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Risk Manager: Begriff, Aufgaben, Ausbildung, Gehalt und Perspektiven

Carolin Kost
Lesezeit: ca. 10 Minuten

In diesem Beitrag erfährst du, was du über den Beruf des Risk Managers wissen musst. Wir erklären dir, welche Aufgaben das Risk Management übernimmt, wie der Risikomanagement Prozess üblicherweise abläuft und wie die Ausbildung zum Risk Manager aussieht. Zudem geben wir dir einen Überblick darüber, in welchen Branchen Risikoanalysen unerlässlich sind und mit welchem Gehalt Risk Manager rechnen können. Mit unserer Einschätzung zu den Perspektiven für Experten in der Risikobewertung und -steuerung weißt du zudem, welche Trends in der Branche relevant sind.

Ein vollumfängliches Risk Management nimmt für Unternehmen einen zunehmend hohen Stellenwert ein. Einen besonders hohen Wert nimmt das Risikomanagement zum Beispiel im Rahmen der Corporate Governance bei Finanzdienstleistern ein. Beim Risk Management geht es in erster Linie auch darum, die Risiken von strategischen Entscheidungen im Vorfeld zu evaluieren. Dies hilft dabei, unnötige Risiken zu vermeiden.

Risikomanager verantworten die Risikomanagementprozesse in einem Unternehmen. Dazu ist es notwendig, die aktuelle Situation auf den Finanz- und Wirtschaftsmärkten genau zu kennen. Nur so können Risiken möglichst präzise abgeschätzt werden.

Die genauen Aufgabenfelder eines Risikomanagers sind branchenabhängig, da es in verschiedenen Wirtschaftszweigen verschiedene Risiken zu beachten gilt. In diesem Beitrag möchten wir dir eine genauere Vorstellung darüber vermitteln, was es rund um das Risk Management zu wissen gilt und mit welchen Strategien Risiken analysiert werden.

Was wird unter Risk Management verstanden?

Einer der wichtigsten Aufgabenbereiche des Risk Managements ist die Risikoidentifikation. Diese soll dabei helfen, potentielle Risiken zu minimieren und dem Unternehmen somit zur größtmöglichen finanziellen Stabilität zu verhelfen.

Mögliche Risiken, die von einem Risk Manager überwacht werden, sind wie bereits erwähnt stark branchenabhängig. Stehen in der Pharmaindustrie zum Beispiel potentielle Marktentwicklungen und die Haftbarkeit gegenüber Schadensansprüchen im Vordergrund, ist für Risikomanager im Finanzwesen das Risiko eines Zahlungsausfalls von besonderer Bedeutung. Das Ziel des Risk Managements besteht jedoch immer darin, mögliche Risiken bereits im Voraus zu identifizieren und möglichst zu vermeiden.

Werden die mit einer bestimmten Strategie verbundenen Risiken erst einmal identifiziert, kann dies der Unternehmensführung als Entscheidungsgrundlage dienen. Dies macht die Arbeit von Risk Managern zu einem der wichtigsten Pfeiler des Unternehmenserfolgs. Ein solides Know-how ist in diesem Bereich unverzichtbar, denn die Risikoidentifikation kann nur mit einem entsprechenden Fachwissen akkurat erfolgen. Mehr über die Ausbildung, die dazu nötig ist, erfährst du weiter unten in unserem Beitrag.

Welche Aufgaben übernimmt ein Risikomanager?

Die Aufgaben eines Risikomanagers richtet sich nach verschiedenen Faktoren, wie zum Beispiel:

  • Der Branche, in der ein Risikomanager tätig ist,

  • seiner Spezialisierung auf ein bestimmtes Fachgebiet und

  • den genauen Anforderungen des beschäftigenden Unternehmens.

Im Folgenden erwarten dich zwei Beispiele der Aufgabenbereiche eines Risk Managers: Für die IT Branche und für Risk Manager, die im Finanzwesen tätig sind.

Aufgabenfelder eines IT Risk Managers

Softwareentwickler im Sinnen von Branchenteilnehmern müssen sich besonders umfassend absichern. Laut Computerwoche finden sich in IT Bereichen besonders viele Risiken in den folgenden Bereichen:

  • Sicherheit,

  • Verfügbarkeit und

  • Performance.

In diesen Bereichen findet sich ein großes Spektrum an potentiellen Risiken. Zum Beispiel ist das Thema Informationssicherheit für IT Risk Manager von großer Bedeutung. So müssen Cloud Dienste zum Beispiel spezielle Vorkehrungen für den Fall treffen, dass Daten unbeabsichtigt in falsche Hände geraten. Ein Notfallplan für solche Fälle wird meist von einem Chief Risk Manager entworfen, der ein Team von Risk Managern übersieht.

Auch für den Fall, dass die Hardware eines Software Unternehmens einmal beschädigt sein sollte, müssen Vorkehrungen getroffen werden. Recovery- und Backup-Sicherungen sowie virtuelle Spiegelungen von Daten helfen dabei, Services auch in einem Schadensfall weiterhin zur Verfügung zu stellen.

Aufgabenfelder eines Risk Managers im Finanzwesen

Im Finanzwesen kommt ein besonders großer Stellenwert den folgenden Risikofaktoren zu:

  • Investionserfolg,

  • Unternehmensstrategie und

  • Risiko eines Kreditausfalls.

Je nach Unternehmensprofil sind natürlich auch andere Bereiche für die Risikoidentifikation relevant. Diverse Spezialisierungen richten auch den Risikofokus entsprechend aus. So werden die Aktivitäten im Asset Management zum Beispiel besonders dahingehend überwacht, in welche Wirtschaftsbereiche investiert wird und wie risikobehaftet diese sind.

Um die Risiken abschätzen zu können, die für ein Unternehmen im Finanzwesen besonders relevant sind, werden verschiedene Analysen durchgeführt. Dafür ist es nötig, dass Risk Manager über folgendes gut informiert sind:

  • Die momentane wirtschaftliche Situation (mit besonderem Fokus auf Zukunftsperspektiven und Wettbewerb),

  • Zinspolitik (hierzulande insbesondere der Europäischen Zentralbank) und

  • inflationsbedingte Risiken.

Diese Kennwerte können im nächsten Schritt dazu genutzt werden, Risiken abzuwägen und zu analysieren. Dies erfolgt in der Regel mit Hilfe von komplexen statistischen Verfahren, die in der Ausbildung von Risk Managern einen zentralen Stellenwert einnehmen.

Wie läuft der Risikomanagement Prozess typischerweise ab?

Hans-Perter Königs beschreibt den Risikomanagement Prozess in seinem Buch IT-Risikomanagement mit System in etwa wie folgt:

1) Identifikation von Risiken

Im ersten Schritt werden die Risiken, die für das jeweilige Unternehmen besonders relevant sind, identifiziert. Dabei können sich Risikomanager daran orientieren, welche Risiken sich durch das Geschäftsmodell ergeben und welche Schwachstellen der jeweilige Wirtschaftszweig hat.

2) Analyse von Risiken

Die Risiken, die im ersten Schritt identifiziert wurden, werden nun analysiert. Dazu gehört, zu prüfen, durch welche Unternehmensstrukturen und -strategien diese Risiken weiter hervorgehoben werden könnten. Eine detaillierte Aufstellung von Prozessen, die zur Risikobildung beitragen können, zählt in der Regel auch zu diesem Schritt.

3) Bewertung von Risiken

Nach Identifikation und Analyse werden die gefundenen Risiken bewertet. Einer der wichtigsten Punkte in diesem Schritt ist es, mittels statistischer Verfahren festzustellen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten eines Risikos ist. Solche Kennwerte können dann dazu genutzt werden, eine Kosten-Nutzen Rechnung anzustellen. Diese Berechnung der Eintrittswahrscheinlichkeit dient oft als Entscheidungsgrundlage für strategische Entscheidungen.

Compliance Management

Unternehmen sind dazu verpflichtet, gesetzliche Mindeststandards für das Risikomanagement einzuhalten. Dass diese Standards erfüllt werden, stellt das Compliance Management sicher.

Zu der Bewertung von Risiken zählt auch das Compliance Management. Dies ist für manche Branchen wichtiger als für andere - in der Finanzwelt finden sich zum Beispiel besonders viele gesetzliche Regelungen, die unbedingt befolgt werden sollten. Ist dies nicht der Fall, drohen hohe Bußgelder.

4) Entwickeln einer Risikostrategie

Die vorhergegangenen Schritte ermöglichen es dem Risk Management Team, eine Risikostrategie zu entwickeln. Diese Strategie dient dazu, die erkannten Risiken zu minimieren. Eine Risikostrategie sollte möglichst präzise sein. So kann für Unternehmen im Finanzwesen zum Beispiel empfohlen werden, in möglichst diverse Assets zu investieren, um das Risiko eines Kapitalverlusts zu minimieren. Einzelnen Abteilungen im Unternehmen sollten zudem personalisierte Pläne zur Verfügung gestellt werden, die auf spezifische Risiken eingehen und Handlungsempfehlungen geben.

Fortwährende Re-Evaluation

Einmal entworfen, wird die Risikostrategie fortwährend verbessert. Eine regelmäßige Überprüfung stellt sicher, dass der Betrieb optimal auf die derzeit relevanten Risiken vorbereitet ist. In diesem Rahmen wird auch analysiert, ob sich die Mitarbeiter des Unternehmens ausreichend an der Strategie orientieren.

Wie sieht die Ausbildung zum Risk Manager aus?

Es gibt sehr viele Wege, die zu einer Position im Risk Management führen können. Im Folgenden findest du eine Übersicht der geeignetsten Ausbildungswege.

Branchennahes Studium

Unternehmen stellen besonders gerne Personal ein, das eine relevante, universitäre Vorbildung hat. Diese sollte branchennah ausgerichtet sein. Ein Betrieb, der im Warenhandel tätig ist, kann zum Beispiel von den Fähigkeiten eines BWL Absolventen profitieren. Ein Masterabschluss in einem relevanten Feld kann das Kandidatenprofil zusätzlich ergänzen.

Ein Studium allein reicht jedoch oft nicht für eine Position im Risk Management aus. Vielmehr sollte diese Ausbildung durch praktische Erfahrung ergänzt werden. Praktika und Werksstudenten-Jobs können ein erster Schritt in diese Richtung sein.

Firmeninterne Ausbildung

Firmen nehmen es oft selbst in die Hand, ihre Risk Manager auszubilden und sie so optimal auf den Alltag im Unternehmen vorzubereiten. Dies hat den Vorteil, dass die Ausbildung von Anfang an optimal auf die Bedürfnisse des Betriebs abgestimmt ist. Idealerweise sind die vermittelten Fähigkeiten gleichzeitig so vielfältig, dass sie auch in einem anderen Unternehmen eingesetzt werden können. Zertifikate für Risk Manager, wie etwa durch den TÜV Süd vergeben, bescheinigen die Ausbildung.

Fortbildung

Spezielle Fortbildungskurse ergänzen die Ausbildung zum Risk Manager und bereiten sowohl theoretisch als auch praktisch auf den Arbeitsalltag vor. Angeboten werden solche Kurse unter anderem von der Deutschen Gesellschaft für Informationssicherheit.

Laut diesem Institut richten sich die Kurse an Personen, die bereits über eine relevante Vorbildung verfügen. Solche Kräfte können eine Basis Ausbildung in nur wenigen Tagen abschließen.

Fortbildungen werden zudem häufig staatlich gefördert. Eine Beratung über entsprechende Möglichkeiten wird zum Beispiel durch das Job-Center kostenlos angeboten.

In welchen Branchen und Unternehmen arbeiten Risk Manager?

Die meisten Unternehmen, die über den Einzelhandel hinausgewachsen sind, benötigen eine Risikoanalyse. Je größer der Betrieb, desto umfassender sollte in der Regel auch das Risk Assessment sein.

Für besonders große Betriebe gibt es oft auch besonders strikte Regeln hinsichtlich des Risk Managements. Im Finanzwesen gilt es laut der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zum Beispiel, finanzielle Risiken deutlich genauer abzuschätzen als in anderen Branchen. Dies stellen unter anderem hunderte von Gesetzen sicher, die die Handlungen von Finanzdienstleistern regulieren.

Aber auch Betriebe in Branchen, in denen ein Risk Management auf den ersten Blick nicht notwendig scheint, können von einem solchen System profitieren. Auch zum Beispiel Betriebe, die im Ingenieurwesen beheimatet sind, sollten betriebswirtschaftlich abgesichert sein. Ein korrekt durchgeführtes Risk Management ist finanziell in der Regel immer lohnenswert.

Unternehmensberater als Risk Manager?

Wer keinen festen Risk Manager einstellen möchte, kann Unternehmensberater konsultieren. Einige Berater sind sogar auf das Risk Assessment spezialisiert. Ein solcher Service bietet den Vorteil, dass sich ein Betrieb nicht an einen festen Mitarbeiter binden muss. Die Strategien, die von Unternehmensberatungen entworfen werden, profitieren zudem von der umfassenden Erfahrung der Beratungsgesellschaften. Mangelt es im eigenen Betrieb an Know-How, kann dies eine gute Alternative zur eigenen Risk Management Abteilung sein.

Wie hoch ist das Gehalt von Risikomanagern?

Laut der Recruiting Agentur Hays verdienen Risikomanager monatlich zwischen 3.000 und 5.000 Euro. Besonders großen Einfluss auf die Höhe des Gehalts haben der Industriezweig, in der ein Riskmanager tätig ist und der Ort, an dem der Job ausgeführt ist.

Risikomanager mit dem Hintergrund einer universitären Ausbildung verdienen in der Regel noch besser. Besonders wird in der Branche ein Master Abschluss in einem relevanten Fach geschätzt. Zusätzliche praktische Erfahrung ist jedoch unerlässlich.

Senior Risk Manager können sich laut Hays über Gehaltsperspektiven von bis zu 7.000 Euro monatlich freuen. Entsprechende Stellenangebote finden sich relativ häufig. Dies liegt wohl auch daran, dass der Risk Management Sektor sich in einer starken Wachstumsphase befindet. Eine Karriere in diesem Bereich hat also sehr gute Zukunftsaussichten.

Wie wird sich die Nachfrage laut Experten für Risk Management in den nächsten Jahren entwickeln?

Immer mehr Gesetze tragen dazu bei, dass die Handlungen von Unternehmen zunehmend reguliert werden. Dabei ist diese Entwicklung bei weitem nicht negativ zu sehen. Ereignisse wie die Weltwirtschaftskrise in 2006 haben gezeigt, dass eine gesetzliche Regulation in manchen Bereichen unerlässlich ist.

Neben dem Compliance Management, das in den Tätigkeitsbereich von Risk Managern fällt, kann eine Risikostrategie auch dabei helfen, ein Unternehmen wirtschaftlich stabil zu halten. Dies haben Betriebe längst erkannt.

Erheblicher Ausbau von Risk Management Teams

Mehr Gesetze, mehr Risiken: Immer mehr Risk Manager werden benötigt, um den steigenden Anforderungen des Berufsfelds gerecht zu werden. Die verstärkte Nachfrage führt dazu, dass sie besser bezahlt werden und dass es immer mehr Ausbildungsmöglichkeiten für entsprechendes Personal gibt.

Bedarf nach hochqualifiziertem Personal

Als ein Bereich, der sich erst in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat, steht das Risk Management quasi noch in den Kinderschuhen. Stetig entwickeln sich deshalb neue Strategien, um Risiken zu minimieren.

Um diesen Anforderungen zu genügen, müssen Risk Manager immer höher qualifiziert sein. Durch die Nachfrage nach solch spezialisiertem Personal werden stetig neue Personalmärkte geschaffen. Aller Voraussicht nach wird dieser Trend auch in Zukunft zu beobachten sein. Bei der Risk Management Branche handelt es sich definitiv um einen Bereich mit Zukunft.


Quellen:

https://www.hays.de/en/job-profiles/risk-manager

https://dgi-ag.de/akademie/ausbildungen-mit-personenzertifikat/it-risk-manager/

https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-658-12004-7_3

https://www.bafin.de/DE/Aufsicht/BankenFinanzdienstleister/bankenfinanzdienstleister_node.html

https://www.computerwoche.de/a/wo-die-it-risiken-lauern,1869637,2

https://www.tuvsud.com/de-de/store/akademie/seminare-management/managementsysteme/risikomanagement/1114224

Über die Autorin: Carolin Kost
Carolin Kost

Carolin Kost ist Redakteurin für HR bei hiral. Sie hat Politik und Soziologie in Großbritannien studiert. Aktuell lebt sie in Berlin, studiert dort zudem an der Humboldt Universität. Ihr besonderes Interesse gilt Recruiting- und Personalmanagementthemen.

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