Recruiting Trends

Recruiting Trends: Das sind die wichtigsten Trends im HR in 2023

Stefanie Aust
Lesezeit: ca. 11 Minuten

Corona-Pandemie, Klimakrise, Digitalisierung und Globalisierung - dies alles sind Themen, die die Welt ver√§ndern. Von diesem Wandel bleibt auch die Arbeitswelt nicht unber√ľhrt. Recruiting-Trends spiegeln aktuelle Entwicklungen des Arbeitsmarktes wider und sind relevant f√ľr alle, die ein zukunftsorientiertes Unternehmen f√ľhren m√∂chten. Im Folgenden sollen deshalb die wesentlichen Recruiting-Trends vorgestellt werden, die ihr 2023 kennen solltet.

Warum sind Recruiting-Trends wichtig f√ľr Unternehmen?

Der Kampf um Nachwuchstalente und kompetente Mitarbeiter wird immer h√§rter. Um die Zukunft des eigenen Unternehmens zu sichern und sich auf dem Arbeitsmarkt behaupten zu k√∂nnen, muss das¬†Recruiting eines Unternehmens¬†immer mit der Zeit gehen und Trends verfolgen. Veraltete Strategien der¬†Personalbeschaffung¬†k√∂nnen dazu f√ľhren, dass die Betriebe den Anschluss verlieren und kaum noch geeignete Fachkr√§fte akquirieren k√∂nnen.¬†

Recruiting-Trends zu kennen und die eigene Arbeit danach auszurichten, verschafft¬†Recruitern¬†den Vorteil, angemessen auf aktuelle Entwicklungen des Arbeitsmarkts eingehen zu k√∂nnen und ihre Strategien dementsprechend flexibel anzupassen. Des Weiteren zeichnen sich wichtige Trends schon fr√ľh ab und eine schnelle Reaktion auf diese ver√§nderten Bed√ľrfnisse kann sich sehr positiv auf das Branding des Unternehmens als fortschrittlicher und innovativer Betrieb auswirken.¬†

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Die wichtigsten Trends im Recruiting

Im Folgenden sollen die wichtigsten Recruiting-Trends 2019 bis 2021 skizziert werden. Die Corona-Krise hat 2020 den Fokus vor allem auf eine schnelle voranschreitende¬†Digitalisierung¬†gelenkt. Dar√ľber hinaus gibt es jedoch auch einige andere Schwerpunkte, die das Recruiting in Zukunft stark beeinflussen werden:¬†

Employer Branding als Erfolgsfaktor 

Employer Branding¬†stellt eine spezielle Form des Personalmarketings dar.¬†Recruiter versuchen potenzielle Bewerber mit einer bestimmten Botschaft zu erreichen¬†und von dem eigenen Unternehmen zu √ľberzeugen. Das Ziel dieser Strategie ist es, eine attraktive Arbeitgebermarke, auch als Employer Brand bezeichnet, zu kreieren und somit das Recruiting passender Fachkr√§fte zu erleichtern.¬†

Insbesondere die pr√§zise Analyse der Zielgruppe spielt im¬†Employer-Branding-Prozess¬†eine wichtige Rolle. Denn nur wer die Bed√ľrfnisse der Zielgruppe kennt, kann strategisch entscheiden wie, wo und mit welcher Botschaft zuk√ľnftige Bewerber erreicht werden sollen und eine gezielte Employer Brand entwickeln.¬†

Ver√§nderte Anspr√ľche an die Arbeit der Generation Z

In den n√§chsten Jahren wird sich das Personal immer st√§rker aus jungen Menschen der¬†Generation Z¬†zusammensetzen. Diese Generation stellt neue Anspr√ľche an ihre Arbeit und Arbeitsumgebung. Doch auch schon w√§hrend der Jobsuche m√∂chte diese Zielgruppe vor allem online und am liebsten direkt auf ihrem mobilen Endger√§t √ľberzeugt werden.

Dies schafft veränderte Anforderungen an eine gezielte Personalbeschaffung. Um neue Mitarbeiter aus dieser Kohorte zu begeistern, sollten Unternehmen vor allem das Angebot einer guten Work-Life-Balance und digitaler Arbeitsumgebung betonen. 

Digitalisierung im Recruiting Prozess

Vor 20 Jahren konnten Recruiter noch Stellenanzeigen in einer Zeitung platzieren und entspannt auf die eingehenden Bewerbungen warten. Diese Form des Recruitings ist heute nicht mehr denkbar. Jobb√∂rsen sind nun im Internet und werden zudem immer¬†mobiler √ľber Apps und mobile Websites. Auch¬†im Bereich der Social Media¬†spielt Recruiting eine immer gr√∂√üere Rolle.¬†

Die Digitalisierung war einer der bedeutendsten-Recruiting Trends im Jahr 2020, gezwungenerma√üen durch die Corona-Krise. Themen wie¬†Active Sourcing, Personal Tagging und Mobile Recruiting gewannen bereits davor immer st√§rker an Bedeutung. Da jedoch in diesem Jahr der gesamte Bewerbungsprozess digital ablaufen musste, kristallisiert sich¬†E-Recruiting¬†nun auch als Erfolgsfaktor f√ľr die Zukunft heraus.¬†

Recruiting Analytics: Zahlen gewinnen an Bedeutung

Online-Jobbörsen und Bewerberplattformen bieten den perfekten Ausgangspunkt, um die eigene Recruiting-Strategie genau zu analysieren. Wie erfolgreich eine Stellenanzeige war, muss längst nicht mehr anhand der eingehenden Bewerbungen gemessen werden. HR-Analyse-Software liefert Unternehmen viele wertvolle Informationen und kann aufdecken, an welchen Stellen das Recruiting noch optimiert werden kann. 

Fokus auf Candidate Experience

Passende Kandidaten sollten nicht von einem umst√§ndlichen Bewerbungsprozess negativ beeinflusst werden. Stattdessen sorgen positive Erfahrungen und Wahrnehmungen w√§hrend der Bewerbungsphase f√ľr eine ansprechende Candidate Experience.¬†

Ein bewusstes¬†Candidate Experience Management¬†kann dazu f√ľhren, dass passende Bewerber im Bewerbungsverfahren bleiben und dar√ľber hinaus, falls die Bewerbung scheitert, dennoch positiv √ľber das Unternehmen berichten. Dies st√§rkt wiederum die Employer Brand, die ebenfalls als wichtiger Erfolgsfaktor in den HR-Trends gilt.¬†

New Work - die Zukunft der Arbeitswelt

New Work¬†umfasst alle Entwicklungen, die die Arbeitswelt ver√§ndern: die Etablierung neuer Technologien, Digitalisierung, Automatisierung und der vermehrte Einsatz k√ľnstlicher Intelligenz. Des Weiteren umfasst der Begriff New Work auch ethische Grunds√§tze wie Mitarbeiterfreundlichkeit, Flexibilit√§t und Toleranz. M√∂chte ein Unternehmen zukunftsorientiert handeln und eine attraktive Employer Brand erlangen, kommt es an diesem Recruiting-Trend nicht vorbei.¬†

Remote Work, Distance Leadership und hybride Arbeitsmodelle

Den Arbeitsalltag im Home Office zu gestalten, wurde 2020 durch Corona zum ungewollten Trend. Doch die Zukunft h√§lt f√ľr viele Arbeiternehmer eben diese Freiheit bereit. Hybride Arbeitsmodelle sind laut Experten ein wichtiges Instrument, um den Anspr√ľchen junger Generationen gerecht zu werden und¬†in einer zunehmend globalisierten Welt vernetzt arbeiten¬†zu k√∂nnen.¬†

Doch auch das reine Remote Working mit Distance Leadership wird zuk√ľnftig eine immer gr√∂√üere Rolle spielen. Die Freiheit, von √ľberall arbeiten zu k√∂nnen, kann eine gro√üe Ressource f√ľr alle Mitarbeiter sein. Das Thema Kommunikation sollte in solchen F√§llen an erste Stelle gesetzt werden, um physische Meetings auszugleichen und die sozialen Aspekte der T√§tigkeit nicht zu kurz kommen zu lassen.¬†

Abbau von Hierarchien

Strenge hierarchische Ebenen passen kaum noch in eine moderne Arbeitswelt. Ein hierarchisches System mit einer F√ľhrungsperson und mehreren Ebenen des Managements darunter garantiert zwar Kontrolle, es engt aber auch ein. Diese Art von F√ľhrungsstil passt nicht mehr zu den Anspr√ľchen der j√ľngeren Generationen in Bezug auf Mitbestimmung und das Gef√ľhl von Augenh√∂he. Flachere Hierarchien bedeuten oftmals eine verbesserte Kommunikation und eine transparente Unternehmenskultur.

Selbstbestimmtes Arbeiten

Mitbestimmung und Eigenverantwortung werden nicht nur Arbeitnehmern immer wichtiger. Auch Arbeitgeber suchen nach Mitarbeitern, die selbstbestimmt arbeiten und mitdenken. Demzufolge sollte die Organisation der Firma auch diese Optionen bereit halten: In einer flexiblen Arbeitsumgebung k√∂nnen Angestellte ihre Arbeitszeiten und -pl√§tze frei w√§hlen und nach pers√∂nlichen Vorlieben gestalten. Auch die Verantwortung f√ľr eine Aufgabe oder ein Projekt liegt in ihrer Hand. Wichtig ist am Ende nur das Ergebnis.¬†

Benefits und Mental Health

Stress und Belastung am Arbeitsplatz erlebt jeder fr√ľher oder sp√§ter in seiner beruflichen Laufbahn. Ein ungesundes Ausma√ü an Stress kann jedoch schnell zu einer Gefahr f√ľr die¬†mentale Gesundheit¬†der Mitarbeiter werden und sie krank machen.

Einer Studie des BKK zu Folge waren psychische Erkrankungen vor 20 Jahren noch kaum ein Thema bei Krankschreibungen oder Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen. Heute sind sie laut Studie die zweithäufigste Diagnosegruppe. Demzufolge sind Burnout, Depressionen oder Angststörungen längst kein Tabuthema mehr in modernen Betrieben. Jedoch geht der Trend noch stärker hin zu einem betrieblichen Gesundheitsmanagement, um vor allem die mentale Gesundheit der Mitarbeiter präventiv zu stärken. 

Benefits k√∂nnen zus√§tzliche Anreize f√ľr das Einhalten eines gesunden Arbeitsalltags sein. Verg√ľnstigte Fitnessmitgliedschaften, Entspannungsangebote und gef√ľhrte Pausenprogramme k√∂nnen den Arbeitsalltag auflockern und langfristig f√ľr die richtige Balance sorgen. Sie sorgen zudem auch f√ľr ein positives Branding des Arbeitgebers.

Purpose und Nachhaltigkeit

Generation Z m√∂chte sich in erster Linie mit ihrem Arbeitgeber identifizieren k√∂nnen. Sie m√∂chten stolz sein auf ihre T√§tigkeit und einen Sinn darin sehen. Durch Bewegungen wir "Fridays for Future" sind die Themen wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz sehr stark in den Fokus der jungen Generationen ger√ľckt. Diese Werte spiegeln sich in den Trends der Arbeitswelt. Recruiter achten beim¬†Employer Branding¬†immer st√§rker darauf, f√ľr die junge Zielgruppe eben diese Themenbereiche besonders hervorzuheben und das Branding darauf auszurichten.

Social Recruiting und Active Sourcing

Social Media ist längst nicht mehr nur eine digitale Möglichkeit zur Kommunikation. Social-Media-Kanäle wie Facebook, Twitter oder Karriereportale wie Xing und LinkedIn werden im Recruiting genutzt, um gezielt Stellenanzeigen zu platzieren.

Beim¬†Social Recruiting¬†k√∂nnen die Anzeigen der Firmen mit etwas Know-how entsprechend der Interessen von Social-Media-Nutzern geschaltet werden. Hier spielt vor allem ein gutes Performance Marketing eine gro√üe Rolle, sodass eine Interaktion mit der Stellenanzeige eintritt und die Werbung in den sozialen Medien im besten Fall zu einer Bewerbung f√ľhrt. Gerade die M√∂glichkeit einer One-Click-Bewerbung bildet eine niedrigschwellige M√∂glichkeit f√ľr Unternehmen, junge Talente zu einer Kontaktaufnahme zu bewegen.

W√§hrend diese Form der Personalbeschaffung √ľber soziale Netzwerke¬†eher passiv ist, geht es beim Active Sourcing um das gezielte Suchen nach potenziellen Kandidaten, die dann direkt mit einem Stellenangebot angesprochen werden. Die Universit√§t Bamberg hat zu diesem Thema in einer Studie F√ľhrungskr√§fte von Top-Unternehmen unter anderem aus der IT-Branche befragt und festgestellt, dass Activ Sourcing vor allem zum Einsatz kommt, wenn offene Stellen schwer zu besetzen sind.¬†

Diversity und Inklusion

Eine¬†diverse und inklusive Unternehmensstruktur¬†durch¬†gezieltes Recruiting¬†aufzubauen sollte nicht nur aus ethischer Sicht ein wichtiges Ziel beim Recruiting sein. Diversit√§t verhilft Betrieben zu mehr Kreativit√§t, Produktivit√§t, verschafft verst√§rkt kulturelle Einblicke und er√∂ffnet ein m√∂glichst gro√ües Spektrum an F√§higkeiten und Talenten. Es kann f√ľr das ganze Unternehmen eine Bereicherung sein, wenn Menschen mit verschiedenen Hintergr√ľnden und Begabungen zusammenarbeiten.

Internes Recruiting

Manchmal braucht es f√ľr eine zu besetzende Stelle gar keine Vielzahl an Bewerbern, weil es den perfekten Kandidaten schon in der eigenen Firma gibt. Gute F√ľhrungskr√§fte erkennen unentdecktes Potenzial in Mitarbeitern und k√∂nnen absch√§tzen, wann es sich lohnt, in Weiterbildungen f√ľr diese Person zu investieren.

Oft signalisieren die Arbeitnehmer auch selbst, dass sie gern Aufstiegsm√∂glichkeiten h√§tten und sich neuen Herausforderungen stellen m√∂chten. Um auch diese Ressource nutzen zu k√∂nnen, muss das Recruiting zuk√ľnftig den Blick auch auf das eigene Personal ausweiten und vorhandene Talente st√§rker f√∂rdern.¬†

Talent Pools

Talent Pools¬†sind ein wichtiges Tool, um eine¬†gezielte Personalentwicklung¬†voranzutreiben. Sie k√∂nnen ausschlie√ülich intern oder in Zusammenarbeit mit Karriereportalen organisiert sein. Als¬†Talentreserve¬†dient eine datenbankgest√ľtzte Verwaltung von Profilen bereits angestellter und potenzieller Mitarbeiter. Ein gut gef√ľhrter Talent Pool kann das Active Sourcing f√ľr das Recruiting deutlich effizienter gestalten.¬†

Welche Auswirkungen haben die Recruiting-Trends auf die Personalarbeit?

Welche Recruiting-Trends langfristig von Bedeutung sind und welche sich eher als weniger bedeutsam herausstellen, bleibt abzuwarten. Sicher ist schon jetzt: Die HR-Arbeit ist im Wandel. Die vorgestellten Trends zeigen vor allem eine Richtung an, in die sich der Aufgabenbereich des Recruiters entwickeln wird.

Bew√§hrte Strategien sollten nie g√§nzlich √ľber Bord geworfen werden, sondern als Teil einer ausgewogenen Gesamtstrategie dienen. In Kombination mit geeigneten Trends und dem gezielten Blick auf die passende Zielgruppe schaffen Sie die richtigen Voraussetzungen f√ľr ein erfolgreiches Recruiting.¬†

Zuk√ľnftig wird die HR-Arbeit mit hoher Wahrscheinlichkeit noch effizienter und digitaler gestaltet werden. Schon jetzt werden im Rahmen von HR-Prozessen k√ľnstliche Intelligenzen f√ľr die Auswertung von Recruiting-Kennzahlen oder ganzen Bewerbungen genutzt. Jedoch m√ľssen sich Recruiter auch auf die ver√§nderten Anspr√ľche der j√ľngeren Generationen einstellen.

Soft Skills, Kreativit√§t und eigenst√§ndige Denkweisen k√∂nnen erst in pers√∂nlichen Mitarbeitergespr√§chen zu Tage kommen. Zudem m√ľssen Unternehmen immer st√§rker f√ľr sich selbst und ihre Arbeitspl√§tze werben, um passende Talente anzusprechen. Hier kommt der Arbeitgebermarke eine wachsende Bedeutung zu. Die Personalarbeit wird in diesem Sinne nicht nur digitaler, sondern gleichzeitig auch pers√∂nlicher.¬†


Quellen: 

https://www.bkk-dachverband.de/publikationen/bkk-gesundheitsreport

https://www.uni-bamberg.de/fileadmin/uni/fakultaeten/wiai_lehrstuehle/isdl/Studien_2019_01_Social_Recruiting_Web.pdf

√úber die Autorin: Stefanie Aust
Stefanie Aust

Stefanie Aust ist Redakteurin f√ľr Personalthemen bei hiral. Beruflich verschlug es sie zun√§chst in den wirtschaftlichen Bereich. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums war sie schlie√ülich mehrere Jahre an Hochschulen t√§tig. Stefanie verfasst und redigiert mit Leidenschaft und Professionalit√§t Fach- und Wissenschaftstexte in den Bereichen HR und Personalwirtschaft.

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