
Gehaltsverhandlung: Zeitpunkt, Vorbereitung Tipps & Tricks für das Gehaltsgespräch

Ob im Vorstellungsgespräch, nach dem Ende der Probezeit, beim Jobwechsel oder nach mehreren Jahren im Unternehmen - das Thema Gehaltsverhandlung begegnet jedem auf seiner Karrierelaufbahn. Gerade Berufseinsteiger tun sich mit der Verhandlung ihres Einkommens und der Kommunikation ihrer Gehaltswünsche oft schwer, da sie keine Vorstellung davon haben, wie viel Gehalt ihnen überhaupt zusteht.
Die wichtigsten Erfolgsfaktoren bei der Gehaltsverhandlung sind gute Strategien. In diesem Ratgeber erklären wir, wann ein guter Zeitpunkt für ein Gespräch über eine Gehaltserhöhung ist, welcher Ansprechpartner zuständig ist und wie eine gute Vorbereitung auf ein Gehaltsgespräch aussieht. Darüber hinaus verraten wir die besten Tipps und Tricks beim Führen von Gehaltsgesprächen, zeigen auf, was man vermeiden sollte und erläutern, welche Argumente besonders effektiv sind.
Was ist eine Gehaltsverhandlung?
Wenn man von einer Gehaltsverhandlung spricht, ist damit die Verhandlung über die Höhe des Arbeitslohns gemeint. Eine solche Verhandlung findet immer zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer statt. Grundsätzlich gibt es zwei Anlässe für ein Gehaltsgespräch:
Ein Bewerbungsgespräch mit einem Kandidaten, der mit seinem potenziellen neuen Arbeitgeber eine eventuelle Einstellung und sein Wunschgehalt verhandelt,
die Forderung eines Mitarbeiter nach mehr Geld, wenn er sich bereits in einem bestehenden Arbeitsverhältnis befindet,
die Gewährung eines höheren Gehaltes durch ein Unternehmen, wenn besonderer Einsatz oder herausragende Leistungen belohnt werden sollen, etwa wenn ein Projekt erfolgreich abgeschlossen wurde oder der Mitarbeiter maßgeblich zu einer Umsatzsteigerung beigetragen hat.
Neben dem Verhandeln des Arbeitslohns können in einem solchen Gespräch auch andere Bestandteile des Arbeitsvertrags ausgehandelt werden. Dazu zählen zum Beispiel die Zusage für einen Firmenwagen, die Zahlung eines Bonus, flexible Arbeitszeiten oder andere geldwerte Vorteile für Mitarbeiter.
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Wann ist der richtige Zeitpunkt, um mit dem Chef über das Gehalt zu sprechen?
Der richtige Zeitpunkt kann erfolgskritisch sein, wenn es um das Gehaltsgespräch geht. Denn nur wer einen passenden Moment wählt, hat gute Chancen, auch hohe Gehaltsvorstellungen zu realisieren. In der Regel bieten die folgenden Situationen den besten Zeitpunkt für ein Gespräch zum Thema Gehalt:
während des Vorstellungsgesprächs,
beim jährlichen Mitarbeitergespräch,
nach dem Ablauf der Probezeit,
zwischen zwei befristeten Arbeitsverträgen,
beim Übergang eines befristeten auf einen unbefristeten Arbeitsvertrag,
bei einer Beförderung,
beim Abschluss eines erfolgreichen Projekts,
bei einer Versetzung oder Verlagerung des Tätigkeitsbereichs.
Selbstverständlich sollte die Forderung nach mehr Geld nicht alle paar Monate gestellt werden - selbst dann, wenn man regelmäßig Erfolge im Unternehmen erzielt. Laut Expertenmeinung kann eine Gehaltsanpassung alle 18 bis 24 Monate angesprochen werden. Ansonsten sollte man mindestens 12 Monate bis zur nächsten Gehaltsverhandlung verstreichen lassen.
Unser Tipp: Laut Studien bietet sich der Zeitpunkt kurz vor dem Abschluss eines ergebnisreichen Projekts an, um über eine Verbesserung des bisherigen Gehalts zu diskutieren. Denn in dieser Zeitspanne hat der Vorgesetzte das Gefühl, eine gute Leistung vom Mitarbeiter zu benötigen, um das Projekt fertigzustellen, und steht dem Thema Gehaltserhöhung offener gegenüber.
Ein absolutes No-Go sind dagegen folgende Zeitpunkte:
Firmeninterne Feiern,
Betriebsausflüge,
eine Ansprache des Vorgesetzten zwischen Tür und Angel,
nach verlorenen Vertragsverhandlungen oder einem missglückten Projekt,
während einer schlechten wirtschaftlichen Lage.
Wie oft kann man eine Gehaltserhöhung erwarten?
Prinzipiell sollte das Ziel sein, einmal im Jahr eine Anpassung des Gehalts anzustreben. Häufig ist es üblich, einmal im Jahr ein Feedbackgespräch zwischen Arbeitnehmern und Vorgesetzten durchzuführen. Dies bietet Mitarbeitern die Chance, das Thema Gehalt anzusprechen. Manche Unternehmen kalkulieren dies automatisch mit ein, mitunter liegt der Turnus der Gehaltsanpassungen auch bei zwei Jahren.
Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, außerplanmäßige Gehaltserhöhungen zu erhalten. Doch grundsätzlich gilt: Wer häufigere oder größere Gehaltssprünge unternehmen möchte, sollte sich darauf einstellen, den Job öfter zu wechseln. Denn große Gehaltssteigerungen im gleichen Job sind eher eine Seltenheit. Hier kommt es darauf an, Erwartungen klar zu definieren, sie bereits im Bewerbungsprozess rechtzeitig zu kommunizieren und das Gehalt regelmäßig zu verhandeln.
Wie wird der "Marktwert" eines Mitarbeiters ermittelt?
Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass bei Gehaltsverhandlungen immer das Brutto-Jahresgehalt für den Job verhandelt wird. Dies umfasst sowohl die Verhandlung des Einstiegsgehalts als auch die Forderung nach mehr Lohn. Bevor man in das Gehaltsgespräch mit dem Vorgesetzten geht, sollte man zudem seinen eigenen Marktwert kennen, um den Verhandlungsspielraum einschätzen zu können. Um diesen zu ermitteln und Gehaltsvergleiche anzustellen, kann man sich im Internet auf Jobbörsen und Vergleichsportalen informieren. Die Kenntnis um den eigenen Wert auf dem Arbeitsmarkt liefert das beste Argument für eine Gehaltserhöhung.
Experten raten dazu, den absoluten Minimallohn zu nehmen und diesen einfach zu verdoppeln. Diese Methode liefert einen guten Wert, der in der Praxis durchaus umsetzbar ist. Neben dem Marktwert für Branche und Beruf sind es auch noch folgende Faktoren, die sich auf das Gehalt eines Arbeitnehmers auswirken:
Die Position: Berufseinsteiger verdienen deutlich weniger als erfahrene Fach- und Führungskräfte. Berufliche Erfahrung kann dagegen ein um einiges höheres Gehalt bedeuten. Dies gilt sowohl bei der Bewerbung als auch bei einem Gespräch in einem bereits bestehenden Arbeitsverhältnis. Außerdem sind laut Studien die größten Gehaltssprünge zwischen 30 und 40 Jahren möglich.
Die Qualifikation: Je besser die Ausbildung und das Know-How, desto höher fällt das Durchschnittsgehalt aus. Dabei erhalten Studierte im Schnitt 20.000 Euro mehr pro Jahr als Angestellte mit einer Ausbildung. Fortbildungen und Zusatzqualifikationen können ebenso als starke Argumente für Gehaltsforderungen genutzt werden.
Der Standort: Auch der Firmenstandort spielt eine wichtige Rolle. Denn auf dem Land und in abgelegenen Regionen liegen die Gehälter deutlich unter denen in der Stadt und in Ballungsgebieten. Allerdings ist hier auch mit gesteigerten Lebenshaltungskosten zu rechnen.
Die Unternehmensgröße: In großen Konzernen fallen die Gehälter besser aus als in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Grundsätzlich ist bei Arbeitgebern mit mehr als 500 Mitarbeitern ein Mehrgehalt von bis zu 50 Prozent möglich.
Die wirtschaftliche Lage: Auch die Auftragslage, das Firmenwachstum und die allgemeine wirtschaftliche Situation entscheiden darüber, wie viel Lohn ein Arbeitgeber bezahlt. Geht es der Firma gut, wird die geleistete Arbeit auch besser vergütet.
Welche Gehaltserhöhung können Mitarbeiter fordern?
Die Vorbereitung spielt eine wichtige Rolle bei der Gehaltsverhandlung. Wer seinen eigenen Marktwert kennt, sich umfassend vorbereitet und geschickt verhandelt, kann eine Gehaltserhöhung von 10 Prozent und mehr erzielen. Bei einem externen Jobwechsel sind Erhöhungen bis zu 20 Prozent keine Seltenheit. Dies gilt vor allem dann, wenn Arbeitnehmer abgeworben werden. Grundsätzlich kannst du dich dabei nach folgender Faustformel richten, um dich auf das Gehaltsgespräch vorzubereiten:
Gehaltsverhandlungen innerhalb eines Jahres: Ein Plus von 3 bis 5 Prozent.
Mehr Verantwortung und neue Aufgaben: Ein Plus von 5 bis 7 Prozent.
Beförderung oder Positionswechsel: Ein Plus von 10 bis 15 Prozent.
Ein Plus von 15 bis 20 Prozent.
Mit welchen Argumenten können sich Mitarbeiter auf die Gehaltsverhandlung vorbereiten?
Um eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung zu führen, solltest du genau wissen, wo du im Unternehmen stehst. Denn der größte Fehler, den du vermeiden solltest, ist eine nicht ausreichende oder schlechte Vorbereitung auf das Gehaltsgespräch mit dem Vorgesetzten.
Du solltest dir genau überlegen, welchen Beitrag du leistet und welche Erfolge du bezüglich deiner bisherigen Leistungen bereits verbuchen konntest. Ebenso wichtig ist der Blick in die Zukunft und auf das kommende Jahr. Dabei kannst du dir folgende Fragen stellen:
Welchen Mehrwert bietest du deinem Arbeitgeber?
Welche konkreten Leistungen kannst du nennen?
Wie willst du dauerhaft wertvoll für den Betrieb bleiben?
Welche erfolgsversprechende Projekte sind derzeit geplant?
Welchen Nutzen hat die Firma von deiner Gehaltserhöhung?
Gute Argumente sind die Grundlage für gelungene Verhandlungen. Lass dir also Zeit, alle Antworten genau zu erörtern und überlege auch, welche Gegenargumente der Arbeitgeber möglicherweise anbringen könnte. Schreibe Punkte auf und verinnerlich diese. So gelingt es dir zu jedem Zeitpunkt im Gespräch, beim Thema zu bleiben.
Das wichtigste Argument für mehr Geld ist die eigene Leistung. Dabei solltest du deine Beiträge und deinen Mehrwert auch immer mit genauen Beispielen belegen können - nur so kannst du klar verhandeln und dem Chef deutlich machen, dass du ein höheres Gehalt für deine Leistung verdienst und nicht einfach nur als Bittsteller auftrittst.
Eine Hilfe hierbei kann eine Leistungsmappe sein. Diese sollte deine erbrachte Arbeitsleistung für die Firma über das Jahr beschreiben. Darin können Projekte vermerkt, Erfolge notiert und Weiterbildungen und Überstunden hinterlegt werden. Wichtig ist, dass die Mappe kurz und übersichtlich deinen Mehrwert unterstreicht. In der Regel sollte der Umfang mehr als drei DIN-A4-Seiten nicht überschreiten.
Wenn du mit Argumenten beweisen kannst, dass du deinen Job gut machst und ein höheres Gehalt verdient hast, stehen die Chancen bei der Verhandlung gut.
Darf man mit anderen Mitarbeitern über das eigene Gehalt sprechen?
Es ist in aller Regel nicht ratsam, mit Kollegen im Vorfeld des Gesprächs über das Thema Gehalt zu sprechen. Denn dies ist häufig aus Datenschutzgründen untersagt, es sei denn, der Mitarbeiter gehört der Personalabteilung an. Findet sich allerdings eine Klausel im Arbeitsvertrag, die es den Mitarbeitern untersagt, sich untereinander über ihr Gehalt auszutauschen, kannst du beruhigt sein, denn dies ist rechtlich unwirksam.
Ist das Gehalt allerdings Teil einer unternehmerischen Kalkulation, die aus Geheimhaltungsgründen nicht nach außen dringen darf, ist dies eine Ausnahme hiervon, denn dann sind Mitarbeiter verpflichtet, über ihr Gehalt Stillschweigen zu bewahren.
Welche Tipps und Tricks gibt es für die Gehaltsverhandlung?
Um eine Gehaltsverhandlung erfolgreich hinter sich zu bringen, gibt es bestimmte rhetorische Tricks. Denn neben sachlichen Argumenten können auch psychologische Tricks und Kniffe dabei helfen, ein höheres Gehalt zu verhandeln.
Hast du in der letzten Gehaltsverhandlung nicht überzeugt und konntest deine eigene Leistung nicht mit treffenden Argumenten belegen? Dann solltest du dich dieses mal besonders gut vorbereiten und die folgenden Tipps für die Ansprache des sensiblen Themas Gehalt beachten:
Tipp 1: Sprich von einer Gehaltsanpassung
Wer das Wort "Gehaltsanpassung" anstatt den Begriff "Gehaltserhöhung" verwendet, erzeigt damit den Eindruck, dass der Arbeitnehmer nicht mehr Geld fordert, sondern nur eine faire Verhandlung wünscht. Der Begriff "Gehaltsanpassung" klingt in den Ohren deines Chefs also deutlich positiver als die Frage nach einer Gehaltserhöhung und lässt deine Bitte aus diesem Grund charmanter wirken.
Tipp 2: Tritt selbstbewusst auf
Die Frage nach einer Gehaltserhöhung ist nicht der richtige Zeitpunkt, um sich schüchtern und zurückhaltend zu geben. Sowohl Bewerber im Vorstellungsgespräch als auch langjährige Angestellte sollten auf Formulierungen wie "hätte", "wäre", "könnte" verzichten.
Dein Auftreten sollte selbstbewusst sein und zeigen, dass du dir deiner Sache sicher bist. Auch hier kann eine umfangreiche Vorbereitung helfen, beim Verhandeln überzeugender zu wirken und ruhig zu bleiben. Der erste Schritt zu mehr Geld ist ein sicheres Auftreten.
Tipp 3: Mach den ersten Zug!
Im Idealfall solltest du immer direkt zum Einstieg der Verhandlung das erste Gebot für deine Gehaltserwartung abgeben. Dies zeigt, dass du dich umfassend mit dem Thema auseinandergesetzt hast, deinen Marktwert kennst, gut vorbereitet bist und weißt, was du verlangen kannst. Außerdem hat dieser Schritt beim Führen von Gehaltsverhandlungen einen psychologischen Effekt: Das Gehirn deines Gesprächspartners setzt sich jetzt automatisch mit Vergleichswerten auseinander. Deshalb sollte der genannte Wert entsprechend hoch sein. Dies bildet die Basis der Gehaltsverhandlung für deinen Job und kann zu einer adäquaten Gehaltserhöhung führen.
Tipp 4: Gib dich nicht mit dem ersten Angebot zufrieden
Das erste Angebot des Chefs ist meistens nicht das beste. Mach nicht den Fehler, es anzunehmen. In der Regel besteht hier noch viel Spielraum nach oben, und den solltest du auch nutzen. Beweise, dass deine Leistung und Arbeit mehr Geld wert sind.
Tipp 5: Nenne eine ungerade Summe
Wenn du eine ungerade Zahl als Wunsch für die Gehaltserhöhung äußerst, erzielst du damit ebenfalls einen psychologischen Vorteil. Denn krumme Zahlen werden automatisch als präziser eingeschätzt. Dabei gilt: Je genauer der Wert, desto besser. Du kannst also zum Beispiel einen Betrag wie 53.481 Euro nennen. Dies zeigt, dass du deinen Wert genau kennst und dein Chef das Gehalt für deine Leistung auch nicht in Tausenderzahlen nach unten korrigiert. Wenn alles gut läuft, wird sich dein Gegenüber an dieser Zahl orientieren und diese nur um wenige hundert Euro nach unten handeln.
Tipp 6: Spiegel dein Gegenüber
Ein weiterer wertvoller Tipp ist die Spiegeltechnik. Diese besagt, dass wenn du dich während des Gesprächs an die Körperhaltung, das Sprechtempo und die Sprechweise deines Verhandlungspartners anpasst, das Gespräch harmonischer verläuft. Informiere dich am besten vorab zum Thema Spiegeltechnik und bereite dich dann entsprechend auf dein Gehalts- oder Vorstellungsgespräch vor.
Tipp 7: Gib dich offen und flexibel
Auch wenn es in dem Fall um mehr Gehalt geht, solltest du dich offen und flexibel beim Führen der Verhandlung zeigen. Wer zu verbissen an die Sache rangeht und an einem exakten Wert festhält, kann es sich schnell mit seinem Verhandlungspartner verscherzen. Ein weiterer häufiger Fehler ist der, deutlich zu viel zu verlangen. Vermeide also beide Fettnäpfchen. Tritt lieber einen Schritt zurück und versuche, entspannt zu bleiben.
Tipp 8: Nimm dir Zeit
Auch wenn meistens eine zeitnahe Antwort gewünscht ist: Mache von der Möglichkeit Gebrauch, dir ausreichend Zeit zum Nachdenken zu nehmen, bevor du auf Vorschläge eingehst. So erhältst du das nötige Maß an Distanz und Sicherheit. Gerade wenn es um die Gehaltsverhandlung für einen neuen Job geht und du noch unsicher bist, stellt dies eine sinnvolle Strategie dar.
Tipp 9: Überlege dir Alternativen zur Gehaltserhöhung
Mitunter sind Vorgesetzte nicht in der Lage, jede Gehaltsforderung zu erfüllen, können jedoch als Alternative Zusatzleistungen gewähren, die neben dem Bruttolohn gewährt werden. Dazu zählen zum Beispiel eine betriebliche Altersvorsorge, die Finanzierung von Weiterbildungen, flexible Arbeitszeiten oder die Möglichkeit, den Job vom Homeoffice aus zu erledigen.
Tipp 10: Triff klare Vereinbarungen für die Zukunft
Gehälter werden idealerweise regelmäßig neu verhandelt. Bevor du dem vereinbarten Gehalt zustimmst, solltest du daher nachfragen, in welchem Abstand die Vergütung neu angepasst werden kann. Dazu ist es unbedingt erforderlich, alle Vereinbarungen schriftlich genau festzuhalten. So hältst du nicht nur das Besprochene fest, sondern hast auch eine gute Ausgangsbasis für zukünftige Gespräche zur Höhe des Lohns.
Wie überzeugt man rhetorisch in Gehaltsverhandlungen?
In Gesprächen mit dem Arbeitgeber, bei denen Mitarbeiter ihre Position verbessern möchten, spielt die Rhetorik eine zentrale Rolle. Sie hilft dabei, überzeugend zu argumentieren. Dabei kommt es nicht nur auf den Inhalt, sondern auch auf das “Wie” an. Wortwahl, strategische Gesprächsführung und Betonung - all dies beeinflusst, wie das Gegenüber dich wahrnimmt. Wer rhetorisch geschickt ist, wirkt selbstbewusst, professionell und verhaltungssicher. Dabei ist es hilfreich, auf folgende Faktoren zu achten:
Der Fokus sollte auf dem Unternehmen liegen. Indem unterstrichen wird, wie das Unternehmen eine Umsatzsteigerung erwirkt, zeigt man direkt, wie das Unternehmen profitiert. Dies überzeugt mehr als nur der Hinweis darauf, was man sich selbst erhofft.
Es ist möglich, die Gehaltsfrage umzudrehen, etwa durch die Frage, was dem Arbeitgeber die eigene Leistung wert ist.
Wer im Bewerbungsgespräch das Gehalt verhandelt und den aktuellen Verdienst nicht offenlegen will, kann dies durch unverbindliche Aussagen umgehen, etwa durch die Aussage, dass das Gehalt im branchenüblichen Bereich liegt.
Es hilft, Argumente klar und präzise zu formulieren und zwischendurch bewusst Pausen einzusetzen.
Die Förderung von Zustimmung ist ein weiterer rhetorischer Kniff. Frage deinen Verhandlungspartner, ob ihm die Förderung von Talenten wichtig ist. Wer würde dies nicht bejahen?
Es wirkt verhandlungsstark, wenn du Gegenargumente direkt selbst anbringst und entkräftest.
Überlege dir, welches aus deiner Sicht das stärkste Argument ist, das für deine Gehaltserhöhung spricht. Bringe dieses ganz zum Schluss ab. So entfaltet es seine Überzeugungskraft am besten.
Welche Rolle spielt das Entgelttransparenzgesetz für Gehaltserhöhungen?
Das Gesetz zur Förderung der Entgelttransparenz zwischen Frauen und Männern ist am 6. Juli 2017 in Kraft getreten. Es wurde auf Initiative des Familienministeriums ins Leben gerufen und soll mehr Transparenz in den Entgeltstrukturen schaffen. Dabei soll das Entgelttransparenzgesetz überwiegend Frauen helfen und dazu beitragen, ihren Anspruch auf gleiche Bezahlung wie männliche Kollegen für denselben oder einen vergleichbaren Job durchzusetzen.
Denn nach wie vor verdienen Frauen durchschnittlich um einiges weniger als Männer. Der sogenannte Gender Pay Gap liegt in Deutschland aktuell bei 18 Prozent. Bis zum Jahr 2030 soll dieser durch die Bundesregierung auf 10 Prozent gesenkt werden.
Dank des Entgelttransparenzgesetzes haben Mitarbeiter das Recht zu erfahren, was Kollegen in ihrem Job verdienen. Allerdings ist damit nicht die Offenlegung einzelner Gehälter möglich. Es geht vielmehr darum, dass Firmen den Durchschnittswert aus den Gehältern der Vergleichsgruppen ermitteln und bekannt geben. Zusätzlich müssen Firmen offenlegen, auf Grund welcher Kriterien dein Gehalt festgelegt wurde.
Somit hilft dir das Gesetz dabei, eine gute Grundlage für deine Gehaltsverhandlung zu finden. Denn wenn du die durchschnittlich gezahlten Gehälter des Unternehmens kennst, kannst du dich daran orientieren. Auch die Kriterien für die Gehaltsbemessung sind ein wertvolles Tool sein, um nach mehr Gehalt zu fragen. Werden diese besser erfüllt, sollte das zu einer besseren Bezahlung im Job führen.
Wer ist der richtige Ansprechpartner im Unternehmen für das Gehaltsgespräch?
Der erste richtige Ansprechpartner für ein Gehaltsgespräch ist der direkte Vorgesetzte. Außerdem solltest du wissen, dass die meisten Gehaltsgespräche persönlich unter vier Augen geführt werden. Trotzdem kann es sein, dass dein Vorgesetzter keine Befugnis hat, der Gehaltserhöhung direkt zuzustimmen. So ist es gut möglich, dass die Zustimmung einer höheren Führungsebene erforderlich ist.
Handelt es sich dagegen um ein Vorstellungsgespräch im Zuge einer Bewerbung, ist der Ansprechpartner für das Thema Gehalt der Personaler des Unternehmens. Normalerweise ist es üblich, dass er dich direkt im Erstgespräch nach deinen Gehaltsvorstellungen fragt.
Unser Tipp für die Gehaltsverhandlung: Hast du das Gefühl, dass sich dein Chef bei der Frage nach mehr Gehalt hinter der Geschäftsleitung versteckt, lohnt es sich, als Alternative ein Gespräch zu dritt vorzuschlagen.
Quellen:
https://news.kununu.com/gehaltserhoehung-nach-einem-jahr/#:~:text=%C3%9Cblicherweise%20kalkulieren%20Unternehmen%20maximal%20eine,Jahr%20um%20eine%20Gehaltserh%C3%B6hung%20bittest.
https://www.stepstone.de/magazin/artikel/gehaltserhoehung-mit-diesen-tipps-laeuft-die-gehaltsverhandlung-glatt