Recruiting Video

Recruiting Video: Produktion, Kosten, Kanäle und Best Practice

Nicola Lehrle
Lesezeit: ca. 9 Minuten

Ein effektives Kommunikationsmittel in der Mitarbeiterbeschaffung ist das Recruiting Video. Mit einem gelungenen Recruitingfilm können Arbeitgeber Bewerber von ihrem Unternehmen begeistern und zu einer Bewerbung motivieren. Doch wie sollte ein solcher Film aussehen und wie kann er produziert werden? Wir erklären, was ein Recruiting Film ist, wie hoch die Kosten für einen solchen Film sind, und auf welchen Kanälen er ausgespielt werden kann.

Was versteht man unter einem Recruiting Video?

Ein Recruiting Video hat wenig mit einem Imagefilm gemeinsam. Ein Recruiting-Film ist eher eine Form von Personalmarketing und Employer Branding. Bei einem Recruiting Video sollen keine Kunden von Produkten oder Dienstleistungen überzeugt werden, sondern Bewerber von der Unternehmenskultur angesprochen werden. 

Deshalb werden bei einem Recruitment Video die wichtigsten Informationen für Bewerber auf schnellem und authentischem Weg vermittelt. Dabei können sich Unternehmen als attraktiver Arbeitgeber präsentieren und passenden Bewerbern einen guten ersten Einblick über ihr künftiges Arbeitsumfeld geben. 

Ein solches Video ist in der Regel nur wenige Minuten lang und kommuniziert klar und einfach die wichtigsten Informationen. Somit können sich potentielle Bewerber und Fachkräfte intensiv mit dem Unternehmen und dessen Employer Branding auseinandersetzen und erkennen, ob sich die Firma als Arbeitgeber für sie eignet.

Wie wird ein Recruiting Video produziert?

Ein Recruiting Video benötigt einen genauen Drehplan, um effektiv im Personal Marketing zu wirken und potenzielle Mitarbeiter zu erreichen. Dabei sollten Firmen immer nach folgendem Konzept vorgehen:

1. Konzeption

Bei der Konzeption werden verschiedene Schritte durchlaufen. Diese gestalten sich wie folgt:

  1. Zieldefinition,

  2. Analyse der Botschaft,

  3. Projektplanung,

  4. Erarbeitung der Storyline,

  5. Casting und Booking,

  6. Erstellung des Drehplans.

2. Filmdreh

Wenn die gesamte Planung und Konzeption abgeschlossen ist, folgt der Filmdreh. Auch hier gilt es verschiedene Punkte zu beachten:

  • Die Planung der Logistik,

  • die Zusammenstellung des Filmteams,

  • die Beschaffung der Kameratechnik und Beleuchtung,

  • die Zusammenarbeit mit Masken- und Bühnenbildnern.

3. Nachbearbeitung

Sind alle Videosequenzen abgefilmt, geht die Arbeit weiter, denn nach dem Filmen bedarf es fast immer einer ausführlichen Nachbearbeitung. Dazu zählen beispielsweise folgende Aufgaben:

  • Der Filmschnitt,

  • die Farbbearbeitung,

  • die Animation,

  • das Überarbeiten des Tons,

  • die Unterlegung mit Musik und Sprache.

4. Veröffentlichung

Sobald das Recruiting Video vollständig produziert wurde, geht es an die Veröffentlichung. Hierzu können folgende Wege genutzt werden:

  • Uploads auf verschiedenen Kanälen (z.B. auch eigener YouTube-Kanal),

  • die Buchung von Werbeanzeigen,

  • die Buchung von Werbung in Kino und TV,

  • Channelmanagement.

Wie hoch sind die Kosten für ein Recruiting Video?

Ein Recruiting Video ist meist mit hohen Kosten verbunden. Vor allem dann, wenn ein Dienstleister damit beauftragt wird und das Video aufwändig produziert werden muss. In Zeiten von Smartphones und Social Media greifen aber auch immer mehr Unternehmen einfach selbst zur Kamera und versuchen ehrliche sowie simple Videosequenzen zu produzieren.

Deshalb können die Preise je nach Vorstellungen und Projekt stark abweichen. Grundsätzlich hängen die Kosten vor allem von diesen Faktoren ab:

  • Konzepterstellung: Werden nur Mitarbeiter und ihre Erfahrungen aufgezeichnet? Ist ein spezielles Storytelling erwünscht?

  • Drehsituation: Im Studio oder vor Ort? Werden professionelle Kameras verwendet? Werden Drohnen eingesetzt oder ist eine spezielle Beleuchtung notwendig?

  • Post-Produktion: Müssen Sequenzen geschnitten werden? Sind Effekte und Animationen erwünscht? Ist eine Hinterlegung mit Ton und Musik notwendig? 

  • Lizenzen: Werden Lizenzen für Musik und Sprecher benötigt?

In der Regel kostet allein die Konzepterstellung meist schon ein Drittel des gesamten Budgets. Denn um die Firma gelungen zu präsentieren, muss genau festgelegt werden, was zur eigenen Employer Marke passt und wie die richtigen Bewerber ideal angesprochen werden können. 

Die Gesamkosten können je nach Umsetzung zwischen 3.000 Euro und 20.000 Euro liegen.

Auf welchen Kanälen können Recruiting Videos abgespielt werden?

Auf folgenden Kanälen können Recruiting Filme verbreitet werden:

  • Soziale Netzwerke: Zum Beispiel LinkedIn, XING, Facebook, Instagram oder YouTube. Dabei sollte jedes Unternehmen individuell entscheiden, in welchen sozialen Medien es die besten Bewerber erreicht.

  • Website und Karriereseite: Firmen, die Videoproduktionen auf der eigenen Karriereseite von ihrem Unternehmen veröffentlichen, haben höhere Chancen, passende Mitarbeiter zu finden.

  • Messen und Events: Ebenso wirksam ist die Verbreitung von Recruitingfilmen auf fachspezifischen Messen und Events. Hier erhalten Interessenten direkt einen ersten Einblick in den Arbeitsalltag eines Unternehmens und können anschließend Fragen stellen, sich Kontaktdaten aushändigen lassen oder ins Gespräch kommen - ein gelungener erster Einstieg, um potenzielle Bewerber anzusprechen.

Was zeichnet ein gutes Recruiting Video aus?

Damit ein Recruiting Video zum gelungenen Personalmarketing Tool wird, müssen mehrere Faktoren beachtet werden. Grundsätzlich sollten bei einem solchen Video folgende Punkte berücksichtigt werden:

Es ist zielgruppengerecht

Das wohl wichtigste bei der Planung eines Recruiting-Films ist die Definition der Zielgruppe. Denn je nach Branche, Alter und Position kann eine passende Ansprache ganz unterschiedlich aussehen. Dasselbe gilt für die Auswahl der Kanäle. Auch hier sollte genau darauf geachtet werden, wo die richtige Zielgruppe erreicht werden kann.

Je nach Berufsfeld und Hierarchie kann es sinnvoll sein, ein Video nur bei LinkedIn und XING zu veröffentlichen, oder das Format auch bei Facebook. YouTube und Instagram hochzuladen. Doch nicht nur die Zielgruppe ist dafür ausschlaggebend, auf welchen Social-Media-Kanälen ein Film gepostet werden soll, die Entscheidung ist ebenso vom Employer Branding abhängig.

Es ist authentisch

Ein gutes Recruiting Video sollte in erster Linie immer authentisch sein. Denn ein solches Video ist kein Imagefilm über die Produkte und Services eines Unternehmens. Vielmehr sollen Bewerber mit einem solchen Video einen authentischen Einblick in die Unternehmenskultur erhalten. Deshalb sollten sich Unternehmen bei einer solchen Produktion gescriptete Interviews und gecastetete Mitarbeiter lieber sparen. Sobald das Video wie ein Werbespot oder Imagefilm wirkt, kann dies potenzielle Mitarbeiter eher abschrecken.

Es kommuniziert auf Augenhöhe

Ebenso wichtig für ein erfolgreiches Recruiting-Video ist eine Kommunikation auf Augenhöhe. Dies gilt sowohl für den Umgang mit bestehenden Mitarbeitern im Unternehmen, als auch für die Ansprache von Kandidaten. Employer, die beispielsweise Auszubildende zu Wort kommen lassen, beweisen sich als vertrauenswürdiger Arbeitgeber mit Bezug zu echten Menschen. Denn Stimmen aus dem eignen Team sind nach wie vor die beste Referenz. Somit kann automatisch das Branding gestärkt werden und die richtigen Bewerber schnell erreicht werden.

Es ist simpel

Ebenso wichtig ist Simplizität. Der Fokus eines Recruitingfilms sollte auf den wesentlichen Faktoren beruhen. Dabei sollten Unternehmen aus dem internen Arbeitsalltag berichten, den Arbeitsplatz zeigen, die eigenen Mitarbeiter vorstellen und die wichtigsten Fragen beantworten - nicht mehr und nicht weniger. Besonders aufwändige und teure Videoproduktionen, bei denen zu viel Wert auf Kreativität und Details gelegt wird, sind meist eher kontraproduktiv, denn sie lenken vom eigentlichen Thema ab. letztendlich soll ein solches Format lediglich einen Einblick in den Arbeitsalltag geben.

Es hat einen fesselnden Einstieg

Um neue Talente zu gewinnen, bedarf es einem fesselnden Einstieg. Fühlen sich potenzielle neue Mitarbeiter direkt emotional angesprochen, sind die Chancen hoch, dass sie den Film bis zum Ende verfolgen. Wichtig ist, dass die Zuschauen vom ersten Augenblick an überzeugt werden. Damit dies gelingt, kann ein Video die Zuschauer zum Beispiel provozieren, schockieren oder auch zum Schmunzeln bringen. Auch hier gilt: Wichtig ist, dass die Art des Films in jedem Fall zum Employer Branding passt. 

Es ist professionell

Ein Recruitingfilm sollte immer professionell gedreht werden. Ob dafür die Zusammenarbeit mit einer externen Agentur notwendig ist, müssen Arbeitgeber immer individuell abwägen. Allerdings reichen die Soft Skills eines Hobby-Produzenten oftmals nicht aus, um ein solches Film-Projekt zu stemmen, denn bei einer solchen Produktion ist eine professionelle Ausrüstung mit Mikrofon und Kamera sowie ein geschultes Team unerlässlich. Auch das Schneiden und Bearbeiten von Videos gehört zur absoluten Pflicht bei einem Recruitingfilm.

Es ist datenschutzkonform

Auch bei Videos im Recruiting ist Datenschutz ein wichtiges Thema. Deshalb benötigen Arbeitgeber, bereits vor dem Dreh, von allen mitwirkenden Mitarbeitern eine schriftliche Zustimmung über die Teilnahme und Verbreitung aller Inhalte des Films. Dabei sollten Firmen direkt auf alle Plattformen verweisen, auf denen Bild und Ton im Anschluss gezeigt werden.

Welche Beispiele gibt es für gelungene Recruiting Videos?

Perfekte Recruitingfilme sind selten. Bei kleineren Start-up Unternehmen liegt dies vor allem an mangelndem Know-How und einem begrenzten Budget. Große Firmen können sich dagegen oft einen professionellen Dreh mit exzellentem Bild und Ton leisten, und haben ein deutlich stärkeres finanzielles Potenzial, um ein gelungenes Video Recruiting Projekt zu stemmen, Meist wird hierfür eine Digital Content Agentur beauftragt, die alles mitbringt, was für die Produktion einer solchen Art von Film benötigt wird. Folgenden Unternehmen sind die besten Beispiele für gelungene Recruitingfilme:

Volkswagen

Volkswagen überzeugt mit einem besonders individuellen Recuritingfilm, der mit seinem Inhalt eine wichtige Botschaft vermittelt. Als mehrere Automodelle als die besten ihrer Klasse ausgezeichnet wurden, produzierte das Unternehmen einen Film, indem die Mitarbeiter von Volkswagen "Danke" sagen. Bei dem Projekt können alle beteiligten Monteure und Metallbauer ausdrücken, wie geehrte sie sich fühlen, dass ihre Arbeit so geschätzt wird. Darüber hinaus zeigt die Videosequenz gute Einblicke in die Produktion des Unternehmens. Dabei ist klar erkennbar, wie stolz das Personal auf die Mitarbeit bei Volkswagen ist. Dies stärkt automatisch die Employer Brand und hinterlässt einen guten Eindruck bei möglichen Bewerbern.

H&M

H&M setzt beim Recruiting auf Teamgeist, Zusammenhalt und Vielfalt. Das zeigt sich auch im Recruitingfilm des weltweit größten Modeunternehmens wieder: Denn dabei geht es um die Frage, was die mehr als 160.000 Mitarbeiter weltweit miteinander verbindet. Als Detail wird hierzu ein roter Faden genutzt, der sich durch das gesamte Video zieht und von Mitarbeiter zu Mitarbeiter gesponnen wird. Dieser steht für die Integration, das Teamwork und den Respekt der einzelnen Mitarbeiter in ihrem Unternehmen. Ein Recruitment Video mit enorm starkem Branding und Wiedererkennungswert.

Dropbox

Dropbox setzt auf perfektes Storytelling. In dem legendären animierten Erklärvideo des Unternehmens werden Puppen im Muppet-Stil genutzt, um Erfahrungen und Informationen zu teilen. Mit diesem bereits im Jahr 2009 erschienen Video werden vor allem Young Professionals und junge, potenzielle Bewerber angesprochen. Der Film ist nach wie vor enorm beliebt und wird regelmäßig im Internet aufgerufen oder über Google gesucht. So geht Branding 2.0.

Über die Autorin: Nicola Lehrle
Nicola Lehrle

Nicola Lehrle ist als Redakteurin bei hiral tätig. In ihrer beruflichen Laufbahn mit Schwerpunkt Marketing konnte sie im HR vielerlei Erfahrung sammeln. Ihr Fokus liegt auf Ratgebern und Fachtexten zu unterschiedlichen Themen im Bereich Personal/HR. Nicola möchte mit ihren Texten den Lesern auch komplizierte Sachverhalte möglichst einfach erklären.

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