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TikTok - Booster für das Recruiting in der Generation Z

Lisa Rätze
Lesezeit: ca. 8 Minuten

Eine neue Chance im Kampf um junge Talente

TikTok boomt und wer nicht auf TikTok ist, ist ein Boomer (?!) So sieht es zu mindestens Gen Z. Diese junge Generation hat mit der Videoplattform einen idealen Ort für ihren sozialen Austausch gefunden. Andere soziale Netzwerke wie Instagram werden von einem Drittel der Nutzer überhaupt nicht mehr verwendet, ganz zu schweigen von Facebook. Dass sich der digitale Lebensmittelpunkt der jungen Talente verlagert hat, spürt auch das Social Media Recruiting. Es ist höchste Zeit, dass TikTok stärker in den Fokus rückt, um potenzielle Bewerber aus Gen Z zu erreichen. Recruiter müssen die Bedürfnisse der neuen Generation besser verstehen, um die Videoplattform erfolgreich nutzen zu können. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit Gen Z, TikTok, Social Recruiting und dem Zusammenhang zwischen diesen Themen.

Generation Z und Social Media

Während die Generation der Baby Boomer (Geburtenjahrgänge von 1956-1965) in einem geteilten Deutschland aufwuchs, erlebte Gen Z schon in der Kindheit IPhones und das Internet. Alle Geburtenjahrgänge um die Jahrtausendwende zählen zu dieser neuen Generation, die nun an der Schwelle zum Eintritt in die Arbeitswelt steht. Doch vielen HR-Abteilungen bereiten die jungen Talente Kopfzerbrechen. Denn mit den veränderten Bedingungen des Aufwachsens entwickelte Generation Z auch andere Werte und Anforderungen in Bezug auf ihre Arbeit. Um zielgruppenspezifisch rekrutieren zu können, müssen Recruiter diese Anforderungen kennen und verstehen.

Generation Z bringt hohe Anforderungen an eine digitale Arbeitsumgebung mit, da sie als Digital Natives aufwuchsen. Wenn es keine One-Click-Bewerbung gibt und das Bewerbungsgespräch nicht über Zoom laufen kann, hinterlässt das schon mal keinen guten Eindruck. Die sozialen Netzwerke sind für junge Menschen nicht nur virtuelle Portale zur Vernetzung, sondern ein Teil ihrer Lebensrealität. Hier informieren sie sich über das Weltgeschehen, finden ihr neues Lieblingsrestaurant und schicken ihren Freunden Memes. Unternehmen müssen ihr Recruiting dieser „Normalität“ anpassen und durch regelmäßige, interessante Posts auf sich aufmerksam machen.

Neben diesen technischen Anforderungen sollen die Werte der Generation mit Social Media Content adressiert werden. Anders als die Vorgängergenerationen versteht Generation Z die Schattenseiten der schillernden Online-Welt zunehmend besser. Mit Clickbait und aufgesetzten Imagevideos lassen sie sich nicht begeistern. Stattdessen sollten Unternehmen betonen, dass die Arbeit bei ihnen sinnstiftend ist, dass sie an der persönlichen Entwicklung ihrer Mitarbeiter interessiert sind und Innovation, Flexibilität und eine gesunde Work-Life-Balance für sie an erster Stelle stehen. Diese Werte müssen mithilfe von interaktiven Einblicken untermauert werden, um junge Kandidaten anzulocken. Besonders gut geeignet sind kurze Videos, zum Beispiel auf Plattformen wie TikTok.

Was ist TikTok und wie unterscheidet sich die Plattformen von anderen Netzwerken?

Was 2018 als Plattform für lustige Tanzvideos begann, ist heute die am stärksten wachsende Social Media Plattform weltweit. Das Startup Bytedance kaufte 2017 die App musical.ly auf und etablierte kurze Zeit später ihre neue Marke TikTok. Das Netzwerk bietet Nutzern die Möglichkeit selbstgedrehte Videoclips mit verschiedenen Sounds, Effekten und Filtern hochzuladen und anzusehen. Sofort nach dem Öffnen der App startet ein Video und dank der Funktion des „Endless Scrolling“ und dank schlauer Algorithmen hören die Clips so schnell nicht mehr auf. Mit über 50 Minuten täglich verbrachten Nutzer 2021 mehr Zeit auf TikTok, als auf jeder anderen Social Media Plattform. TikTok selbst gibt keine aktuellen Nutzerzahlen bekannt, doch Schätzungen zufolge soll die Plattform 2022 noch 1,5 Milliarden Nutzer weltweit erreichen und auch in Deutschland bereits über 10,7 Millionen Mitglieder zählen.

Diese Zahlen sind zwar in Anbetracht des rasanten Wachstums beeindruckend, übersteigen jedoch noch nicht die Userzahlen etablierter Plattformen wie Instagram oder Facebook. Was macht TikTok dann so besonders? Es sind zwei Faktoren: Eine sehr junge Zielgruppe und ein einzigartiger Algorithmus. Laut Angaben der App Annie sind 69% der TikTok-Nutzer weltweit 16-24 Jahre alt. Gen Z macht somit über zwei Drittel der Nutzer aus. Die junge Nutzerstruktur verhilft der Plattform zu dynamischen Inhalten mit hohem Unterhaltungswert. Dieser wird mithilfe des reichweitenstärksten Algorithmus auf der sogenannten „For-you-page“ präsentiert. Die For-you-page ist in besonderem Maße an die Vorlieben der User angepasst und lädt mit individuellen Content-Angeboten zum Verweilen ein.

Welchen Mehrwert hat TikTok für Social Recruiting?

Neben einer Plattform für Comedy, Beauty, Pranks und Lip sync ist TikTok auch ein Netzwerk für den politischen Austausch, Aufklärung über Gesundheitsthemen und Recruiting sowie Employer Branding geworden. Immer mehr Unternehmen erkennen den Wert des sozialen Netzwerks, insbesondere für die Rekrutierung junger Fachkräfte und Azubis. TikTok selbst treibt diese Entwicklung voran, indem sie 2021 das Pilotprojekt „TikTok Resumes“ starteten. Nutzer wurden dazu aufgerufen ein kreatives Bewerbungs-TikTok zu erstellen und es mit einem bestimmten Hashtag zu versehen. In Zusammenarbeit mit einigen der größten Unternehmen der USA wie Target, Shopify oder WWE wurden so neue Talente für ihre Einstiegspositionen rekrutiert. Obwohl sich dieses Pilotprojekt bislang nur auf ausgewählte amerikanische Unternehmen beschränkte, zeigt es doch einen vielversprechenden Recruiting-Kanal für Unternehmen weltweit auf. Welche Möglichkeiten noch für die Nutzung von #Careertok sprechen, haben wir im Folgenden aufgelistet:

 

  • TikTok erreicht die Talente von morgen: Aufgrund der jungen Nutzerstruktur eignet sich die Plattform für Azubimarketing und Einsteiger-Rekrutierung.

  • Kreativität geht vor: Der Algorithmus belohnt Videos, die am beliebtesten sind, unabhängig davon, wie viele Follower ein Profil hat. So können auch Unternehmen ohne große Follower-Anzahl mit etwas Geschick viele Nutzer erreichen.

  • TikTok lädt zum Mitmachen ein: Auf der Plattform können unter eigenen Hashtags Challenges ausgerufen werden, die Nutzer zum Interagieren auffordern. Lustige und kreative Herausforderungen wirken sich positiv auf das Employer Branding von Unternehmen aus und erhöhen ihre Reichweite.

  • Videos gewähren authentische Einblicke: Ein knackiges Interview, ein kurzes Follow-me-around oder die Reaktion auf einen Zuschauerkommentar – mithilfe der Videoclips können Unternehmen den TikTok-Nutzern authentische Eindrücke ihrer Unternehmenskultur gewähren.

Was müssen Unternehmen beim Recruiting auf TikTok beachten?

Um Schüler, Studenten oder junge Absolventen auf TikTok richtig ansprechen zu können, müssen Unternehmen einige Faktoren beachten. Das große Potenzial, dass die Plattform mitbringt, sollte nicht durch gestellte Videos und verspätete Trends verschenkt werden. Diese 5 Punkte solltet ihr daher bei der Erarbeitung einer Recruiting-Strategie auf TikTok beachten:

Verstehe deine Zielgruppe und die Plattform!

Ohne das notwendige Know-How in der Personalabteilung darf nicht einfach mal so ein Clip gepostet werden. Vor der Planung einer Recruiting-Kampagne sollten sich die Verantwortlichen intensiv mit der App auseinandersetzen und ihre Funktionen erkunden. Das Team muss die neusten Trends kennen, verstehen wie Challenges ablaufen und über passende Sounds verfügen. Zusätzlich dazu können Meinungsumfragen und Recherchen auf verschiedenen Portalen dabei helfen, Themen zu identifizieren, die Gen Z beschäftigen.

Bleib dran!

Wie bei vielen anderen Social Media Plattformen auch, lebt TikTok von aktuellen Posts und neuem Content. Unternehmen müssen regelmäßig neue Inhalte veröffentlichen, um ihre Reichweite zu stärken und auf aktuelle Trends reagieren zu können. Auch die Interaktion in den Kommentaren gehört dazu, denn so fühlen sich Zuschauer aktiv wahrgenommen.

Hebe dich von der Konkurrenz ab!

Angesagte Sounds verwenden und neue Trends beachten: Ja! Beliebte Videos kopieren und kaum eigene Ideen einbringen: Nein! Denn obwohl TikTok von Community-Content lebt, sind es vor allem die kreativen und innovativen Clips, die die meiste Aufmerksamkeit erhalten. Auch im Zuge des Employer Brandings muss die Einzigartigkeit deines Unternehmens stets im Vordergrund stehen.

Nutze Hashtags!

Die Hashtags unter den Videos sind bedeutsamer, als sie wirken. Mithilfe von Hashtags werden Videos in Suchen gefunden, geteilt oder ganze Themenbereiche abonniert. Unter #lovemyjob z.B. teilen Mitarbeiter verschiedenster Unternehmen ihre individuellen Arbeitserfahrungen. Zusätzlich dazu können Unternehmen auch eigene Hashtags etablieren und so Challenges starten oder ihre Reichweite stärken.

Bestimme Richtlinien!

Auch kurze Videoclips können fatale Auswirkungen haben, wenn sie vertrauliche Informationen beinhalten oder unangemessene Inhalte verbreiten. Eindeutige Richtlinien zum Umgang mit TikTok sind notwendig, um die Daten und Mitarbeiter des Unternehmens zu schützen und einen Shitstorm zu vermeiden.

Beispiele für erfolgreiche TikTok-Recruiting-Kampagnen

Laut Angaben in der WirtschaftsWoche sind nur sechs Prozent der 140 größten deutschen Unternehmen auf TikTok aktiv. Glück für die, die bereits Kampagnen auf der Videoplattform schalten, denn die Konkurrenz ist (noch) gering. Wie erfolgreiches Social Media Recruiting auf TikTok aussieht, zeigen diese 3 Beispiele aus der Praxis:

EDEKA setzt auf Influencer

Die Supermarktkette knüpft mit ihrer neuen Ausbildungskampagne an vergangene Erfolge an: Bereits seit zwei Jahren veröffentlicht Edeka beliebte Videos, unter anderem auf YouTube, mit der Unterstützung bekannter Social-Media-Influencer. Zwei Stars der jungen Zielgruppe warben nun auch auf TikTok für Ausbildungsberufe bei Edeka. Unter dem Hashtag #teamedeka rief das Unternehmen ihre Community dazu auf, für den besseren Image-Clip abzustimmen und mit Fragen und Anregungen die Challenge voranzutreiben. Die Kampagne gipfelte in einem Community Live-Talk, an dem auch Ausbildungsexperten von Edeka teilnahmen.

OTTO animiert zum Mitmachen

Bereits im Sommer 2019 startete das Unternehmen die erste TikTok-Kampagne unter dem Slogan „Keine Angst sich zum Otto zu machen“. Unter #MachDichZumOtto wurden User dazu aufgerufen, eigene Videos hochzuladen in denen sie sich nicht all zu ernst nehmen. Die Hashtag-Challenge sollte die Bekanntheit des Unternehmens unter der jungen Zielgruppe steigern und übertraf die Erwartungen der Verantwortlichen bei Weitem. Innerhalb von vier Wochen wurden 147 Millionen Videos generiert.

SAP zeigt Möglichkeiten auf

Das Softwareunternehmen SAP nutzt TikTok vor allem, um Einblicke in ihren Arbeitsalltag zu gewähren und mögliche Karrierewege aufzuzeigen. Dazu integriert das Unternehmen beliebte Soundeffekte und Tänze, um ihren Videos die nötige Reichweite zu verschaffen. In den Kommentaren zeigt sich: Die User nehmen SAP als attraktiven Arbeitgeber wahr und bemerken: Da würde ich auch gerne arbeiten!

 

Quellen:

https://books.google.de/books?hl=de&lr=&id=utLTCgAAQBAJ&oi=fnd&pg=PP1&dq=generationen+im+%C3%BCberblick&ots=NL7Eg63OYG&sig=uBTC49r8cgWYINASeFOGVxAOnrw#v=onepage&q=generationen%20im%20%C3%BCberblick&f=false 

https://www.futurebiz.de/artikel/tiktok-statistiken-2019/

https://www.focus.de/politik/ausland/ukraine-krise/gastbeitrag-von-elisabeth-hoffmann-der-ukraine-krieg-macht-tiktok-zu-wartok-und-unersetzlich-fuer-putins-propaganda_id_72603528.html

https://newsroom.tiktok.com/en-us/find-a-job-with-tiktok-resumeshttps://newsroom.tiktok.com/en-us/find-a-job-with-tiktok-resumes

https://www.wiwo.de/erfolg/beruf/videoplattform-welche-firmen-auf-tiktok-um-fachkraefte-werben/28061474.htmlhttps://www.wiwo.de/erfolg/beruf/videoplattform-welche-firmen-auf-tiktok-um-fachkraefte-werben/28061474.html

https://www.horizont.net/marketing/nachrichten/recruiting-kampagne-edeka-sucht-nachwuchs-auf-tiktok-196041https://www.horizont.net/marketing/nachrichten/recruiting-kampagne-edeka-sucht-nachwuchs-auf-tiktok-196041

https://blog.socialhub.io/otto-bei-tiktok/

 

Über die Autorin: Lisa Rätze
Lisa Rätze

Lisa Rätze ist Redakteurin bei hiral für HR-Themen. Sie hat einen Abschluss für das Studium Lehramt an Grundschulen, unter anderem mit dem Studienfach Deutsch, und befindet sich nun im Bachelor für Psychologie. Ihr Fokus liegt auf Persolmanagement und Recruiting.

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