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Arbeitgebersiegel: Vergleich und Kosten von Arbeitgeber Zertifizierungen

Adrian Hergt
Lesezeit: ca. 0 Minuten

Immer mehr Betriebe werben mit Arbeitgebersiegeln für sich. Für die Unternehmensführung ist das Siegel eine unterstützende Maßnahme für das Employer Branding. So werden u. a. qualifizierte Fachkräfte angesprochen, und auch das Unternehmensbild der Mitarbeiter profitiert davon. In diesem Beitrag erfährst du, welche Funktion ein solches Arbeitgebersiegel hat, wer es den Betrieben verleiht und welche Kosten damit verbunden sind.

Was ist ein Arbeitgebersiegel?

Ein Arbeitgebersiegel ist ein Gütesiegel für Unternehmen. Es stellt eine Auszeichnung für besonders gute Arbeitgeber dar und hilft auch beim Recruiting. Durch ein solches Zertifikat können Bewerber, Absolventen und Studierende auf Jobsuche erkennen, dass dieser Arbeitgeber fair und zukunftsfähig ist. Eine Arbeitgeberauszeichnung unterstützt somit Unternehmen dabei, eine positive Arbeitgebermarke zu schaffen und hilft bei der Personalarbeit.

Es gibt verschiedene Wege, um eine Zertifizierung als attraktiver Arbeitgeber zu erhalten. Einerseits kann ein besonders gutes Abschneiden bei Arbeitgeberbewertungsportalen wie Kununu oder Glassdoor zu einer Auszeichnung führen.

Andererseits bieten auch unabhängige Institute wie etwa SQC Qualitycert, ZEAG oder der TüV Arbeitgeberzertifizierungen und Arbeitgeber-Awards an. In diesem Falle muss der Betrieb sich zunächst an einem Prozess der Analyse beteiligen. Nach der Überprüfung der Angaben stellt die Zertifizierungsgesellschaft fest, ob die Arbeitsbedingungen und die Arbeitsplatzkultur des Betriebs den festgesetzten Standards entsprechen. Ist dies der Fall, erhält das Unternehmen im Ergebnis die Auszeichnung als exzellenter Arbeitgeber.

Jeder Anbieter verfügt bei der Prüfung über eine eigene Methodik. Daher ergeben sich Unterschiede bezüglich der Quelle und der verwendeten Kennzahlen. Zu den typischen Messinstrumenten gehören:

  • Subjektive Sicht der Mitarbeiter,

  • anonyme Bewertungen in Internetportalen (Kommentar Antworten),

  • Fragebogen an den Betrieb,

  • repräsentative Befragung online,

  • Employer Befragung (E-Mail-Adresse),

  • Audit,

  • ggf. Verhaltenskodex.

Manche Gütesiegel erhalten die Unternehmen, indem sie sich an Arbeitgeberwettbewerben beteiligen. Dann kann eine Jury die Qualität der Arbeitgeber vergleichen und bewerten.

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Wozu brauchen Unternehmen Arbeitgebersiegel?

Das Arbeitgeber-Siegel adressiert vor allem potenzielle Mitarbeiter. Es verschafft dem Unternehmen einen Vorteil im Wettbewerb. Denn gut qualifizierte Absolventen haben oft die Auswahl zwischen mehreren Stellen und entscheiden sich daher für den attraktivsten Arbeitgeber. Die Bewerber erfahren durch das Siegel, dass dieses Unternehmen als Arbeitgeber top ist. Mit einer Recherche im Internet lässt sich somit leicht herausfinden, welche die besten Arbeitgeber Deutschlands sind. 

Ein fairer, familienfreundlicher Arbeitgeber wird im Recruiting erfolgreich sein. Dazu ist es wichtig, der Zielgruppe die Corporate Benefits zu vermitteln. Hierzu stehen verschiedene Instrumente zur Verfügung.

Mit Arbeitgebersiegeln gelingt es dem Betrieb, die eigenen Vorzüge zu objektivieren und auf dem Markt die besten Köpfe zu finden. Ein Gütesiegel lässt sich in Marketingkampagnen einsetzen. Insofern adressiert es auch die Kundschaft und die gesamte Öffentlichkeit.

Viele Bewerber verlassen sich auf Arbeitgeber-Rankings und Qualitätssiegel. Studierende und Absolventen schätzen die Aussagekraft von Gütesiegeln im Hinblick auf die Arbeitgeberattraktivität als hoch ein. Der Markt um die größten Talente ist umkämpft. Eine Auszeichnung mit solchen Siegeln kann dazu beitragen, dass Fachkräfte eine Stellenanzeige überhaupt erst wahrnehmen. Manche Young Professionals beginnen ihre Stellensuche, indem sie "Arbeitgeber 2021" in Google eingeben.

Bereits bei der Entscheidung für die Ausbildung oder ein Trainee-Programm kann eine Zertifizierung den Ausschlag geben. Ein Top Ausbildungsbetrieb wird den Fachkräftemangel leichter bewältigen können. 

Ein exzellenter Arbeitgeber sollte unter anderem auf den folgenden Gebieten ein besonderes Engagement und effektive Maßnahmen nachweisen können:

  • Gleichstellung zwischen Mann und Frau (E-Quality),

  • Diversity Management und Diversity Recruiting (unterschiedliche Stärken in der Belegschaft schaffen, fördern und nutzbar machen),

  • familienfreundliches Unternehmen (flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, Betriebskita),

  • Förderung der Work-Life Balance der Beschäftigten,

  • faire Löhne,

  • Wertschätzung gegenüber der Arbeit der Belegschaft,

  • Mitbringen von Hunden erlaubt,

  • Sensibilität im Umgang mit den Mitarbeiter und deren Human Resources,

  • Integration der Belegschaft in die unternehmerischen Entscheidungen,

  • Engagement in der beruflichen Ausbildung,

  • Gesundheitsschutz (Betriebliches Gesundheitsmanagement, Betriebssport, Gesundheitswochen),

  • wertegebundene Unternehmens- und Arbeitsplatzkultur, Ethik, Personalmarketing,

  • Förderung der Entwicklung und Weiterbildung der Beschäftigten,

  • Unterstützung der Beschäftigten bei der Mobilität (Jobticket, Jobrad, fahrradfreundlicher Arbeitgeber).

Der Fragebogen der Institute nimmt in der Regel auf diese Aspekte Bezug. In einem Audit überzeugt sich der unabhängige Anbieter vom Qualitätsniveau des Arbeitgebers. Nicht alle Siegelgeber geben die Kriterien preis.

Viele Betriebe sind bereits im Qualitätsmanagement engagiert (Struktur, Prozess, Ergebnis). Das QM adressiert neben den Kunden auch die Mitarbeitenden. Durch den Erwerb von Arbeitgebersiegeln ist es möglich, die bisherigen Bemühungen zu dokumentieren und Maßstäbe für die Zukunft zu setzen. Den Best Recruiters ist dies überzeugend gelungen.

Welche Anbieter von Arbeitgebersiegeln gibt es?

Mittlerweile existieren in Deutschland über 200 Anbieter von Arbeitgebersiegeln. Dies sind die bekanntesten Anbieter: 

  • Top Employers Institute: Top Employer Deutschland,

  • berufundfamilie: Audit berufundfamilie,

  • kununu: Top Company / Open Company,

  • Focus Business und kununu: Top Arbeitgeber Mittelstand,

  • karriere.de: Fair Company,

  • Xing: New Work / New Work SE,

  • SQC Qualitycert,

  • ZEAG,

  • Top Job: Die besten Arbeitgeber im Mittelstand,

  • Glassdoor: Beste Arbeitgeber Deutschlands,

  • Great Place to Work: Deutschlands beste Arbeitgeber.

Darüber hinaus existieren Arbeitgeber-Siegel, die sich auf einen begrenzten Ausschnitt der Corporate Benefits beziehen. Für Ihr Engagement im betrieblichen Gesundheitsmanagement erhalten Betriebe den Corporate Health Award. Arbeitgeber, die eine familienorientierte Personalpolitik betreiben, erwerben das Siegel "Familienfreundlicher Arbeitgeber".

Das CRF Institute ist in Deutschland für die Zertifizierung Top Arbeitgeber Mittelstand, Top Arbeitgeber Deutschland, Top Arbeitgeber Automotive und Top Arbeitgeber Ingenieure verantwortlich. Dabei handelt es sich nicht um ein deutsches Institut, sondern um eine internationale Initiative.

Um diese Auszeichnung als Top Arbeitgeber zu erhalten, muss ein Betrieb einen strukturierten Fragebogen zur  Personalpolitik und den Employer-Branding-Maßnahmen ausfüllen. Erreicht ein Unternehmen den international festgesetzten Punktewert, erhält es die Zertifizierung. Der Betrieb darf das Zertifikat dann für ein Jahr tragen. Anschließend erfolgt eine erneute Überprüfung mit einem aktualisierten Fragebogen. Darin sind Trends und aktuelle Herausforderungen eingearbeitet. Bewerber sollten sicher sein, dass nur aktuelle Top Arbeitgeber das Zertifikat tragen.

Das Deutsche Institut für Qualitätsstandards und -prüfung e. V. (DIQP) definiert Qualitätsstandards und entwickelt Gütesiegel, um Verbraucher zu unterstützen. Darunter sind auch Siegel für Arbeitgeber, wie zum Beispiel Top Arbeitgeber (DIQP), Top Ausbildungsbetrieb (DIQP), Top Service (DIQP) sowie Nachhaltiges Unternehmen (DIQP). 

Wie setzen Unternehmen Arbeitgebersiegel am besten für das Recruiting ein?

Anerkannte und akzeptierte Siegel lenken positive Aufmerksamkeit auf ein Unternehmen. Damit dies vollumfänglich gelingt und eine Auszeichnung den gewünschten Effekt hat, sollte sie Teil der Kommunikations- und Vermarktungsstrategie werden.

Hierfür ist es hilfreich, das Siegel auf sämtlichen Kanälen zu kommunizieren, von Social-Media-Plattformen oder Business-Netzwerken wie Xing oder LinkedIn bis hin zur eigenen Karriereseite.

Ein weiteres erfolgsentscheidendes Kriterium besteht darin, die Punkte, die ein Arbeitgebersiegel verspricht, auch nach innen zu leben. Denn zufriedene Mitarbeiter kommunizieren in diesem Fall positiv über ihren Arbeitgeber und tragen eine gute Betriebskultur nach außen, sowohl im digitalen Raum als auch offline.

Welche Voraussetzungen und Kosten gibt es für die Zertifizierung von Arbeitgebern?

Die Zertifikate der Anbieter kosten zwischen 2.500 und 12.000 Euro, i. d. R. pro Jahr. Neben den Kosten sind auch die zeitlichen Ressourcen zu berücksichtigen. Denn der Betrieb muss sich an dem Prozess aktiv beteiligen. Manche Elemente der Prüfung (zum Beispiel die Befragung der Führungskräfte, das Audit, das HR-Interview und die Mitarbeiterbefragung für weitere Informationen) nehmen viel Zeit in Anspruch.

In vielen Fällen lohnen sich Kosten und Aufwand. Denn ein Siegel als Top Arbeitgeber erleichtert es dem Betrieb, offene Stellen schnell zu besetzen und eine hohe Fluktuation zu vermeiden. Diese Effekte führen zeitversetzt zu Kosteneinsparungen.

Das Zertifikat von Trendence ist vergleichsweise preiswert. Allerdings entstehen für zusätzliche Employer-Branding-Leistungen (zum Beispiel individuelle Marktforschung) weitere Kosten. Das Siegel vom Top Employers Institute ist relativ teuer.

Um sich auf die Zertifizierung vorzubereiten, können Arbeitgeber die Hilfe von externen  Beratern in Anspruch nehmen. Beispielsweise unterstützt die PAON GmbH Unternehmen (z. B. Kanzlei) durch Analyseverfahren und Netzwerkarbeit.

Eine kostengünstige Möglichkeit für die Erlangung eines Arbeitgebersiegels kann sein, zufriedene Mitarbeiter um eine positive Bewertung auf Kununu oder Glassdoor zu bitten. Gibt es besonders viele positive Bewertungen und gibt ein Arbeitgeber zudem häufig Feedback auf diesen Plattformen, sind Auszeichnungen wie etwa "Top Company" oder "Open Company" relativ leicht erreichbar.

Welche Einschränkungen gelten für die Aussagekraft von Arbeitgebersiegeln?

Viele der Auszeichnungen für die Arbeitgeberattraktivität werden nur an Unternehmen ab einer bestimmten Anzahl von Mitarbeitern vergeben. Kleinere Unternehmen und Start-ups werden häufig gar nicht berücksichtigt, auch wenn sie exzellente Arbeitsbedingungen bieten.

Auch kommt es vor, dass manche Institute die Voraussetzungen absichtlich so gestalten, dass eine Vielzahl von Unternehmen das Gütesiegel erhält, vor allem, wenn für die Vergabe der Auszeichnung Kosten anfallen. In solchen Fällen ist die Aussagekraft daher tendenziell eher begrenzt.

Um die richtige Auszeichnung zu wählen, ist es daher wichtig, sich eine glaubwürdige Organisation auszusuchen. Umfragen zeigen, dass vor allem die Siegel von neutralen Instituten und Einrichtungen als glaubwürdiger eingeschätzt werden. Die Aussagekraft wird darüber hinaus als höher bewertet, wenn nicht nur das Siegel und die Organisation, sondern auch die Bewertungsmethode und -kriterien transparent gemacht sind. Arbeitgebersiegel, für die repräsentative Befragungen bei Mitarbeitern durchgeführt wurden, wirken zudem auch nach innen. Sie werden häufig positiver bewertet als anonyme Befragungen auf Plattformen, die für Jobsuchende nicht immer nachvollziehbar sind.

Wie gehen Unternehmen bei der Auswahl von Arbeitgebersiegeln am besten vor?

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Auszeichnungen und Siegeln auf dem Markt, die die Qualität von Unternehmen als attraktiver Arbeitgeber nachweisen sollen. In den letzten Jahren ist die Auswahl an speziellen Themenschwerpunkten allerdings teilweise unübersichtlich geworden. So können sich Betriebe auch als “zertifizierter fahrradfreundlicher Arbeitgeber” ausweisen lassen - ein Faktor, der einen eher eingeschränkten Personenkreis adressiert.

Unternehmen, die sich für eine solche Auszeichnung bewerben möchten, sind gut beraten, sich vorher genau über die Vergabekriterien zu informieren und sich für Anbieter zu entscheiden, die ein transparentes sowie objektives Bewertungsverfahren nutzen. Gerade wenn mit dem Siegel Kosten verbunden sind, ist es ratsam, sich die Bewertungsmethodik und -inhalte genau anzuschauen. Werden diese bewusst unklar gehalten oder gar nicht kommuniziert, spricht dies nicht unbedingt für ein vertrauenswürdiges Verfahren.

Zudem sollte nicht nur die Außenwirkung des Siegels eine Rolle bei der Wahl spielen. Die größten Erfolgschancen bieten sich, wenn bereits die Bewerbung, Teilnahme und der gesamte Weg bis zur Zertifizierung an die Kommunikation nach innen eingebunden werden. Ein hochwertiges Siegel hilft nicht nur bei der Vermarktung und dem externen Employer Branding, sondern setzt auch positive Signale nach innen. Wenn beispielsweise eine unabhängige Mitarbeiterbefragung erfolgt, profitieren auch Arbeitgeber davon, dass sie ihre Beschäftigten, deren Bedürfnisse und Wünsche besser kennenlernen. Zudem fungiert es auch als Zeichen der Wertschätzung, wenn die Meinung der Arbeitnehmer eingeholt wird.

Wie alle Maßnahmen des Personalmarketings und Recruitings sollten Zertifizierungen und Arbeitgebersiegel zudem den potenziell kritischen Einschätzungen und Prüfungen von potenziellen Kandidaten standhalten. Ansonsten kann es sein, dass Versprechen nicht eingehalten werden, was wiederum eine negative Wirkung hat. Passen hingegen die Aussagen des Siegels zur Wahrnehmung der Bewerber und der Mitarbeiter, erhalten Unternehmen ein wertvolles Instrument bei der Suche nach qualifizierten Fachkräften.

Quellen:

https://www.sqc-cert.de/arbeitgebersiegel-was-ist-das/

https://www.diqp.eu/

https://persomatch.de/news/arbeitgebersiegel-ueberblick-vergleich-kosten/#:~:text=Das%20Zertifizierungsverfahren%20von%20berufundfamilie%20bewegt,das%20eigene%20Unternehmen%20zu%20hinterfragen.

https://hire.workwise.io/hr-praxis/employer-branding/arbeitgebersiegel-uebersicht#das-problem-von-arbeitgebersiegeln-wie-aussagekraftig-sind-sie

https://www.haufe.de/personal/hr-management/wie-vertrauenswuerdig-sind-arbeitgebersiegel_80_575646.html

https://konzeptp.de/arbeitgebersiegel-ehrliche-auszeichnungen-oder-gekauftes-lob/

Über den Autor: Adrian Hergt
Adrian Hergt

Adrian Hergt ist Redakteur bei hiral. Außerdem arbeitet er als Dozent für Volkswirtschaftslehre, Berufsfeldentwicklung, wissenschaftliches Arbeiten und Kommunikation. Er schreibt vorrangig Fachtexte im personalwirtschaftlichen Kontext und speziell mit Fokus auf Recruting.

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