work life balance

Work Life Balance: Begriff, Einflussfaktoren, Maßnahmen, Beispiele und gesetzlicher Rahmen

Carolin Kost
Lesezeit: ca. 9 Minuten

Was genau ist eine Work Life Balance und warum nimmt sie für viele Menschen einen so hohen Stellenwert ein? In unserem Beitrag erfährst du, was eine gesunde Work Life Balance ausmacht, welche Faktoren das Gleichgewicht beeinflussen und wie Unternehmen vorgehen können, um die Work Life Balance ihrer Mitarbeiter zu verbessern. Zudem haben wir zusammengestellt, welcher gesetzliche Rahmen für betriebliche Maßnahmen zur Verbesserung der Work Life Balance maßgeblich ist.

Die Work-Life-Balance ist laut einer Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in den letzten Jahren zu einem immer wichtigeren Thema geworden. Dies gilt nicht nur für Arbeitnehmer, sondern auch für Arbeitgeber. Sucht man den Begriff Work-Life-Balance, erhält man bei Google über 2 Milliarden Ergebnisse - dieses Thema beschäftigt Menschen offenbar stark.

Doch was versteht man unter einer ausgewogenen Work-Life-Balance? Und wie können Berufstätige und Unternehmen eine ausgewogene Balance erreichen? Zu diesen Fragen findest du in diesem Beitrag Anregungen, Ideen und Antworten.

Was genau wird unter Work Life Balance verstanden?

Der Begriff “Work-Life-Balance” beschreibt laut dem Cambridge Online Dictionary “das Verhältnis zwischen Arbeitszeit und Familien- sowie Freizeit”. Eine gute Work Life Balance ist also geprägt von einem Gleichgewicht zwischen Berufstätigkeit und Freizeit.

Laut Nancy Lockwood, Sozialwissenschaftlerin und Politologin, wurde das Konzept der Work Life Balance 1986 in den USA erfunden. Seitdem ist dieses Gleichgewicht zu einem Begriff geworden, der wohl beinahe jedem Menschen im globalen Norden bekannt ist.

Ausgewogenheit bietet diverse Vorteile

Eine ausgewogene Work-Life-Balance hat diverse Vorteile. Laut Chris Chancey, Geschäftsführer der Amplio Recruiting Agency, sind Mitarbeiter mit einem solchen Gleichgewicht weniger gestresst, haben ein geringeres Krankheitsrisiko und sind allgemein zufriedener.

Laut Chancey profitieren auch Arbeitgeber von der gesunden Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter: Eine gesteigerte Produktivität und weniger Abwesenheit durch Krankheit sind Beispiele der Vorteile für Unternehmen. Auch sind Mitarbeiter, die eine gesunde Work-Life-Balance genießen, im Durchschnitt zufriedener und verbleiben länger im Unternehmen. Bestätigt wurden diese Vorteile auch in einer Studie des Work Institute of America. Dieses sieht in einer guten Work-Life-Balance eine Win-win Situation für Arbeitgeber und -nehmer.

Work-Life-Balance häufig verbesserungswürdig

Doch wie erreichen Berufstätige ein solches Gleichgewicht inmitten ihrer beruflichen Anforderungen? Der Arbeitstag reicht heute oft über den vergüteten Zeitraum hinaus: Die ständige Erreichbarkeit, die mittlerweile gang und gäbe ist, erschwert die Trennung von Beruf und Freizeit. Eine wirkliches Gleichgewicht scheint unter diesen Bedingungen nicht immer möglich.

Der Umstand, dass die Work Life Balance häufig verbesserungswürdig ist, wird auch von der Österreichischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin bestätigt. Laut Aussage der Gesellschaft wird dieser Umstand von Arbeitnehmern oft als stark belastend empfunden - es ist an der Zeit, umzudenken und Maßnahmen zu ergreifen, um die Work Life Balance weitläufig zu verbessern.

Was beeinflusst die Work Life Balance?

Im folgenden haben wir zusammengestellt, wie Arbeitgeber, persönliche Faktoren und das soziale Umfeld die Vereinbarkeit von Beruf und Familie beeinflussen können. Welchen Einfluss diese Faktoren in einem konkreten Fall haben, hängt jedoch von den Prioritäten und Ansprüchen des Arbeitnehmers ab. Die Bewertung der eigenen Work Life Balance ist immer subjektiv und wird von einzelnen Faktoren unterschiedlich stark beeinflusst.

Arbeitgeber

Eine positive Arbeitsatmosphäre ist wichtig für Angestellte, die täglich einen Großteil ihres Tages in diesem Umfeld verbringen. Der Arbeitgeber hat in diesem Bereich einen großen Einfluss und kann positiv zu einer ausgewogenen Work-Life-Balance beitragen. Besonders wichtig sind zum Beispiel motivierende Führungskräfte, nach Möglichkeit flexible Arbeitszeiten und eine gute Organisation der zugeteilten Aufgaben.

Vermieden werden sollten unrealistische berufliche Anforderungen und ein übermäßiger Leistungsdruck, ein demotivierendes Betriebsklima sowie mangelnde Job-Sicherheit. Weitere Möglichkeiten für Unternehmen, die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter zu verbessern, findest du weiter unten im Beitrag.

Persönliche Faktoren

Auch persönliche Faktoren beeinflussen die Wahrnehmung der persönlichen Work-Life-Balance. Dies zu erkennen, motiviert Mitarbeiter, Eigenverantwortung für ihr Wohlergehen zu übernehmen und ihre Freizeit erholsam zu gestalten.

Zu einer guten Work Life Balance tragen in diesem Bereich vor allem gesunde Routinen bei. Ausreichend Struktur in der Freizeit kann durch Hobbys geschaffen werden. Diese sorgen zudem für einen körperlichen Ausgleich und geben Raum für die Entwicklung persönlicher Qualitäten.

Weniger zuträglich ist auf der anderen Seite ein wenig ausgeprägtes Sozialleben. Auch ein Mangel an erholsamen Freizeitbeschäftigungen beeinflusst die Work-Life-Balance negativ. Gesundheitliche Einschränkungen, insbesondere psychischer Natur, können die Work-Life-Balance verschlechtern.

Soziales Umfeld

Wie wichtig das soziale Umfeld für die Work-Life-Balance ist, wird häufig unterschätzt. Dabei ist dieser Faktor entscheidend dafür, wie erholsam die Freizeit ist: Die Qualität der sozialen Kontakte und ihre Unterstützung sind ein wichtiger Indikator.

Negativ auf die Balance wirkt sich vor allem mangelnde Unterstützung durch Freunde und Familie aus. Auch eine gesellschaftliche Diskriminierung der eigenen Person kann die Balance ins Negative ziehen.

Welche Work-Life-Balance-Maßnahmen stehen Unternehmen zur Verfügung?

Unternehmen können verschiedene Work-Life-Balance-Maßnahmen einsetzen, um die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter zu steigern. Nachfolgend stellen wir dir einige Beispiele und Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung vor.

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung

Laut der Personalberatung Robert Half Management Resources kann eine Unternehmenskultur, die von offener Kommunikation und Respekt geprägt ist, die Effektivität von Maßnahmen zur Verbesserung der Work-Life-Balance optimieren. Ein solches Firmenethos zeichnet sich zum Beispiel wie folgt aus:

  • Mitarbeiter werden regelmäßig zu persönlichen Gesprächen eingeladen, bei denen ihre Prioritäten hinsichtlich der Work-Life-Balance besprochen werden.

  • Führungskräfte gehen mit gutem Beispiel voran. Eine gute Work-Life-Balance kann zum Beispiel demonstriert werden, indem Emails nur innerhalb der Geschäftszeiten beantwortet werden.

  • Führungskräfte sollten über neue Maßnahmen informiert bleiben und diese nach Möglichkeit implementieren.

Werden diese grundlegenden Voraussetzungen erfüllt, können Unternehmne von den folgenden Maßnahmen optimal profitieren.

Angemessenes Arbeitspensum

Das Gefühl einer guten Work-Life-Balance stellt sich in der Regel nur ein, wenn das Arbeitspensum angemessen ist. Ein zu hohes Pensum erzeugt einen starken Leistungsdruck und stellt somit einen Stressfaktor dar.

Es obliegt Führungskräften, Arbeit angemessen zu delegieren. Zudem kann die Einführung von Tools für bessere Workflows das Zeitmanagement von Mitarbeitern optimieren und gleichzeitig die Produktivität steigern. Schulungen zum Thema “Selbstmanagement” regen zu neuen Arbeitsweisen an und können Arbeitnehmer zusätzlich entlasten.

Team-Gefühl schaffen

Gesunde soziale Kontakte sind wichtig für eine gute Work-Life-Balance. Neben der Freizeit sind diese auch im Arbeitsumfeld wichtig: Kollegiale Freundschaften schaffen Freude an der Arbeit.

Gestärkt werden kann das Team-Gefühl zum Beispiel durch ehrenamtliche Tätigkeiten, die während der Arbeitszeit ausgeführt werden. Auf diese Weise entstehen engere Kontakte zwischen Mitarbeitern. Die Arbeit für den guten Zweck führt zudem zu Erfolgserlebnissen.

Betriebliches Gesundheitsmanagement

Körperlicher Ausgleich ist zentral für unser Wohlbefinden. Firmen können ein gesundes Körpergefühl zum Beispiel durch kostenlose Fitnessstudio-Mitgliedschaften fördern. Einige Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern sogar eigens organisierte Sportkurse auf dem Firmengelände an.

Die mentale Gesundheit von Mitarbeitern kann mit Achtsamkeits-Workshops, Meditation und Anti-Stress-Trainings unterstützt werden. Solche Aktivitäten können gleichzeitig das Betriebsklima verbessern und einen Ausgleich zu den beruflichen Anforderungen schaffen. Gesundheitstage können Fehlzeiten reduzieren und stärken die Mitarbeiterbindung.

Flexible Arbeitszeiten

Flexible Arbeitszeiten, wie etwa Homeoffice oder Gleitzeit, werden immer wichtiger für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Sie erlauben Mitarbeitern innerhalb eines festgelegten Rahmens, ihre Arbeitszeiten selbst zu bestimmen. Dies ermutigt Arbeitnehmer zu einem eigenständigen Zeitmanagement. Berufstätige Eltern haben so zum Beispiel die Möglichkeit, ihre Kinder von der Tagesbetreuung abzuholen.

Flexible Arbeitsmodelle

Nicht erst seit der SARS-CoV-2 Pandemie sind flexible Arbeitsmodelle auf dem Vormarsch. Solche Modelle gewähren Mitarbeitern mehr Flexibilität hinsichtlich des Arbeitsorts. Laut Hank Jackson, Geschäftsführer der Society for Human Resource Management, stärken Homeoffice und Telearbeit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und wirken sich auf diese Weise positiv aus.

Was sind Beispiele für eine gelungene Umsetzung einer guten Work-Life-Balance?

Insgesamt mangelt es noch an Beispielen für eine gelungene Umsetzung einer guten Work-Life-Balance. So ergab die TrueCareers Umfrage zum Beispiel, dass 70% der 1.500 Teilnehmer ihre Balance als mangelhaft wahrnahmen. Es gibt jedoch auch durchaus positive Beispiele von Vorreitern in diesem Bereich. Einer der wohl bekanntesten Konzerne, die der Gesundheit und Zufriedenheit der Mitarbeiter einen hohen Stellenwert zuschreiben, ist Google.

Flexible Arbeitsmodelle

Der Mutter-Konzern von Google hat in 2021 das 3/2 Modell eingeführt. Bei diesem können Mitarbeiter zwei Tage in der Woche arbeiten, von wo sie möchten. Auch können Arbeitnehmer bis zu 4 Wochen Homeoffice pro Jahr beantragen.

Auf eine komplette Flexibilität in der Wahl des Arbeitsstandorts verzichtet der Konzern aber bis auf weiteres. Laut Sundar Pichai, Geschäftsführer des Konzerns, lebt Alphabet von kollegialen Vernetzungen. Diese können sich im Büro laut seiner Aussage deutlich schneller entwickeln.

Für Mitarbeiter mit Kindern gibt es einen firmeninternen Kindergarten. Dieser fördert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und bietet qualitativ hochwertige Kinderbetreuung an - auch über die regulären Zeiten einer Tagesbetreuung hinaus.

Innovatives Office Design

Die Büros des Konzerns sind bekannt für ihr innovatives Design. Hier scheinen der Kreativität keine Grenzen gesetzt zu sein: Im Google Office in Hamburg zum Beispiel gibt es Konferenzräume, die wie Schwimmbäder und Boote entworfen sind. Dieses kreative Umfeld soll zum Wohlbefinden der Mitarbeiter beitragen und Inspiration für neue Ideen bringen.

Firmeninterne Social Spaces

Mitarbeitern des Konzerns stehen designierte Social Spaces zur Verfügung. Diese sind zum Beispiel mit Xbox, Tischfussball und Massagesessel ausgestattet. Neben einem körperlichen Ausgleich wird so die Möglichkeit geschaffen, zu entschleunigen.

Diverse firmeninterne Cafés und Restaurants sind für Mitarbeiter kostenlos zugänglich. Hier wird gesundes Essen angeboten. Mitarbeiter sind dazu aufgefordert, Essenswünsche an den Koch zu kommunizieren, der die Speisekarte nach Möglichkeit entsprechend personalisiert. Zudem mietet das Unternehmen regelmäßig Food Trucks an, um Abwechslung zu schaffen. Ergänzt wird dieses Angebot durch einen jährlichen Urlaub auf Betriebskosten, häufig in Skigebiete oder Freizeitparks.

Welche gesetzlichen Rahmenbedingungen gibt es für betriebliche Maßnahmen?

Der gesetzliche Rahmen gibt in Deutschland vor, welche betrieblichen Maßnahmen zur Unterstützung der Work-Life-Balance notwendig sind. Nils Sterenborg, Senior Practice Manager bei Amazon, hebt in diesem Kontext die folgenden Regelungen hervor:

Teilzeit- und Befristungsgesetz

Mitarbeiter haben laut diesem Gesetz einen Anspruch auf eine Verringerung der Arbeitszeit, sofern sie länger als 6 Monate im Betrieb tätig sind. Ein solcher Antrag kann nur dann abgelehnt werden, wenn betriebliche Gründe vorliegen. Mitarbeitern steht es somit meist offen, diese Möglichkeit zu nutzen.

Arbeitszeitgesetz

Das Arbeitszeitgesetz gibt den zeitlichen Rahmen vor, während dem in Deutschland regulär gearbeitet wird. Die exakte Ausgestaltung der Arbeitszeit liegt jedoch in der Verantwortung von Unternehmen und Tarifparteien. Flexible Arbeitszeiten bleiben also möglich.

Bundeselternzeit- und Elterngeldgesetz

Eltern können nach der Geburt ihres Kindes bis zu 14 Monate lang Lohnersatzleistungen fordern. Während dieser Zeit kann das Arbeitspensum reduziert oder die Erwerbstätigkeit ganz unterbrochen werden. Arbeitgeber sind verpflichtet, einem solchen Antrag statt zu geben.

Mindesturlaubsgesetz

Jeder Mitarbeiter hat einen Anspruch auf mindestens 24 Werktage bezahlten Erholungsurlaub. Darüber hinaus steht es Unternehmen frei, wie viel Urlaub sie anbieten. Manche Konzerne ermöglichen sogar ein Sabbatical, während dem der Mitarbeiter für ein Jahr vorübergehend aus dem Betrieb ausscheidet.


Quellen:

https://dictionary.cambridge.org/dictionary/english/work-life-balance

https://www.grin.com/document/165119

https://www.bmfsfj.de/resource/blob/95550/eb8fab22f858838abd0b8dad47cbe95d/work-life-balance-data.pdf

https://www.roberthalf.com/blog/salaries-and-skills/achieving-work-life-balance-7-tips-for-cfos-and-their-teams

https://www.businessnewsdaily.com/5244-improve-work-life-balance-today.html

https://info.workinstitute.com/hubfs/2020%20Retention%20Report/Work%20Institutes%202020%20Retention%20Report.pdf

Über die Autorin: Carolin Kost
Carolin Kost

Carolin Kost ist Redakteurin für HR bei hiral. Sie hat Politik und Soziologie in Großbritannien studiert. Aktuell lebt sie in Berlin, studiert dort zudem an der Humboldt Universität. Ihr besonderes Interesse gilt Recruiting- und Personalmanagementthemen.

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