Hindernisse gibt es für Diversity Management?

Die Möglichkeiten von Vielfaltsmanagement bieten vielfältige Kombinationsmöglichkeiten von Personal. Dabei soll die Zusammenarbeit im Team gefordert und verbessert werden. Diversity Management wirkt. Laut Studien berichten nahezu 60 Prozent aller befragten Deutschen Unternehmen von einer deutlich besseren Zusammenarbeit dank unterschiedlichen Diversity Konzepten. Außerdem sind fast 70 Prozent der Firmen überzeugt, dass Diversity Management eine ebenso große Auswirkung auf die Arbeitgebermarke hat. Unternehmen, die Diversity-Maßnahmen umsetzen, berichten von deutlich mehr qualifizierten Bewerbern. Darunter überwiegend internationale Fachkräfte mit gewünschten Kenntnissen und geeigneter Qualifikation.

Auf Grund der Coronakrise wurden im Jahr 2020 Diversity-Abteilungen weltweit vor große Herausforderungen gestellt. Wegen Reisebeschränkungen war die internationale Vernetzung stark begrenzt und die Rekrutierung von ausländischen Fachkräften in vielen Ländern nahezu unmöglich. Mittlerweile wurden viele Beschränkungen wieder aufgehoben und die Wirtschaft erholt sich langsam. Viele Unternehmen haben aus der Pandemie gelernt und setzen auf neue Chancen. Dabei entstehen vermehrt Arbeitsplätze im Home Office sowie Remote Jobs. Dies führt zu einer noch stärkeren internationalen Vernetzung und zeigt erneut, wie wichtig das Thema Diversity ist. Mit einem gekonnten Diversity Management können Menschen weltweit - unabhängig von Sprache, Herkunft und körperlicher Verfassung - produktiv zusammenarbeiten.

Doch birgt die Zusammenarbeit mit extrem unterschiedlichen Mitarbeitern auch Konfliktpotenzial und stellt Unternehmen vor so manches Hindernis. Dabei stehen Unternehmen vor allem vor folgenden Probleme:

  • Konflikte bei der Zusammenarbeit: Ein Arbeitnehmer aus Indien ist womöglich eine andere Arbeitsweise gewohnt, als ein Mitarbeiter aus Schweden. Genauso wie ein 60-Jähriger andere Erfahrungen und eine andere Herangehensweise als ein 20-Jähriger mit sich bringt. Dies kann zu Kommunikationsproblemen im Arbeitsalltag führen. Um diese Lücke zu schließen, müssen Unternehmen Diversity Konzepte bieten, die wirken.

  • Teamkonflikte: Unterschiedliche Lebenserfahrungen und Perspektiven führen nicht selten zu Teamkonflikten. Hier bedarf es jede Menge Toleranz, Empathie und Verständnis. Um solchen Konflikten und Meinungsverschiedenheiten entgegen zu wirken, sollten jederzeit Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Ebenso wichtig sind Offenheit und Transparenz, damit gemeinsame und regelmäßige Gespräche zwischen Mitarbeitern und Führungskräften stattfinden und einer erfolgreichen Teambildung nichts im Weg steht.

  • Quoten-Probleme: Mitarbeiter, die im Rahmen von Diversity-Programmen eingestellt wurde, werden schnell als übervorteilt und weniger leistungsstark bewertet. Dadurch werden sie von der Belegschaft schnell als “Quoten-Mitarbeiter” abgestempelt und nicht für ihre tatsächlichen Fähigkeiten wahrgenommen. Auch hier müssen Führungskräfte und Diversity-Beauftrage einschreiten und vermitteln.

Wie verbreitet ist Diversity Management in der Praxis?

Der Ursprung vom Management der Vielfalt liegt in der Bürgerrechtsbewegung für Frauenrechte. Während das Managementkonzept von Diversity im US-amerikanischen Raum bereits in den Sechzigern Einzug in die Wirtschaft hielt, sind Diversity Konzepte in Deutschland erst seit kurzem üblich. Ein Grund hierfür ist wahrscheinlich, dass die meisten Firmen hierzulande darin eher eine Form von Sozialpolitik zur Minderheitenstärkung sahen, anstatt das Potenzial, das mit Diversity Management einhergeht. Heute ist nahezu jedem großen Unternehmen klar, welche Wettbewerbsvorteile mit Diversity-Ansätzen erzielt werden können.

Ein weiterer Grund für den Wandel ist der dauerhaft zunehmende Fachkräftemangel. Um gut ausgebildete und qualifizierte Kandidaten zu finden, ist die Suche auf dem internationalen Arbeitsmarkt unerlässlich. Trotzdem tun sich viele Unternehmen immer noch schwer beim Thema Diversity. Obwohl vier von fünf Firmen angeben, dass Vielfaltsmanagement eine klar erkennbare positive Auswirkung auf den Unternehmenserfolg hat, fürchten nahezu 70 Prozent aller Befragten vor einer positiven Diskriminierung. Sie haben Angst, dass durch die Einführung von Quoten die natürliche Marktregelung außer Kraft gesetzt wird.

Mit welchen Maßnahmen kann Diversity im Arbeitsumfeld gefördert werden?

Während in kleineren und mittleren Unternehmen oftmals nur vereinzelte Diversity-Maßnahmen zum Einsatz kommen, sind in großen Konzerne oftmals ganze Diversity-Programme tief im Arbeitsalltag und der Unternehmenskultur verankert. Die folgenden praktischen Maßnahmen eignen sich perfekt für die direkte Umsetzung von Diversity Management:

  • Das Coaching von Führungskräften zu kulturspezifischen Themen,

  • eine kulturell offene Unternehmenskultur, die auf jeder Unternehmensebene gelebt wird,

  • kulturell vielfältige Werbe- und (Personal-)Marketingkampagnen,

  • das Angebot von Sprachkursen, um die interne Kommunikation zu stärken,

  • der Einsatz von Gleichstellungsbeauftragen im Unternehmen,

  • die aktive Bekämpfung von Vorurteilen und Stereotypen,

  • die Bereitstellung von interkulturellen Kalendern und die Beachtung von verschiedenen religiösen und kulturellen Feierlichkeiten,

  • das Angebot von unterschiedlichen Speisen in der Kantine (koscher, vegan, vegetarisch),

  • die Vermittlung von interkulturellen Kompetenzen und Konfliktmanagement,

  • flexible Arbeitszeiten und Betreuungsangebote für Mitarbeiter mit Kindern,

  • behindertengerechte Einrichtung sowie Behindertenparkplätze.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Schaffung von Diversität eine Herausforderung für Unternehmen sein kann, andererseits aber auch große Chancen bietet.

Über die Autorin: Nicola Lehrle
Nicola Lehrle

Nicola Lehrle ist als Redakteurin bei hiral tätig. In ihrer beruflichen Laufbahn mit Schwerpunkt Marketing konnte sie im HR vielerlei Erfahrung sammeln. Ihr Fokus liegt auf Ratgebern und Fachtexten zu unterschiedlichen Themen im Bereich Personal/HR. Nicola möchte mit ihren Texten den Lesern auch komplizierte Sachverhalte möglichst einfach erklären.

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