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Recruiter: Begriff, Aufgaben, Ausbildung, Skills, Gehalt und Berufsperspektiven

Nicola Lehrle
Lesezeit: ca. 8 Minuten

Recruiter gelten als wahre Multitalente der Personalabteilung. Sie sind Business-Strategen, Projektmanager, Networker, Marketing-Profis und wissen, wie man Probleme löst. Mit ihrem umsichtigen Gespür für Talent begeben sie sich auf die Suche nach qualifizierten Kandidaten für offene Stellen und sorgen für den Perfect Match. Dabei nutzen sie in Zeiten der Digitalisierung nicht nur ihr Fachwissen und ihre Menschenkenntnis, sondern auch ausgefeilte Tools auf den verschiedenen Recruiting-Kanälen. Wir erklären, welche Aufgaben ein Recruiter hat und welche Ausbildung und Skills für den Job notwendig sind. Darüber hinaus zeigen wir, was man in einer Recruiting-Position verdienen kann und wie sich die Berufsperspektiven im Recruiting gestalten.

Was bedeutet Recruiting genau?

Der Begriff “Recruiting” kommt aus dem Englischen. In der deutschen Sprache bedeutet “Recruiting” so viel wie Personalbeschaffung. Im unternehmerischen Sinne werden darunter alle Prozesse zusammengefasst, die zur Besetzung einer freien Stelle notwendig sind. Dazu zählen:

  • Das Veröffentlichen von Stellenangeboten,

  • das Anwerben von Kandidaten,

  • das Durchführen von Telefoninterviews und Vorstellungsgesprächen mit passenden Kandidaten sowie

  • das gesamte Bewerbermanagement bis hin zur Vertragsunterzeichnung des neuen Mitarbeiters.

Je schneller ein passender Kandidat gefunden wird, desto mehr Zeit und Geld kann ein Unternehmen sparen. Recruiter kommen häufig in der eigenen Human Resources Abteilung zum Einsatz und arbeiten als unternehmensinterne Headhunter. Dabei suchen sie intern und extern nach geeigneten Kandidaten.

Externe Recruiter arbeiten dagegen in einer Personalberatung oder Personalvermittlung oder sind als selbstständige Headhunter tätig. Sie werden explizit von Unternehmen beauftragt, um offene Stellen zu besetzen.

Darüber hinaus befasst sich Recruiting schon lange nicht mehr nur mit der Besetzung von offenen Positionen. Vielmehr zählen dazu auch Aufgaben im Personalmarketing. Somit fallen häufig auch Onboarding, die Bindung von Mitarbeitern, das Employer Branding und die regelmäßige Schulung und Weiterbildung von Mitarbeitern in den Aufgabenbereich eines Recruiters. Denn nur so kann eine langfristig erfolgreiche Personalpolitik sichergestellt werden.

Auf Grund der Digitalisierung hat sich die Gestaltung des Recruitings im letzten Jahrzehnt von Grund auf verändert. Auch der zunehmende Fachkräftemangel stellt Recruiter und Personaldienstleister vor immer größere Herausforderungen. Beim sogenannten Recruiting 2.0 sind immer wieder neue Wege und Techniken gefragt. So ist die Personalbeschaffung über Social Media Kanäle wie LinkedIn, Facebook und Xing und das Posten von Stellenanzeigen auf Jobbörsen und Karriereseiten nur ein Bruchteil des gesamten Recruiting Spektrums.

Welche Aufgaben übernimmt ein Recruiter im Unternehmen?

Früher übliche Personalbeschaffungsprozesse werden heute zunehmend vom E-Recruiting abgelöst. Während es früher mit der Veröffentlichung einer Stellenanzeige und der späteren Bewerberauswahl getan war, gestalten sich Recruiting-Prozesse heute um einiges aufwendiger. Recruiter erstellen Anforderungsprofile, wählen geeignete Recruiting-Kanäle aus und werten anschließend alle personenbezogenen Daten aus. Der Fokus rückt im Recruiting immer mehr auf die aktive Personalsuche und die direkte Ansprache von potenziellen Bewerbern. Dabei übernimmt ein Recruiter grundsätzlich folgende Aufgaben:

  • Erstellung und Schaltung von Stellenanzeigen: Eine Hauptaufgabe von Recruitern ist das Erstellen und Veröffentlichen von Stellenangeboten. Die Stellenausschreibung kann online oder auch in den Printmedien erfolgen.

  • Networking: Networking ist das A und O im Recruiting. Persönliche Kontakte und die direkte Kommunikation mit Bewerbern und Talenten sind entscheidend, um auf schnellstem Weg einen passenden Kandidaten zu finden.

  • Besuch von Job- und Karrieremessen: Auf Job- und Karrieremessen können potenzielle Bewerber und Personen, die auf Jobsuche sind, gefunden werden und direkt auf offene Stellen und das Unternehmen an sich aufmerksam gemacht werden.

  • Direktansprache von Kandidaten: Beim sogenannten Active Sourcing werden potenzielle neue Mitarbeiter direkt angesprochen. Direktes Recruiting kann sowohl in sozialen Netzwerken über Xing, Facebook und Co. erfolgen als auch auf Messen oder über persönliche Kontakte.

  • Erstellung von Talent Pools: Durch Networking und Direktansprache haben Headhunter und Personalvermittlungen die Chance, geeignete Kandidaten zu finden. Diese werden dann in einem Talent Pool gespeichert und sobald Personalbedarf in einem Unternehmen besteht, kontaktiert.

  • Vorauswahl treffen: Eine weitere wichtige Aufgabe von Recruitern ist die Vorauswahl von Bewerbern. Dies beginnt mit der Sichtung aller Bewerbungsunterlagen und endet mit einem ausführlichen Bewerberscreening. Dabei werden möglichst viele Informationen zu den einzelnen Kandidaten ausfindig gemacht und überprüft.

  • Bewerbungsgespräche führen: Auch das Führen von Jobinterviews und Einstellungsgesprächen fällt in den Verantwortungsbereich von Recruitern. Dabei werden Kandidaten auf ihre Eignung geprüft und es wird abgewägt, inwiefern der Bewerber zum Unternehmen passt.

  • Assessment Center organisieren: Neben Bewerbungsgesprächen veranstalten Recruiter auch häufig eigene Assessment Center und prüfen alle Kandidaten unter verschiedenen Kriterien.

  • Personalmarketing: Neben der internen und externen Personalsuche übernehmen Junior Recruiter und Senior Recruiter oft auch das Personalmarketing der Firma oder einer speziellen Fachabteilung. Dies können Imagekampagnen, gezieltes Employer Branding und andere Maßnahmen zum Einsatz kommen.

Welche Ausbildungen und Weiterbildungen gibt es für Recruiter?

Wer im Recruiting arbeiten möchte, braucht nicht zwingend einen Masterabschluss. Denn im Recruiting gibt es keinen vorgeschriebenen Ausbildungsweg und selbst Quereinsteiger haben mit passenden Soft Skills und ausreichenden Fachkenntnissen die Chance, als Recruiter zu arbeiten.

Trotzdem können bestimmte Voraussetzungen im Berufsbild des Recruiters hilfreich sein. Dazu zählt beispielsweise ein abgeschlossenes Studium in BWL oder Wirtschaftswissenschaften. Viele Universitäten und Hochschulen bieten inzwischen auch Studiengänge, die sich ausschließlich aufs Personalmanagement beziehen.

Ebenso gerne gesehen werden Kandidaten, die eine kaufmännische Ausbildung im Bürowesen abgeschlossen haben und anschließend Berufserfahrung im Personalwesen sammeln konnten. Grundsätzlich werden für Jobs im Recruiting also folgende Bedingungen vorausgesetzt:

  • Ein betriebswirtschaftliches oder wirtschaftswissenschaftliches Studium,

  • eine Ausbildung im Human Resources Bereich,

  • eine Ausbildung im Bereich Personalmarketing,

  • Erfahrung im Personalwesen,

  • Schulungen und Weiterbildungen im Personalwesen.

Welche Qualifikationen genau gewünscht sind, hängt auch immer vom jeweiligen Unternehmen und dem Einsatzbereich ab. Während größere Unternehmen sich oftmals Headhunter wünschen, die aktiv auf Personalsuche gehen, sind kleinere Unternehmen meist schon mit Recruitern gut bedient, die sich auf die Auswahl von geeigneten Kandidaten konzentrieren. Wer dagegen eine Stelle in einer Personalberatungsagentur antritt, ist überwiegend für die Personalvermittlung für andere Unternehmen zuständig und agiert als Mittelsmann zwischen Unternehmen und Bewerbern.

Welche Skills sind wichtig in der Personalsuche?

Recruiter stellen fast immer den Erstkontakt für den Bewerber dar. Umso wichtiger sind ein freundliches Auftreten und eine kommunikative Art. Generell haben Recruiter in ihrem Alltag ständig mit Menschen zu tun und müssen in der Lage sein, sich mit diesen zu verständigen, sie einzuschätzen und ihre Bedürfnisse zu erkennen und zu erfüllen. So sind Menschenkenntnis, Kontaktfreudigkeit, Geduld aber auch Selbstbewusstsein in diesem Beruf unerlässlich. Die wohl wichtigsten Hard und Soft Skills für einen Recruiting-Job gestalten sich wie folgt:

  • Kommunikationsfähigkeit,

  • emotionale Intelligenz,

  • Empathie,

  • Kenntnisse im Personalmanagement,

  • Verständnis der aktuellen Arbeitsmarktsituation,

  • ziel- und ergebnisorientierte Arbeitsweise,

  • Teamfähigkeit,

  • gute Englischkenntnisse,

  • Kenntnisse im E-Recruiting (Google Analytics, Social Media, Recruiting-Kanäle, etc.),

  • strategische Kompetenz,

  • Selbstständigkeit und Organisationsfähigkeit.

Wie hoch ist das Gehalt für Recruiter?

Das Gehalt eines Recruiters kann je nach Berufserfahrung und Position ganz unterschiedlich gestalten und ist in der Karrierelaufbahn um ein Vielfaches ausbaufähig. Quereinsteiger und Berufsanfänger können in der Regel mit einem Einstiegsgehalt von 35.000 bis 45.000 Euro brutto im Jahr rechnen. Allerdings entscheiden auch die Unternehmensgröße, der Standort und die Branche über das Gehalt. Dabei gilt in der Regel: Je größer und erfolgreicher das Unternehmen, desto üppiger fallen die Gehälter aus.

Eine weitere Möglichkeit, als Recruiter das Gehalt zu steigern, ist die Teilnahme an Weiterbildungen, Zertifizierungen und Schulungen. Wem es gelingt, seine Fachkenntnisse zu verbessern und in der Firmenhierarchie aufzusteigen, kann mit einem Jahresgehalt von bis zu 60.000 Euro brutto rechnen.

Wer sich dagegen als Headhunter selbstständig macht, oder seine Personaldienstleistung in einem eigenständigen Unternehmen anbietet, kann um einiges mehr verdienen - vor allem dann, wenn eine Spezialisierung vorliegt. Dies kann beispielsweise eine besondere Kompetenz als Headhunter im juristischen Bereich sein.

Welche Zukunftsperspektiven bietet der Beruf?

Recruiter haben besonders vielseitige berufliche Perspektiven. Während du im Recruiting meist als Junior Recruiter startest und für den Bewerbungsprozess in Unternehmen verantwortlich bist, kannst du dich mit mehrjähriger Berufserfahrung und nachweisbaren Erfolgen als Senior Recruiter etablieren oder im eigenen Unternehmen aufsteigen. Außerdem haben Recruiter die Chance, sich als Fachreferent weiterzubilden oder ins Consulting zu wechseln.

Darüber hinaus können Recruiter in den unterschiedlichsten Branchen arbeiten oder sich auf einen bestimmten Fachbereich spezialisieren. Besonders beliebte Arbeitgeber für Recruiter sind:

  • Personaldienstleister,

  • Personalberatungen,

  • staatliche Einrichtungen,

  • HR-Abteilungen in Unternehmen,

  • Unternehmensberatungen,

  • Headhunting-Agenturen,

  • Personalmarketing-Agenturen.

Da sich der Arbeitsmarkt weiterentwickelt, ändert sich auch das Aufgabengebiet von Recruitern stetig und muss sich immer wieder an neue Gegebenheiten anpassen - Stichwort E-Recruiting.

Somit ist eine Anstellung im Recruiting ideal für jeden, der keine Lust auf Stillstand hat und sich gerne konstant weiterbildet. Auf Grund des zunehmenden Fachkräftemangels, von dem zwischenzeitlich nahezu 90 Prozent aller Unternehmen betroffen sind, steigt die Nachfrage nach Recruitern kontinuierlich. Somit sind die Karriereaussichten für Recruiter in der Zukunft ausgesprochen gut.

Über die Autorin: Nicola Lehrle
Nicola Lehrle

Nicola Lehrle ist als Redakteurin bei hiral tätig. In ihrer beruflichen Laufbahn mit Schwerpunkt Marketing konnte sie im HR vielerlei Erfahrung sammeln. Ihr Fokus liegt auf Ratgebern und Fachtexten zu unterschiedlichen Themen im Bereich Personal/HR. Nicola möchte mit ihren Texten den Lesern auch komplizierte Sachverhalte möglichst einfach erklären.

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