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Informatiker: Begriff, Aufgaben, Anforderungen, Ausbildung, Branchen, Gehalt und Berufsperspektiven

Lisa Rätze
Lesezeit: ca. 8 Minuten

Die branchenübergreifende Digitalisierung lässt die Nachfrage nach Informatikern stetig steigen. Die IT-Fachkräfte gestalten den Wandel intensiv mit, indem sie Programme entwickeln, Software implementieren und Systemlösungen entwerfen. Zudem ist ihr Berufsalltag geprägt von der Arbeit in übergreifenden Teams und dem Austausch mit internen und externen Kunden. Vielen sind die unterschiedlichen Facetten dieses Berufs nicht bekannt und man denkt an introvertierte Einzelgänger, die immerwährend nur vor dem Computer sitzen. Dieser Artikel soll die Anforderungen, den Bildungsweg und die Tätigkeitsbereiche von Softwareingenieuren und Entwicklern näher beschreiben, um zu zeigen, dass die herkömmliche Vorstellung eines Informatikers längst überholt ist.

Begriff und Berufsbild des Informatikers

Informatik ist eine wissenschaftliche Disziplin, die Technik, Wissenschaft und Anwendung der systematischen Verarbeitung von Informationen vereint. Sie basiert auf der Mathematik sowie der Elektrotechnik und ist ein eigener etablierter Wirtschaftszweig. Im IT-Bereich geht es hauptsächlich um die automatische Datenverarbeitung mithilfe von Computern oder Großrechnern. Die Informatik lässt sich in drei große Teilbereiche gliedern: theoretische, technische und praktische Informatik.

Als Informatiker hat man ein sehr vielseitiges Berufsbild, das von der Programmierung über die Installation von Software und Hardware, bis hin zur Erschaffung einer IT-Infrastruktur reicht. Die Spezialisierungen im Bereich Informatik sind prinzipiell unendlich und stetig kommen neue Richtungen dazu. In der Regel gibt die gewählte Ausbildung den genauen Schwerpunkt vor oder Fachkräfte spezialisieren sich nach dem Bachelor oder Master auf einen Bereich.

Anders als häufig medial suggeriert, wird der Arbeitsalltag eines Informatikers nicht nur von der Arbeit am PC geprägt. In modernen Unternehmen sind sie Bestandteil übergreifender Teams. Als IT-Consultant können sie darüber hinaus auch viel Kundenkontakt haben.

Aufgabenspektrum für Informatiker

Je nach Spezialisierung gestalten sich die Aufgaben für Informatiker sehr unterschiedlich. Generell lässt sich sagen, dass Software Develpment und die Architektur von Hard- und Software zu den Hauptaufgaben zählen. Auch die Beratung von Kunden im Bereich IT oder der Verkauf von IT-Services kann Teil der Arbeit sein. Darüber hinaus können Informatiker folgende Aufgaben übernehmen:

  • Aufbau und Konzeption von Netzwerken und IT-Infrastrukturen,

  • Entwicklung von Hard- und Software,

  • Systemadministration,

  • Webentwicklung und Frontend-Entwicklung,

  • Backend-Entwicklung,

  • Bug Fixing,

  • Aufbau von IT-Sicherheitsmechanismen und -strukturen,

  • Beratung von Privatpersonen und Unternehmen bzgl. Informationstechnologie,

  • Schulung von Mitarbeitern und Kunden,

  • Forschungsarbeiten im Bereich Informatik.

Anforderungen in der Informatik

Die IT-Branche befindet sich im Wandel. Es reicht schon längst nicht mehr aus, nur gut programmieren zu können, um ein erfolgreicher Informatiker zu sein. Auch in diesem Berufsfeld erwarten Arbeitgeber, dass geeignete Kandidaten weitere wichtige Hard- und Soft Skills vorweisen können.

Soft Skills

Zu den wichtigsten Soft Skills gehören Teamfähigkeit und eine hohe Belastbarkeit. Der Beruf des Informatikers ist gefragt wie nie und Entwicklungsabteilungen sind häufig unterbesetzt. Daher brauchen Fachkräfte auch gute organisatorische Fähigkeiten und Kommunikationsgeschick.

Wenn es um IT-Sicherheit und verwandte Bereiche geht, suchen Unternehmen nach Menschen mit hohem Verantwortungsbewusstsein. Oft arbeiten Informatiker mit personenbezogenen Daten, bei denen höchste Sorgfalt gefordert wird.

Zuletzt ist eine schnelle Auffassungsgabe und ausreichend Geduld, insbesondere im Bereich der Softwareentwicklung, eine Grundvoraussetzung für Informatik-Fachkräfte. In ihrem Arbeitsalltag stoßen Entwickler immer wieder auf komplexe Herausforderungen oder schwer zu durchschauende Fehler im Code, die es zu lösen gilt.

Hard Skills

Zu den benötigten Hard Skills zählt im Allgemeinen ein sehr gutes technisches und logisches Verständnis; Zudem ein natürliches Interesse an Computern und Software. Schon während des Studiums oder der Ausbildung verfolgen engagierte Informatiker die neusten Trends der Branche und bilden sich selbstständig weiter.

Neben dem grundlegenden Interesse an der IT, ist Englisch eine wichtige Voraussetzung, um in der Softwareentwicklung den Überblick zu behalten. Alle bedeutenden Programmiersprachen, wie Java, C++, Go, Python, Javascript oder CSS, sind auf Englisch dokumentiert und auch in Hilfsforen wird auf Englisch diskutiert. Programmierung ist generell eher international ausgelegt, weshalb Fremdsprachenkenntnisse für die Kommunikation unerlässlich sind.

Grundsätzlich kommt es auf den genauen Arbeitsbereich ein, ob ein abgeschlossenes Studium oder eine Berufausbildung vorausgesetzt werden.

Ausbildung und Weiterbildung zum Informatiker

Die größten Freiheiten innerhalb der IT-Branche haben Informatiker mit einem abgeschlossenem Informatikstudium. Studiengänge im IT-Bereich können viele unterschiedliche Bezeichnungen haben, zum Beispiel Wirtschaftsinformatik, Data Science, Software Engineering oder Angewandte Informatik. In der Regelstudienzeit dauert das Studium 3 Jahre und wird mit einem Bachelor of Science abgeschlossen. Anschließend können sich junge Fachkräfte dafür entscheiden, einen Master zu machen, der weitere Spezialisierungen erlaubt.

Der Berufseinstieg gelingt den meisten Hochschulabsolventen auch ohne Master, da Informatiker flächendeckend stark nachgefragt werden. Ein Master-Abschluss qualifiziert in den meisten Fällen jedoch für leitende Positionen, z.B. als Entwicklungsleiter, CIO oder Head of Engineering sowie Stellen in Forschung und Wissenschaft.

An einer Berufsschule oder -akademie besteht die Möglichkeit, eine Ausbildung zum staatlich geprüften Informatiker zu machen. Darüber hinaus gibt es Ausbildungswege zum Fachinformatiker und zum Informatikkaufmann. Die Berufsausbildungen werden dual, das heißt sowohl schulisch als auch in einem Betrieb, absolviert.

Ob Studium oder Ausbildung, die beruflichen Zukunftsaussichten in der IT-Branche sind sehr gut. Jedoch entscheidet der eingeschlagene Bildungsweg häufig über das zu erwartende Gehalt, welches bei Bewerbern mit Berufsausbildung eher geringer ausfällt.

Zuletzt finden sich aufgrund des großen Fachkräftemangels immer mehr Quereinsteiger im IT-Bereich. Laut der KOFA-Studie 2020 gehen acht Prozent der Informatik-Fachkräfte ihrem Job ohne Fachausbildung nach. Dies ist eine außerordentliche Offenheit gegenüber dem Quereinstieg von Nachwuchstalenten ohne entsprechende Berufsausbildung, die es in anderen Branchen so nicht gibt.

Grund hierfür ist auch, dass die akademische Ausbildung mit den Entwicklungen im Bereich Software kaum Schritt halten kann. Engagierte Praktiker können deshalb gegenüber gut ausgebildeten Informatikern sogar im Vorteil sein.

Für Quereinsteiger, oder ausgebildete Fachkräfte, die vertiefte Kenntnisse erwerben wollen, gibt es zahlreiche Fortbildungsangebote. Programmiersprachen können etwa autonom mittels Online-Kursen gelernt werden. Doch auch offizielle Weiterbildungsinstitute, wie das Institut für Berufliche Bildung (IBB), bieten verschiedene Lehrgänge an, die anschließend mit einem Zertifikat belegbar sind.

Spezialisierungen für Informatiker

Bereits im Studium der Informatik können besondere Spezialisierungen gewählt werde. Da die Anforderungen an die einzelnen Bereiche im IT-Wesen immer größer werden, kann es seit langem nicht mehr einen Fachinformatiker für alles geben. Für das Berufsbild bedeutet das eine Aufsplitterung in einzelne Teilbereiche, die jedoch viele Überschneidungspunkte aufweisen. Mögliche Richtungen sind:

  • Bioinformatik,

  • Data Science,

  • Informationssicherheit/ IT-Security,

  • IT-Controlling,

  • Visual Computing,

  • Systemintegration,

  • Medieninformatik,

  • Kommunikationstechnik,

  • Systemadministration,

  • Webentwicklung.

Branchen für Informatiker

Heute kommt kaum eine Branche mehr ohne qualifizierte IT-Fachkräfte aus. Vertreter der verschiedenen Informatik-Fachrichtungen sind in allen Wirtschaftszweigen zu finden. Viele Stellenangebote werden für Firmen ausgeschrieben, die auf die Erbringung von IT-Dienstleistungen spezialisiert sind.

Doch IT-Berufe gibt es auch in Unternehmensberatungen sowie im Handel oder eCommerce. Auch in Ämtern, Ministerien, in der Automobilbranche, bei der Bundeswehr oder im Maschinenbau können Informatiker und Informatikerinnen tätig werden. Zuletzt sind auch die Architekturbranche und diverse Finanzdienstleister beliebte Arbeitgeber. Viele IT-Fachkräfte gründen zudem eigene Unternehmen bzw. Agenturen oder arbeiten freiberuflich, zum Beispiel als selbstständige Programmierer.

In den genannten Branchen können Informatiker eine Vielzahl unterschiedlicher Berufe, verbunden mit unterschiedlichen Aufgaben, ausführen. Sie erstellen, installieren, erforschen oder betreuen Software-Lösungen und IT-Systeme. Im Folgenden sollen einige Berufe aufgeführt werden, die in den verschiedensten Branchen ausgeübt werden können:

  • IT-Administrator,

  • IT-Architekt,

  • IT-Manager,

  • IT-Security-Spezialist,

  • IT-Berater/ IT-Consultant (zum Beispiel SAP-Berater),

  • IT-Entwickler (hierzu zählen unter anderem Anwendungsentwickler, Softwareentwickler, Java-Entwickler, SAP Entwickler oder Webentwickler),

  • IT-Supporter.

Zudem können vor allem Informatik-Fachkräfte mit einem Studium in Wirtschaftsinformatik, leitende Positionen einnehmen. Sie sind dann Teil der Projektleitung oder können zum CTO (Chief Technology Officer) aufsteigen.

Gehälter für Informatiker

Die Gehälter für Informatiker schwanken stark, je nach genauer Spezialisierung, Größe des Unternehmens und Standort. Laut Angaben von Stepstone liegt das durchschnittliche Jahresgehalt eines Informatikers in Deutschland bei 55.440 Euro brutto. Das Online-Magazin academics hingegen beruft sich auf den Entgeltatlas der Arbeitsagentur und gibt an, dass Informatiker mit Hochschulabschluss über alle Branchen hinweg ca. 68.000 Euro brutto Jahresgehalt verdienen.

Ähnlich wie in nahezu allen anderen Berufen, steigt der Verdienst mit der Berufserfahrung. Das Einstiegsgehalt von Informatikern liegt bei rund 47.300 Euro brutto jährlich. Hinzu kommt der bereits erwähnte Standortfaktor. In den alten Bundesländern verdienen IT-Fachkräfte rund 13 Prozent mehr als in den neuen. Selbst in der Landeshauptstadt Berlin sind die Gehälter deutlich niedriger, als in westlichen Großstädten.

Mit die besten Gehälter erzielen IT-Berater, IT-Projektleiter und Softwareingenieure. Die Gehaltsunterschiede in den einzelnen Fachbereichen können jedoch so erheblich sein, dass in bestimmten Fällen Programmierer deutlich mehr verdienen können, als Berater.

Berufsperspektiven

Der Hays-Fachkräfteindex gibt im ersten Quartal von 2022 eine deutliche Zunahme der Nachfrage von IT-Fachkräften an. Die schnell voranschreitende Digitalisierung treibt die massive Nachfrage nach wie vor voran. Auch globale Krisen, wie Corona oder der Ukraine-Krieg, konnten an dieser Entwicklung bislang nichts ändern. Die Zukunftsaussichten für diesen Beruf sind durchaus positiv.

Zudem zeigt der Index, dass die größte Nachfrage momentan unter den IT-Security-Spezialisten herrscht. Grund hierfür ist die zunehmende Globalisierung und immer stärkere interne und externe Vernetzung, die zu neuen Sicherheitsrisiken führt. Persönliche Daten sind ein extrem angreifbares Gut, mit dem in der IT-Branche gehandelt wird.

Eine unterdurchschnittliche Nachfrage gab es im Bereich der Web-Entwicklung. Dies ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass es immer mehr Anbieter für Erstellung von Websites und Web-Anwendungen nach Baukasten-Prinzip gibt.

Mit Blick auf die Branchen stieg die Nachfrage nach IT-Fachkräften bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern am stärksten an. Darauf folgt die IT-Branche.

Die Chancen für junge Informatik-Talente stehen demnach sehr gut. Wer ein abgeschlossenes Studium vorweisen kann, ist auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt und wird es auch in den nächsten Jahren bleiben.<br>

Quellen:

https://www.kofa.de/media/Publikationen/Studien/IT-Fachkraefte_2020_04.pdf

https://www.ibb.com/weiterbildung/it-edv-und-informatik

https://www.stepstone.de/gehalt/Informatiker-in.html

https://www.academics.de/ratgeber/informatiker-gehalt

https://www.hays.de/personaldienstleistung-aktuell/fachkraefte-index-information-technology

Über die Autorin: Lisa Rätze
Lisa Rätze

Lisa Rätze ist Redakteurin bei hiral für HR-Themen. Sie hat einen Abschluss für das Studium Lehramt an Grundschulen, unter anderem mit dem Studienfach Deutsch, und befindet sich nun im Bachelor für Psychologie. Ihr Fokus liegt auf Persolmanagement und Recruiting.

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