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Arbeitgebersiegel: Übersicht, Vergleich und Kosten für Arbeitgeber Zertifizierungen

Adrian Hergt
Lesezeit: ca. 6 Minuten

Immer mehr Betriebe werben mit Arbeitgebersiegeln für sich. Für die Unternehmensführung ist das Siegel eine unterstützende Maßnahme für das Employer Branding. So werden u.a. gut qualifizierte Fachkräfte angesprochen und auch das Unternehmensbild ggü. den Mitarbeitern profitiert. In diesem Beitrag erfährst du, welche Funktion ein solches Arbeitgebersiegel hat, wer es den Betrieben verleiht und welche Kosten damit verbunden sind.

Was ist ein Arbeitgebersiegel?

Ein Arbeitgebersiegel ist ein Gütesiegel für Unternehmen. Es stellt eine Auszeichnung für besonders gute Arbeitgeber dar und hilft auch beim Recruiting. Durch ein solches Zertifikat können Bewerber, Absolventen und Studierende erkennen, dass dieser Arbeitgeber fair und zukunftsfähig ist.

Es gibt verschiedene Wege, um eine Zertifizierung als Top Employer zu erhalten. Einerseits kann ein besonders gutes Abschneiden bei Arbeitgeberbewerungsportalen wie Kununu oder Glassdoor zu einer Auszeichnung führen.

Andererseits bieten auch unabhängige Institute Arbeitgeberzertifizierungen und -auszeichnungen an, In diesem Falle muss der Betrieb sich zunächst an einem Prozess der Analyse beteiligen. Nach der Überprüfung der Angaben stellt das Institut fest, ob die Arbeitsbedingungen bei dem Betrieb den festgesetzten Standards entsprechen. Ist dies der Fall, erhält das Unternehmen im Ergebnis die Auszeichnung als exzellenter Arbeitgeber.

Jeder Anbieter verfügt bei der Prüfung über eine eigene Methodik. Daher ergeben sich Unterschiede bezüglich der Quelle und der verwendeten Kennzahlen. Zu den typischen Messinstrumenten gehören:

  • Subjektive Sicht der Mitarbeiter,

  • anonyme Bewertungen in Internetportalen (Kommentar Antworten),

  • Fragebogen an den Betrieb,

  • Online-Befragung,

  • Employer Befragung (E-Mail-Adresse),

  • Audit,

  • ggf. Verhaltenskodex.

Manche Siegel erhalten die Unternehmen, indem sie sich an einem Wettbewerb beteiligen. Dann kann eine Jury die Qualität der Arbeitgeber vergleichen und bewerten.

Wozu brauchen Unternehmen Arbeitgebersiegel?

Das Arbeitgeber-Siegel adressiert vor allem potenzielle Mitarbeiter. Es verschafft dem Unternehmen einen Vorteil im Wettbewerb. Denn gut qualifizierte Absolventen haben oft die Auswahl zwischen mehreren Stellen. Die Bewerber erfahren durch das Siegel, dass dieses Unternehmen als Arbeitgeber top ist. Mit einer Recherche im Internet lässt sich somit leicht herausfinden, welche die besten Arbeitgeber Deutschlands sind. 

Ein fairer, familienfreundlicher Arbeitgeber wird im Recruiting erfolgreich sein. Dazu ist es wichtig, der Zielgruppe die Corporate Benefits zu vermitteln. Hierzu stehen verschiedene Instrumente zur Verfügen.

Mit Arbeitgebersiegeln gelingt es dem Betrieb, die eigenen Vorzüge zu objektivieren und auf dem Markt um besten Köpfe zu finden. Ein Gütesiegel lässt sich in Marketingkampagnen einsetzen. Insofern adressiert es auch die Kundschaft und die gesamte Öffentlichkeit.

Viele Bewerber verlassen sich auf Arbeitgeber-Rankings und Qualitätssiegel. Studierende und Absolventen schätzen die Aussagekraft als hoch ein. Der Markt um die größten Talente ist umkämpft. Eine Auszeichnung kann dazu beitragen, dass die Fachkräfte eine Stellenanzeige überhaupt erst wahrnehmen. Manche Young Professionals beginnen ihre Stellensuche, indem sie "Arbeitgeber 2021" googeln.

Bereits bei der Entscheidung für die Ausbildung oder ein Trainee-Programm kann eine Zertifizierung den Ausschlag geben. Ein Top Ausbildungsbetrieb wird den Fachkräftemangel leichter bewältigen können. 

Ein exzellenter Arbeitgeber sollte unter anderem auf den folgenden Gebieten ein besonderes Engagement und effektive Maßnahmen nachweisen können:

  • Gleichstellung zwischen Mann und Frau (E-Quality),

  • Diversity Management (unterschiedliche Stärken in der Belegschaft fördern und nutzbar machen),

  • familienfreundliches Unternehmen (flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, Betriebskita),

  • Förderung der Work-Life Balance der Beschäftigten,

  • faire Löhne,

  • Wertschätzung gegenüber der Arbeit der Belegschaft,

  • Mitbringen von Hunden erlaubt,

  • Sensibilität im Umgang mit den Mitarbeiter und deren Human Resources,

  • Integration der Belegschaft in die unternehmerischen Entscheidungen,

  • Engagement in der beruflichen Ausbildung,

  • Gesundheitsschutz (Betriebliches Gesundheitsmanagement, Betriebssport, Gesundheitswochen),

  • wertegebundene Unternehmenskultur, Ethik, Personalmarketing,

  • Förderung der Entwicklung und Weiterbildung der Beschäftigten,

  • Unterstützung der Beschäftigten bei der Mobilität (Jobticket, Jobrad, fahrradfreundlicher Arbeitgeber).

Der Fragebogen der Institute nimmt in der Regel auf diese Aspekte Bezug. In einem Audit überzeugt sich der unabhängige Anbieter vom Qualitätsniveau des Arbeitgebers. Nicht alle Siegelgeber geben die Kriterien preis.

Viele Betriebe sind bereits im Qualitätsmanagement engagiert (Struktur, Prozess, Ergebnis). Das QM adressiert neben den Kunden auch die Mitarbeitenden. Durch den Erwerb von Arbeitgebersiegeln ist es möglich, die bisherigen Bemühungen zu dokumentieren und Maßstäbe für die Zukunft zu setzen. Den Best Recruiters ist dies überzeugend gelungen.

Welche Anbieter von Arbeitgebersiegeln gibt es?

Mittlerweile existieren in Deutschland über 200 Anbieter von Arbeitgebersiegeln. Dies sind die bekanntesten Anbieter: 

  • Top Employers Institute: Top Employer Deutschland,

  • TÜV Rheinland: Ausgezeichneter Arbeitgeber,

  • berufundfamilie: Audit berufundfamilie,

  • kununu: Top Company / Open Company,

  • Focus Business und kununu: Top Arbeitgeber Mittelstand,

  • karriere.de: Fair Company,

  • Xing: New Work / New Work SE,

  • Top Job: Die besten Arbeitgeber im Mittelstand“,

  • Glassdoor: Beste Arbeitgeber Deutschlands,

  • Great Place to Work: Deutschlands beste Arbeitgeber.

Darüber hinaus existieren Arbeitgeber-Siegel, die sich auf einen begrenzte Ausschnitt der Corporate Benefits beziehen. Für Ihr Engagement im betrieblichen Gesundheitsmanagement erhalten Betriebe den Corporate Health Award. Arbeitgeber, die eine familienorientierte Personalpolitik betreiben, erwerben das Siegel "Familienfreundlicher Arbeitgeber".

Das CRF Institute ist in Deutschland für die Zertifizierung Top Arbeitgeber Mittelstand, Top Arbeitgeber Deutschland, Top Arbeitgeber Automotive und Top Arbeitgeber Ingenieure verantwortlich. Dabei handelt es sich nicht um ein deutsches Institut, sondern um eine internationale Initiative.

Um diese Auszeichnung als Top Arbeitgeber zu erhalten, muss ein Betrieb einen strukturierten Fragebogen zur  Personalpolitik und den Employer-Branding-Maßnahmen ausfüllen. Erreicht ein Unternehmen den international festgesetzten  Punktewert, erhält es die Zertifizierung. Der Betrieb darf das Zertifikat dann für ein Jahr tragen. Anschließend erfolgt eine erneute Überprüfung mit einem aktualisierten Fragebogen. Darin sind Trends und aktuellen Herausforderungen eingearbeitet. Bewerber sollen sicher sein, dass nur aktuelle Top Arbeitgeber das Zertifikat tragen.

Das Deutsche Institut für Qualitätsstandards und -prüfung e. V. (DIQP) definiert Qualitätsstandards und entwickelt Gütesiegel, um Verbraucher zu unterstützen. Darunter sind auch Siegel für Arbeitgeber, wie zum Beispiel Top Arbeitgeber (DIQP), Top Ausbildungsbetrieb (DIQP), Top Service (DIQP) sowie Nachhaltiges Unternehmen (DIQP). 

Welche Voraussetzungen und Kosten gibt es für die Zertifizierung von Arbeitgebern?

Die Zertifikat der Anbieter kosten zwischen 2.500 und 12.000 Euro, i.d.R. pro Jahr. Neben den Kosten sind auch die zeitlichen Ressourcen zu berücksichtigen. Denn der Betrieb muss sich an dem Prozess aktiv beteiligen. Manche Elemente der Prüfung (zum Beispiel die Befragung der Führungskräfte, Audit, Mitarbeiterbefragung für weitere Informationen) nehmen viel Zeit in Anspruch.

In vielen Fällen lohnen sich Kosten und Aufwand. Denn ein Siegel Top Arbeitgeber erleichtert es dem Betrieb, offene Stellen schnell zu besetzen und eine hohe Fluktuation zu vermeiden. Diese Effekte führen zeitversetzt zu Kosteneinsparungen.

Das Zertifikat von Trendence ist vergleichsweise preiswert. Allerdings entstehen für zusätzliche Employer Branding Leistungen (zum Beispiel individuelle Marktforschung) weitere Kosten. Das Siegel vom Top Employers Institute ist relativ teuer. Der TÜV Rheinland ist im mittleren Spektrum einzuordnen. Hier werden aber während der zweijährigen Überprüfung erneut Kosten fällig. <br><br>Um sich auf die Zertifizierung vorzubereiten, können Arbeitgeber die Hilfe von externen  Beratern in Anspruch nehmen. Beispielsweise unterstützt die PAON GmbH Unternehmen (z. B. Kanzlei) durch Analyseverfahren und Netzwerkarbeit.

Eine kostengünstige Möglichkeit für die Erlangung eines Arbeitgebersiegels kann sein, zufriedene Mitarbeiter um eine positive Bewertung auf Kununu oder Glassdoor zu bitten. Gibt es besonders viele positive Bewertungen, und gibt ein Arbeitgeber zudem häufig Feedback auf diesen Plattformen, sind Auszeichnungen wie etwa "Top Company" oder "Open Company" relativ leicht erreichbar.

Das Tool „Zert-O-Mat“ hilft Unternehmen dabei, die richtige Entscheidung bezüglich des Arbeitgebersiegels zu treffen. Durch Filtermöglichkeiten lassen sich die verschiedenen Siegel hier miteinander vergleichen.

Quellen:

https://www.sqc-cert.de/arbeitgebersiegel-was-ist-das/

https://www.diqp.eu/

https://persomatch.de/news/arbeitgebersiegel-ueberblick-vergleich-kosten/#:~:text=Das%20Zertifizierungsverfahren%20von%20berufundfamilie%20bewegt,das%20eigene%20Unternehmen%20zu%20hinterfragen.

Über den Autor: Adrian Hergt
Adrian Hergt

Adrian Hergt ist Redakteur bei hiral. Außerdem arbeitet er als Dozent für Volkswirtschaftslehre, Berufsfeldentwicklung, wissenschaftliches Arbeiten und Kommunikation. Er schreibt vorrangig Fachtexte im personalwirtschaftlichen Kontext und speziell mit Fokus auf Recruting.

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