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Mitarbeiterbindung: Definition, Bedeutung, Instrumente und Maßnahmen

Stefanie Aust
Lesezeit: ca. 7 Minuten

Mitarbeiter stellen die wichtigste Ressource in einem Unternehmen dar. Sie üben einen maßgeblichen Einfluss auf den unternehmerischen Erfolg aus. Die Rekrutierung und Bindung von Talenten stellt daher eine wesentliche Herausforderung für das Personalmanagement dar. Je geringer die Fluktuation ist, desto effizienter agiert ein Arbeitgeber. Faktoren, die für die Mitarbeiterbindung von Bedeutung sind, können vielfältig sein und hängen von der Unternehmenskultur und von Besonderheiten der Branche ab. Fest steht jedoch: Eine hohe Mitarbeiterbindung wird zu einem großen Teil durch die Zufriedenheit der Mitarbeiter geprägt und leistet einen Beitrag zum Image des Unternehmens.

Was genau wird unter Mitarbeiterbindung verstanden?

Die Mitarbeiterbindung, auch als Retention Management bekannt, zeichnet sich durch ein Gefühl der Identifikation, Zugehörigkeit und Verbundenheit des Arbeitnehmers mit dem Unternehmen aus. Eine starke Mitarbeiterbindung sorgt gemäß Definition dafür, Arbeitnehmer in einem Unternehmen zu halten. Dadurch sollen vielversprechende Mitarbeiter und High-Potentials dem Arbeitgeber ihr Fachwissen und ihre Kompetenzen langfristig zur Verfügung stellen und so einen Wettbewerbsvorteil schaffen.

Die Entwicklung von Maßnahmen für die Erzielung einer guten Mitarbeiterbindung und geringen Fluktuation ist eine Aufgabe, die vom Human Resource Management und von den Führungskräften gemeinsam übernommen wird.

Ein wesentlicher Bestandteil der Mitarbeiterbindung besteht darin, dass sich Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen identifizieren, sich am Arbeitsplatz wohlfühlen und den Wert der eigenen Arbeit hoch einschätzen. All dies schafft ein Wir-Gefühl, das die Mitarbeitermotivation und das Engagement steigert. Eine hohe Mitarbeiterbindung erzeugt verschiedene Vorteile für ein Unternehmen und fördert die Schaffung einer Arbeitgebermarke, des sogenannten Employer Brandings. Darüber hinaus ist die Motivation von zufriedenen Angestellten höher, was zu besseren Arbeitsergebnissen führt.

Es gibt eine ganze Reihe von Maßnahmen, die dem Ziel der Mitarbeiterbindung dienen. Sie reichen von einer ausgewogenen Work-Life-Balance, etwa durch flexible Arbeitszeiten, über die Schaffung von Aufstiegsmöglichkeiten bis hin zum regelmäßigen Feedback durch Führungskräfte oder die Möglichkeit der Teilnahme an Weiterbildungen für die berufliche Entwicklung des Mitarbeiters. Es empfiehlt sich, die individuellen Bedürfnisse von Mitarbeitern im Blick zu haben, um effektive Maßnahmen zu entwickeln.

Warum ist Mitarbeiterbindung wichtig für Unternehmen?

Indem Unternehmen Mitarbeiter an sich binden, erzeugen sie mehrere positive Effekte. Eine hohe Mitarbeiterbindung senkt die Fluktuation und somit die Kosten, die für das Recruiting neuer Fachkräfte anfallen. Zudem steigert eine gute Mitarbeiterbindung die Leistungsstandards und die Arbeitsqualität, sorgt dafür, dass Know-how im Unternehmen bleibt und Arbeitsklima sowie Zusammenhalt im Team verbessert werden.

Darüber hinaus sorgt die Bindung von Mitarbeitern durch geeignete Maßnahmen für eine positive Wahrnehmung des Unternehmens. Dadurch entsteht eine starke Arbeitgebermarke. Mitarbeiter, die sich mit ihrem Unternehmen identifizieren, fungieren häufiger als positive Multiplikatoren und unterstützen dadurch die Anwerbung von Fachkräften. 

Anreizsysteme wirken sich in vielerlei Hinsicht positiv aus. Zufriedene Mitarbeiter sind leistungsfähiger, motivierter und bereit, Verantwortung zu übernehmen. Dadurch verbessert sich die Arbeitsmoral, was zu einer Verringerung der Fehlzeiten führt. 

Welche Instrumente stehen zur Verfügung, um Mitarbeiter an Arbeitgeber zu binden?

Für die dauerhafte Mitarbeiterbindung ist es wichtig, dass sich Arbeitnehmer in ihrem Unternehmen wohlfühlen und Möglichkeiten der persönlichen Entwicklung wahrnehmen können. Insgesamt trägt Mitarbeiterbindung auf verschiedenen Ebenen:

  • Emotionale Bindung, bei der der Unternehmenserfolg ein persönliches Anliegen der Mitarbeiter ist,

  • kalkulative Bindung, in deren Rahmen ein Mitarbeiter persönliche Vorteile durch die Zugehörigkeit zum Unternehmen erkennt,

  • normative Bindung, die auf ethisch-moralischen Aspekten beruht und auf dem Pflichtbewusstsein der Angestellten beruht, sowie

  • qualifikationsorientierte Bindung, die durch Weiterbildungsmöglichkeiten für Mitarbeiter entsteht. 

Diese verschiedenen Formen der Mitarbeiterbindung können Management und Führungskräfte sowie das Unternehmen an sich durch verschiedene Maßnahmen erreichen. Nützlich ist es, die individuelle Motivation der Arbeitnehmer zu erkennen, um die Maßnahmen gezielt daran auszurichten. 

Konkrete Schwerpunkte, innerhalb der die Maßnahmen einer erfolgreichen Mitarbeiterbindung umsetzbar sind, umfassen mehrere Bereiche, zum Beispiel:

Wie sehen geeignete Maßnahmen aus, die die Mitarbeiterbindung fördern und stärken?

Um die Mitarbeiterbindung in einem Unternehmen zu stärken, können verschiedene Instrumente und Maßnahmen eingesetzt werden. Sämtliche Mitarbeiterbindungs-Maßnahmen dienen dem Ziel, Arbeitnehmer langfristig an das Unternehmen zu binden und so die Qualität der Arbeit steigern sowie Kosten zu senken. Arbeitgeber sorgen durch unterschiedliche Maßnahmen für ein höheres Maß an Motivation, mehr Zufriedenheit bei den Mitarbeitern und schaffen ideale Bedingungen für eine erfolgreiche, langfristige Zusammenarbeit.

Innerhalb des Unternehmens steht eine Vielzahl von Maßnahmen und Instrumenten zur Verfügung, mittels derer die Mitarbeiterbindung und Mitarbeitermotivation optimiert wird.

Mitarbeiterbindung durch Angebote für eine gute Work-Life-Balance

  • Flexible Arbeitszeitmodelle wie Gleitzeit oder Vertrauensarbeitszeit,

  • Teilzeitmöglichkeiten,

  • Home-Office-Angebote,

  • Unterstützung bei der Betreuung von Kindern, zum Beispiel ein Eltern-Kind-Büro, oder

  • Möglichkeit eines Sabbaticals.

Persönliche Entwicklung und Förderung von Mitarbeitern

  • Angebote von Weiterbildungen,

  • Beförderungs- und Aufstiegsprogramme,

  • Übertragung von Führungsverantwortung für Teams oder Projekte,

  • regelmäßiges Feedback durch Führungskräfte oder

  • interne Mentoring-Programme.

Angebote für Freizeit, Sport und Gesundheit

  • Betriebliches Gesundheitsmanagement,

  • Sportkurse,

  • Gesundheitstage,

  • betriebliche Altersvorsorge und Krankenversicherung,

  • Ernährungsberatungen oder

  • Impfangebote.

Organisation von Arbeit und Arbeitsumfeld

  • Ergonomische Arbeitsplätze,

  • Kantine oder Cafeteria,

  • Mitarbeiterparkplätze,

  • Unternehmensfeiern oder

  • kostenlose Bereitstellung von Getränken und Obst.

Vergünstigungen und Vorteile für Mitarbeiter

  • Fahrtkostenzuschüsse,

  • Essenszulagen,

  • Altersversorgung,

  • Bereitstellung von Arbeitsmaterialien für das Home-Office (PC, Tablet),

  • Personalrabatte für die Nutzung der Produkte oder Dienstleistungen des Unternehmens,

  • Jobtickets für die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs,

  • betrieblicher PKW sowie 

  • Sachwertbezüge in Form von Gutscheinen.

Neben diesen Beispielen existieren zahlreiche weitere Instrumente und Maßnahmen, mit denen Führungskräfte Mitarbeiter an das Unternehmen binden. All diese Maßnahmen tragen dazu bei, das Ziel der höheren Mitarbeiterzufriedenheit und Identifikation mit dem Arbeitgeber und in Folge der Bindung an den Betrieb zu erreichen.

Wie kann Mitarbeiterbindung selektiv eingesetzt werden?

Die Mitarbeiterbindung wird von immer mehr Unternehmen als wichtiges Thema erkannt. Besonders erfolgversprechend ist es, wenn eine selektive und individuell angelegte Mitarbeiterbindung angestrebt wird. Sie wird gezielt für einzelne qualifizierte Mitarbeiter eingesetzt, die über ein enorm hohes Potenzial verfügen, viel Know-how mitbringen und ihre Aufgaben in hoher Qualität erledigen. Diese Leistungsträger gilt es im Rahmen der selektiven Mitarbeiterbindung zu halten. Im Fokus hierbei stehen Top-Performer, junge Nachwuchstalente und Spezialundisten mit Kompetenzen, die am Markt nicht häufig zu finden sind.

Um die Mitarbeiterbindung gezielt auf die Gruppe der besten Mitarbeiter abzustimmen und als Führungskraft die passenden, individuellen Maßnahmen dafür auszuwählen, müssen diese Leistungsträger zunächst genau identifiziert werden. Dies erfolgt, indem eine dezidierte Leistungsbewertung erfolgt. Dazu kommt es darauf an, Potenziale bei den Mitarbeitern realistisch abzuschätzen, um die besten Fachkräfte zu binden. Zu untersuchen sind dabei die folgenden Faktoren:

  • Wer liefert Bestleistungen ab?

  • Von wem sind auch in Zukunft herausragende Leistungen und Ergebnisse zu erwarten?

  • Welche Mitarbeiter sind für den Unternehmenserfolg besonders wichtig?

  • An welchen Stellen findet aktuell und in Zukunft die meiste Wertschöpfung statt?

  • Welche Unternehmensbereiche (Abteilungen, Positionen und Funktionen) sind zukunftsentscheidend?

  • Welche Angestellten verfügen über das nötige Potenzial, um möglicherweise Aufgaben mit großer Verantwortung oder Bedeutung für die Wertschöpfung zu übernehmen?

Entscheidend für den Erfolg der selektiven Mitarbeiterbindung ist die Auswahl passender Maßnahmen. Hierfür ist eine sorgfältige Vorbereitung von enormer Bedeutung. Findet ein Arbeitgeber die richtige Strategie und entwickelt passgenaue Mitarbeiterbindungs-Maßnahmen, schafft das Vorgehen für ein Unternehmen Möglichkeiten, leistungsfähige und erfolgskritische Fachkräfte langfristig an sich zu binden.

Welche Effekte hat die Mitarbeiterbindung auf die Arbeitgebermarke?

Die Mitarbeiterbindung übt Einfluss auf verschiedene Themen aus und dient in der Regel mehreren Zielen. Hervorzuheben ist dabei die Erzeugung einer Arbeitgebermarke, die in der heutigen Zeit zunehmend an Bedeutung gewinnt und bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter eine enorme Rolle spielt. Gerade Nachwuchs-Fachkräfte der Generation Y legen verstärkt Wert darauf, sich mit den eigenen Unternehmen zu identifizieren. Mit einer Employer Brand erhalten Unternehmen die Gelegenheit, sich auf dem Arbeitsmarkt zu positionieren und motivierte Mitarbeiter anzuwerben.

Die Mitarbeiterbindung stellt eine der wichtigsten Maßnahmen dar, welche bei der Erzeugung einer Arbeitgebermarke unterstützen.

Zufriedene Mitarbeiter treten wesentlich häufiger als Multiplikatoren auf. Indem sie positiv über ihr Unternehmen sprechen, vor allem im eigenen Netzwerk und auf Social Media, wecken sie Interesse und erzeugen Akzeptanz bei potenziellen neuen Fachkräften. Dies macht sie zu einer wichtigen Langzeit-Ressource. Ein Unternehmen kann dies durch spezielle Anreize unterstützen, beispielsweise durch Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Programme und ähnliche Maßnahmen. 

Die emotionale Mitarbeiterbindung ist nicht selten die stärkste Form der Bindung, denn sie beeinflusst das Employer Branding und macht Mitarbeiter, die sich beim Arbeitgeber wohlfühlen, zu wirksamen und effektiven Testimonials für das Unternehmen. Generell sollte die Mitarbeiterbindung als Investition in die Zukunft des Unternehmens betrachtet werden, durch die die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit langfristig gesichert wird.

Über die Autorin: Stefanie Aust
Stefanie Aust

Stefanie Aust ist Redakteurin für Personalthemen bei hiral. Beruflich verschlug es sie zunächst in den wirtschaftlichen Bereich. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums war sie schließlich mehrere Jahre an Hochschulen tätig. Stefanie verfasst und redigiert mit Leidenschaft und Professionalität Fach- und Wissenschaftstexte in den Bereichen HR und Personalwirtschaft.

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