product owner

Product Owner: Begriff, Aufgaben, Ausbildung, Skills und Gehalt

Nicola Lehrle
Lesezeit: ca. 9 Minuten

Product Owner (POs) sind in agilen Organisationen die Hauptverantwortlichen bei der Entwicklung von Produkten. Sie spielen eine zentrale Rolle im Scrum-Team. POs stellen sicher, dass sich der Produktwert durch die Weiterentwicklung steigert und sie müssen entsprechend die Wertmaximierung in den Maßnahmen des Projektteams priorisieren. Je nach Branche und Umgebung kann der Tätigkeitsbereich eines Scrum Product Owners variieren. Generell lässt sich jedoch sagen, dass Product Owner eine große Verantwortung und wichtige Entscheidungen im gesamten Entwicklungszyklus übernehmen - von der Geschäftsstrategie, übers Produktdesign bis hin zum Product Backlog Management. Wir verraten, welche Aufgaben ein PO genau übernimmt, wie man Product Owner werden kann, welche Skills man mitbringen muss, und wie sich das Gehalt in einer solchen Position gestaltet.

Wie lautet die Definition für Product Owner?

Der Begriff “Product Owner” kommt aus dem Englischen und bedeutet auf Deutsch so viel wie Produkteigentümer. Grundsätzlich ist ein Scrum Product Owner für die Wertmaximierung eines Produkts im Entwicklungsprozess zuständig, das von einem Scrum-Entwicklungsteam erstellt wurde. Darüber hinaus ist er für das Product Backlog und das Product Goal verantwortlich. Das bedeutet, er übernimmt die Verantwortung für das Produktdesign, die Geschäftsstrategie, die Marktanalyse, das gesamte Projektmanagement und die Kundenkommunikation. Er ist also ein wichtiger Bestandteil des Scrum Teams und für den Erfolg eines Scrum-Projekts zuständig.

Dabei werden im Scrum Team drei verschiedene Verantwortlichkeiten unterschieden:

  1. Scrum Master,

  2. Softwareentwickler,

  3. Product Owner.

Der Product Owner vertritt in der Praxis meist die fachliche Sicht und agiert als Ansprechpartner für das Entwicklerteam des Scrum Frameworks. Dabei beurteilt er Entwicklungsfortschritte anhand der Funktionalität und Qualität. Er formuliert Anforderungen und ist für eine stetige Überprüfung, Optimierung und Dokumentation aller fachlichen Entwicklungsprozesse zuständig.

Im Gegensatz dazu kümmert sich der Scrum Master um methodische Prozesse und Organisation im Team.

Welche Aufgaben übernimmt ein Product Owner?

Product Owner übernehmen eine führende Rolle im Scrum. Wenn man vom Scrum Prozess spricht, ist damit eine Methode für die agile Softwareentwicklung gemeint. Dabei werden täglich neue Aufgaben, die sogenannten “Daily Scrums”, formuliert. Wie bei fast allen Modellmethoden wird auch hier eine möglichst schnelle Bearbeitung des Projekts mit ausgezeichneten Arbeitsergebnissen priorisiert - und genau hier kommt der Product Owner ins Spiel: Er übernimmt die Verantwortungen für nahezu alle Entscheidungen für die Produktentwicklung und das Entwicklerteam.

Dabei muss ein Product Owner seine Entscheidungen stets gegenüber dem Management und seinem Team vertreten und verantworten. Trotz alledem handelt es sich bei Product Ownern nicht um Führungskräfte. Sie agieren als Ansprechpartner für das Entwicklungsteam, sind aber keine Vorgesetzten. Darüber hinaus sind POs ebenso Ansprechpartner für Kunden und Steakholder. Sie müssen in der Lage sein, jegliche Interessen aus verschiedenen Perspektiven zu verstehen und zu vertreten. Dabei übernehmen Sie vor allem folgende Aufgaben:

Kundenperspektive einnehmen

Product Owner agieren als Stellvertreter der Kunden, der Stakeholder und der Unternehmensführung. Dabei ist die wichtigste Aufgabe stets die Wertmaximierung, die durch das Team erzielt werden kann. Der Wert kann sowohl durch die Nutzung des kreierten Produkte entstehen als auch durch Prozessverbesserungen und dadurch entstehende Kostensenkungen. Dabei sollten immer die Bedürfnisse der Kunden im Vordergrund stehen, denn wer bedarfsgerechte Lösungen schafft, kann einen enormen Wert beim Kunden und fürs Unternehmen erzielen.

Um Kundenbedürfnisse zu erkennen und zu verstehen, bedarf es einer engen Auseinandersetzungen mit Kunden. Dies kann durch eine Marktanalyse, eine Persona-Beschreibung oder auch Customer Journey Mapping erreicht werden. Darüber hinaus liegt es außerdem in der Verantwortung des Product Owners, in regem Austausch mit den einzelnen Stakeholdern zu stehen. Nur so behalten sie einen guten Überblick über die Wünsche und Forderungen der Stakeholder.

Vision für das Produkt übernehmen

Product Owner müssen in der Lage sein, eine ganzheitliche Perspektive einzunehmen. Sie legen konkrete Ziele fest und müssen eine gesamte Vision für das Produkt kreieren. Diese Vision und Zielsetzung vertreten sie gegenüber dem Entwicklungsteam, der Führungsebene, Stakeholdern und Kunden.

In der Rolle des Product Owners muss genau vorgebeben werden, was getan werden muss. Wie es getan werden soll, kann das Entwicklungsteam dagegen selbst entscheiden. Außerdem müssen sich Product Owner regelmäßig mit dem gesamten Team über die Produktvision austauschen und die geschäftliche Strategie abstimmen.

Somit ist für eine gute Zusammenarbeit eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit des Product Owners gefragt. Denn eine ebenso wichtige Aufgabe des Product Owners ist es, das Scrum Team konstant mit wichtigen Informationen und Erkenntnissen über das Produkt zu versorgen.

Er ist verantwortlich dafür, dass Team auf strategischer Ebene zu führen und bei der taktischen Umsetzung einzelner Arbeitspakete zu beraten. Hierzu dienen sogenannte Refinement Meetings. Ansonsten finden nach jedem Sprint Planning regelmäßig Meetings statt, bei denen wichtiges Know-How sowie jegliche Neuerungen ausgetauscht und besprochen werden.

Die Hauptaufgabe des Product Owners ist es hierbei trotz eines agilen Teams und dem enorm schnelllebigen Markt immer eine konsequente und einheitliche Vision zu bewahren. Denn nur wenn alle an einem Strang ziehen und dieselbe Vision vor Augen haben, kann eine Produktentwicklung erfolgreich funktionieren.

Um die Vision des Teams zu stärken, sollte ein guter Product Owner einen Entwicklungsplan für das Produkt erstellen. Ein solcher Produktplan dient als strategischer Überblick und visualisiert den Entwicklungsprozess über einen bestimmten Zeitraum bis zum Endprodukt. Er kann als strategischer Leitfaden genutzt werden und dient gleichermaßen als Durchführungsplan.

Im Jahr 2020 wurde ein überarbeiteter Scrum Guide veröffentlicht. Dieser formuliert ein konkretes Product Goal. Dabei wird neben der Produktvision auch die Produktentwicklung aus unterschiedlichen wirtschaftlichen und fachlichen Perspektiven beschrieben.

Product Backlog pflegen

Eine weitere Aufgabe von Scrum Product Ownern ist die Verwaltung und Pflege des Backlogs. Dabei handelt es sich um eine projektspezifische Aufgabenliste des Developer Teams.

Der Product Owner übernimmt die Pflege dieser Liste mittels von den Stakeholdern priorisierten Product Backlog Items. Grundlage hierfür sind immer die Gesamtstrategie sowie die geschäftlich festgelegten Ziele.

Auf Grund von Projektabhängigkeiten legt der Product Owner eine feste Entwicklungsreihenfolge fest. Das Dokument ist allerdings dynamisch und wird auf Grund von Veränderungen in der Entwicklung und wechselnder Projektanforderungen ständig aktualisiert.

Damit alle Beteiligten jederzeit gut informiert sind, ist es wichtig, dass der Product Owner Stakeholdern, Entwicklern sowie Führungskräften Zugriff auf die Product Backlog Liste gewährt. Eine aussagekräftige Bescheibung der Items gewährleistet, dass das gesamte Projektteam die Liste versteht und auch bearbeiten kann. So werden Product Backlogs immer im User Story-Format geschrieben. Die aktuelle wichtigsten Arbeitspakete stehen oben auf der Liste.

Fortschritte dokumentieren und präsentieren

Ebenso wichtig ist es als Product Owner Fortschritte zu dokumentieren und zu präsentieren. Das bedeutet, dass am Ende jedes Sprint Plannings die Ergebnisse vorgestellt werden. Alle Involvierten werden informiert, wie es um den Produktentwicklungsprozess steht.

Der PO legt die Hauptthemen des Review Meetings fest und ist dafür verantwortlich, alle Stakeholder einzuladen. Darüber hinaus können alle Teilnehmer er die Gelegenheit nutzen, um dem Entwicklerteam Feedback zu geben, Fragen zu stellen und den einzelnen Status von Items aus dem Product Backlog besprechen. In der sogennanten “Demo” müssen Product Owner den Stakeholdern alle neu erstellen Inkremente des Produkts live vorführen und deren Meinung anhören und festhalten. Das Feedback der Stakeholder kann anschließend als Input für das nächste Sprint Planning genutzt werden.

Wie sieht die Ausbildung bzw. Weiterbildung für diese Scrum-Rolle aus?

Es gibt zwei anerkannte Zertifikate für Product Owner:

  1. das Certified Scrum Product Owner Zertifikat, kurz CSPO, das von der Scrum Alliance angeboten wird,

  2. und das Professional Scrum Product Owner Zertifikat, kurz PSPO, das von Scrum.org angeboten wird.

Ähnlich wie bei der Unterscheidung zwischen dem Certified Scrum Master, kurz CSM, und dem professional Scrum Master, kurz PSM, liegt auch hier der Unterschied in der Art der Zertifizierung. Um eine CSPO-Zertifizierung zu erhalten, muss sowohl an einer Schulung teilgenommen werden als auch ein anschließender Test bestanden werden. Für eine PSPO-Zertifizierung genügt dagegen ein Test.

Wurde eine der Zertifizierungen erfolgreich bestanden, gibt es weitere Ausbaustufen wie den Advanced Certified Scrum Product Owner, kurz A-CSPO oder den Professional Scrum Product Owner I und II.

Welche Skills sollten Product Owner mitbringen?

Die Hauptaufgabe des Product Owners ist die Ausbalancierung verschiedener Faktoren. Dabei sollte der Product Owner immer die Kosten und Rentabilität der Produktentwicklung einerseits der Marktfähigkeit und Kundenzufriedenheit andererseits gegenüberstellen.

Außerdem sollte ein Product Owner immer abwägen, wie leistungsfähig das Scrum-Team ist und ob die Erwartungen und Wünsche der Stakeholder erfüllbar sind. Deshalb ist es wichtig, dass Product Owner eine Balance zwischen diesen oftmals gegensätzlichen Aspekten finden. Um dies zu können, muss die Person in der Rolle des Product Owners sehr vielschichtig denken und handeln. Ähnlich wie ein Projektmanager, sollten auch sie folgende Kenntnisse und Fähigkeiten mitbringen:

  • Erfahrung in der Anwendung von Methoden der Risikoanalyse,

  • Kenntnisse in der Rentabilitätsberechnung,

  • ein ausgeprägtes Risiko-Nutzen-Management,

  • gute Kenntnisse im Management des Product Backlogs,

  • sicheres Auftreten und Verhandlungsgeschick,

  • exzellente Kommunikationsfähigkeit,

  • gutes Gespür im Umgang mit Personen,

  • Innovationsstärke.

Wie hoch ist das Gehalt für Product Owner?

Je nach Ausbildung und Studium kann das Gehalt für eine Position als Product Owner ganz unterschiedlich ausfallen. Darüber hinaus entscheiden vor allem folgende Faktoren über die Bemessung des Gehalts:

  • die Unternehmensgröße,

  • die Branche, in der man tätig ist,

  • der Unternehmensstandort.

Grundsätzlich können Kandidaten mit einem Bachelor-Abschluss mit einem Einstiegsgehalt zwischen 39.000 und 47.000 Euro Jahresgehalt rechnen. Wer dagegen einen Master-Abschluss vorweisen kann und bereits Praxiserfahrung als Product Manager oder im Produktmanagement mitbringt, erhält meist direkt ein Jahresgehalt zwischen 43.000 und 52.000 Euro brutto. Mit mehrjähriger beruflicher Erfahrung kann ein Jahresgehalt zwischen 50.000 und 60.000 Euro erzielt werden.

Ein wichtiger Einflussfaktor für das Gehalt ist die Unternehmensgröße. Denn in großen Unternehmen sind Product Owner meist für mehrere Produktentwicklungen gleichzeitig zuständig. Bei mittelständischen Unternehmen und Konzernen können Product Owner mit einem Jahresgehalt von ca. 55.000 Euro rechnen. Startups und kleinere Unternehmen zahlen dagegen meist ein Gehalt von durchschnittlich 45.000 Euro pro Jahr.

Ebenso entscheidend für die Bemessung des Gehalts ist die Branche. Während Product Owner im Handel mit einem Einstiegsgehalt von ungefähr 45.000 Euro rechnen können, dürfen Product Owner im Versicherungswesen und der ITK-Branche von einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 50.000 Euro ausgehen.

Das höchste Gehalt wird aber meist in der Automobilbranche gezahlt. Hier kannst du mit einem Jahresgehalt zwischen 48.000 und 58.000 Euro rechnen.

Darüber hinaus kann sich auch der Standort des Unternehmens auf die gezahlten Löhne auswirken. Während im Osten Deutschlands meist eher geringe Gehälter gezahlt werden, liegen die Löhne in Baden-Württemberg und Bayern meist deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt.

Über die Autorin: Nicola Lehrle
Nicola Lehrle

Nicola Lehrle ist als Redakteurin bei hiral tätig. In ihrer beruflichen Laufbahn mit Schwerpunkt Marketing konnte sie im HR vielerlei Erfahrung sammeln. Ihr Fokus liegt auf Ratgebern und Fachtexten zu unterschiedlichen Themen im Bereich Personal/HR. Nicola möchte mit ihren Texten den Lesern auch komplizierte Sachverhalte möglichst einfach erklären.

Jetzt anfordern

Unverbindlicher Schnell­check eurer offenen Stelle

Bitte teile uns kurz mit, welche Stelle gecheckt werden soll.

Das erwartet euch:
  • Analyse eurer offenen Stelle
  • Einschätzung der Position eures Unternehmens im Bewerbermarkt
  • Einschätzung der Gehaltsvorstellungen
  • kostenlos, schnell und unverbindlich
Kununu Top und Open Company