Social Media Recruiting

Social Media Recruiting: Definition, Vorteile, Kanäle, Ablauf und Best Practices

Lisa Rätze
Lesezeit: ca. 9 Minuten

Wir sind online und das ständig. Im Januar 2022 nutzten weltweit rund 4,62 Milliarden Menschen die sozialen Netzwerke (vgl. Statista). Das Web 2.0 bestimmt wie wir kommunizieren, worüber wir uns informieren, was wir konsumieren und auch, wie wir Jobs finden. Dieses Potenzial der sozialen Medien erkennen immer mehr Unternehmen. Das Thema Social Media Recruiting ist aus den jährlichen Recruiting Trends nicht mehr wegzudenken. Welche Vorteile soziale Netzwerke für die Personalbeschaffung bringen, wie das Recruiting abläuft und welche Best Practice Tipps es gibt, erfährst du in diesem Beitrag.

Wie genau lautet die Definition von Social Media Recruiting?

Social Media Recruiting, auch Social Recruiting genannt, bezeichnet die Personalbeschaffung über soziale Netzwerke. In dieser Form des Personalmarketings nutzen Recruiter populäre Plattformen wie Xing, LinkedIn, Facebook, Instagram, TikTok oder Youtube für die Bewerbersuche. Über Social Media soll im Recruiting vor allem die jüngere Generation erreicht und gezielt angesprochen werden. 

Eine ganzheitliche Social Media Recruiting Strategie umfasst aktive Anteile, wie Active Sourcing und einen persönlichen Austausch mit der Community. Gleichzeitig gehören auch passive Aufgaben, wie die Pflege eines Karriereportals und das Teilen interessanter Unternehmensinhalte in den sozialen Netzwerken, zu dieser Form des Online-Marketings.

Der direkte Kontakt zu den potenziellen Bewerbern stellt eine Besonderheit des Social Media Recruitings dar. Interessenten können direkt auf Stellenangebote reagieren und Rückfragen stellen. Recruiter können wiederum unkompliziert auf diese Fragen eingehen. So entsteht eine wechselseite Interaktion und eine Verbindung, die im Auswahlprozess von Vorteil sein kann. 

Welche Vorteile hat Social Media für die Personalbeschaffung?

Laut dem Digital 2021 Report von Hootsuite verbringt jeder Deutsche durschnittlich 1 Stunde und 24 Minuten auf Social Media. Die nach wie vor zunehmende Nutzung eröffnet dem Recruiting neue Möglichkeiten, um insbesondere junge Talente dort abzuholen, wo sie sich am meisten aufhalten: In den sozialen Medien. 

Social Recruiting bringt eine Reihe an Vorteilen mit sich, die Unternehmen nicht außer Acht lassen sollten: 

  • Recruiter haben die Möglichkeit in direkten Kontakt mit potenziellen Bewerbern oder Besuchern der eigenen Social Media Profile zu treten. 

  • Die aktive Präsenz in den sozialen Netzwerken hat positive Auswirkungen auf das Branding. Vertreter der jüngeren Zielgruppen (Generation Z und Generation Y) nehmen den Arbeitgeber dann als attraktiver wahr. 

  • Social Media Plattformen können dem Recruiting wichtige Daten über ihre Nutzer zur Verfügung stellen. Diese Daten können unter anderem für Active Sourcing genutzt werden. 

  • Durch regelmäßiges Engagement und gezielte Werbung können virale Effekte erzielt werden, die eine große Reichweite für Stellenanzeigen generieren. 

  • Die Kosten für Social Media Recruitment sind deutlich geringer, als die anderer Recruiting-Strategien. 

  • Profile in den sozialen Medien enthalten meist umfassendere und authentischere Informationen über Bewerber, als herkömmliche Bewerbungsunterlagen. 

  • Der Aufbau einer Community auf Portalen wie LinkedIn stärkt ein transparentes Unternehmensimage.

Welche Kanäle und Netzwerke stehen für Social Media Rekruitierung zur Verfügung?

Social Media Recruiting nutzt verschiedene Online-Plattformen, um die richtige Zielgruppe auf die richtige Art und Weise erreichen zu können. Die Auswahl der Social-Media-Kanäle sollte Teil einer Recruiting-Strategie sein und nicht willkürlich erfolgen. Unternehmen stehen einige soziale Kanälen zur Verfügung: Von bekannten Business-Plattformen, über Messenger Dienste bis hin zu Diskussionsforen - die große Vielfalt kann beim Social Media Recruiting schnell zu Verunsicherung führen. 

Karrierenetzwerke werden von Kandidaten nach Internet-Stellenbörsen am zweithäufigsten genutzt, um sich über potenzielle Arbeitgeber und offene Stellen zu informieren (vgl. Recruiting Trends 2020, Universität Bamberg). Das Karriereportal Xing der New Work SE gehört vor allem im deutschsprachigen Raum zu den beliebtesten Kanälen für Social Media Recruiting. Der Wert der sozialen Netzwerke wird bereits von vielen Unternehmen erkannt und sie nutzen die Plattformen vorrangig für Active Sourcing. Die Vorteile der Karriereportale sind die Tools und die Daten, die das Recruiting erleichtern. So können Personaler unter anderem direkt erkennen, welche Kandidaten offen für einen neuen Job sind und ihre Bewerbersuche mithilfe von Filtern optimieren. 

Weitere Social Media Recruiting Kanäle sind die nicht-karriereorientierten Plattformen, wie Facebook, Instagram, Twitter und TikTok. Diese Portale zeichnen sich durch interaktive Features und ihre Möglichkeiten zum schnellen Aufbau einer großen Reichweite aus. Unternehmen können ihre Arbeitgebermarke durch gepflegte und interessante Profile in diesen sozialen Netzwerken stärken und mit Hilfe von Ads weiter ausbauen. Employer Branding und gezielte Werbung erreichen auf diesen Kanälen vor allem geeignete Kandidaten der Generation Z und Y, die i.d.R. den Hauptanteil der Nutzer ausmachen. Spannende, authentische und humorvolle Unternehmenseinblicke auf Social Media können aus passiven Kandidaten schnell potenzielle Mitarbeiter machen. 

Bleiben noch einige, auf den ersten Blick weniger ersichtliche Optionen übrig. Unternehmen können auch Messenger Dienste wie WhatsApp für das E-Recruiting nutzen. Über WhatsApp lassen sich beispielsweise Job-Ticker oder Microblogging-Dienste anbieten. Die Telefonnummern können zudem nach Einverständnis von Kandidaten in einem Talent Pool abgespeichert werden. 

Wie ist der Ablauf einer Recruiting Kampagne in den sozialen Medien?

Der richtige Umgang mit Social Media erfordert spezielles Know-How. Mit unbedachten Posts oder einem schlecht formulierten Kommentar riskieren Firmen u.U. einen Shitstorm. Negatives Branding kann vermieden werden, indem Social Recruiting gründlich geplant wird und strukturiert verläuft. 

Planung der Social Media Strategie 

Jede Recruiting Kampagne beginnt mit der Erarbeitung einer Strategie. Die HR Abteilung legt Ziele fest, die sie mithilfe der sozialen Netzwerke im Recruitment erreichen will. Die Personalplanung spielt dabei eine große Rolle, denn Recruiter müssen zunächst feststellen, in welchen Bereichen Personalbedarfe zu decken sind. Für eine konkrete Planung werden Kennzahlen (KPIs) eingesetzt.

Ein Beispiel: Bis Ende des Quartals haben wir über LinkedIn 50 Personen mit Active Sourcing erreicht und verzeichnen eine Antwortquote von 10%. 

Als Nächstes wird anhand der festgelegten Ziele und Bedarfe, die Zielgruppe analysiert. Dieser Schritt muss möglichst gründlich erfolgen, damit passende Social-Media-Kanäle ausgewählt werden können. In den meisten Fällen ist es von Vorteil, mehrere Kanäle zu nutzen und so die Reichweite des Contents zu erhöhen. 

Zum Abschluss der strategischen Planung müssen die Aufgabenbereiche klar zugeordnet werden. Innerhalb des HR und des Marketings gibt es verschiedene Abteilungen, die am Social Media Recruiting beteiligt sein können. Personalmarketing, Content Marketing, Customer-Relationship-Management und das Employer Brand Management müssen eng zusammenarbeiten, um eine ganzheitliche Strategie zu etablieren. 

Bewerbermanagement und Festlegung von Kommunikationsrichtlinien 

Bevor die aktive Suche nach passenden Bewerbern startet und Content zur Unternehmenskultur erscheint, müssen alle Recruiting-Prozesse eingerichtet sein. Die Bewerbungsprozesse sind im besten Fall direkt an die sozialen Netzwerke angedockt. Auch Mobile Recruiting ist in diesem Zusammenhang bedeutsam. Passende Kandidaten erwarten, dass sie während des Bewerbungsvorgangs ebenso schnell und unkompliziert mit den Recruitern kommunizieren können, wie sie es von Social Media gewohnt sind. Für die Kommunikation sollten klare Regeln festgelegt werden, eine Art Corporate Wording. So wird zum Beispiel festgelegt, ob Bewerber geduzt oder gesiezt werden. 

Aufbau eines Online-Auftritts 

Ein professioneller Social Auftritt kann mit dem Einsatz von visuellen Reizen und interaktiven Einblicken erreicht werden. Eine hohe Reichweite hilft dabei, von Kandidaten wahrgenommen zu werden. Beim Besuch des Profils sollten potentielle Bewerber einen positiven ersten Eindruck gewinnen. Die speziellen Tools der einzelnen Plattformen dienen der Optimierung des Unternehmensprofils und sollten genutzt werden.

Die Inhalte und die Form des geposteten Contents muss sowohl zur Plattform, als auch zur Zielgruppe passen. Jedoch gilt für alle: Regelmäßige und spannende Inhalte mit Fotos und Videos begünstigen den Algorithmus. 

Recruiting-Methoden 

Nachdem ein attraktiver Social Media-Auftritt aufgebaut wurde, kann das eigentliche Recruiting beginnen. Es gibt verschiedene Methoden, die bei der Personalbeschaffung in den sozialen Medien zum Einsatz kommen können. Plattformen wie LinkedIn und Xing werden vor allem für das Active Sourcing genutzt. Bei dieser Methode gehen Recruiter aktiv auf vorher ausgewählte Bewerber zu und sprechen sie an.

Des Weiteren kann in den sozialen Medien Werbung für Stellenanzeigen geschaltet werden, die direkt zur Online-Bewerbung führt. Vlogs, Live-Stories und interaktive FAQs stärken das Employer Branding und können das Unternehmen als attraktiven Arbeitgeber vorstellen.

Zuletzt nimmt auch das Influencer-Marketing im Bereich Recruiting zu. Das Netzwerk der Influencer wird von Personalern genutzt, um Employer Branding-Botschaften zu verbreiten und Kandidaten über Weiterempfehlungen zu rekrutieren.

Welche Best Practices gibt es für Social Recruiting?

Es gibt einige positive Beispiele, bei denen HR ihrem Unternehmen mithilfe der sozialen Netzwerke zu neuen Mitarbeitern verhelfen konnte. Erfolgreiches Social Recruiting folgt jedoch stets Regeln, die man als "Best Practices" zusammenfassen könnte. Um die vorangegangen Informationen zu ergänzen, geben wir euch unsere drei Top-Tipps an die Hand: 

1. Kenne deine Zielgruppe!

Jegliche Posts, Privatnachrichten, Stellenanzeigen und Unternehmenbeschreibungen sollten auf die gewünschte Zielgruppe angepasst sein. Dazu müssen Unternehmen genau wissen, welche Bedürfnisse die Zielgruppe hat. Immer mehr Ausbildungsbetriebe nutzen TikTok, um mit kurzen und lustigen Videos, potenzielle Kandidaten auf sich aufmerksam zu machen. Dabei betonen sie Werte, wie die Förderung einer guten Work-Life-Balance, die zukünftige Azubis begeistern. 

2. Binde deine Mitarbeiter ein!

Social Recruiting lebt von authentischen und nahbaren Inhalten. Wer also könnte einen glaubwürdigeren Eindruck zu ihrem Unternehmen vermitteln, als die eigenen Mitarbeiter? Der amerikanische Paketzusteller UPS zeigt auf seinem Facebook-Profil Beispiele für das Engagement einzelner Mitarbeiter und gibt ihnen damit eine Bühne. Mitarbeiterbotschafter fördern ein positives Branding und den Zusammenhalt im Unternehmen. 

3. Sei kreativ! 

Moderne Social Recruiting Strategien leben von Kreativität und Einfallsreichtum. Kein Nutzer möchte auf einem LinkedIn-Profil die immer gleichen Floskeln lesen und in den Instagram-Stories täglich mit Stellenanzeigen bombardiert werden.

Potentielle Kandidaten möchten von einzigartigen Inhalten überzeugt werden. Die Online-Drogerie Koro hat es mit ihrem Instagram-Profil geschafft, ein vielseitiges Instrument für das Social Media Recruiting zu etablieren. Mit Take Overs, Bildern und Videos vom Arbeitsplatz, leckeren Rezepten und lustigen Question and Answers finden Nutzer hier einen ansprechenden Themen-Mix. 


Quellen: 

https://www.hootsuite.com/pages/digital-trends-2021#c-274407

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/739881/umfrage/monatlich-aktive-social-media-nutzer-weltweit/

https://www.uni-bamberg.de/fileadmin/uni/fakultaeten/wiai_lehrstuehle/isdl/Recruiting_Trends_2020/Studien_2020_01_Social_Recruiting_Web.pdf

Über die Autorin: Lisa Rätze
Lisa Rätze

Lisa Rätze ist Redakteurin bei hiral für HR-Themen. Sie hat einen Abschluss für das Studium Lehramt an Grundschulen, unter anderem mit dem Studienfach Deutsch, und befindet sich nun im Bachelor für Psychologie. Ihr Fokus liegt auf Persolmanagement und Recruiting.

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