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Mitarbeiterbindung: Definition, Ziele, Instrumente und Maßnahmen

Nicola Lehrle
Lesezeit: ca. 8 Minuten

Gutes Personal zu finden, ist schwer. Umso wichtiger ist es für Unternehmen, gute Mitarbeiter dauerhaft zu binden. Das Thema Mitarbeiterbindung hat vor allem in den letzten Jahren einen immer höheren Stellenwert gewonnen.

In Zeiten von Fachkräftemangel ist eine gute Mitarbeiterbindung ein wichtiges Instrument für Firmen, um dauerhaft konkurrenzfähig zu bleiben. Doch welche Faktoren beeinflussen die Bindung von Arbeitnehmern? Und welche Maßnahmen sind wirklich empfehlenswert, um eine langfristige Mitarbeiterbindung zu erzielen? Wir verraten, welche Ziele Mitarbeiterbindung verfolgt, was die wichtigsten Säulen und Tools zur Bindung von Mitarbeitern sind, und warum eine selektive Mitarbeiterbindung besonders effektiv ist.

Wie lautet die Definition von Mitarbeiterbindung?

Wenn man von Mitarbeiterbindung spricht, sind damit die Anstrengungen einer Organisation gemeint, mit denen Arbeitnehmer dauerhaft gebunden werden. Denn die Mitarbeiterbindung hat immer direkte Auswirkungen auf den Erfolg und die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens. Ist die Mitarbeiterbindung stark und die Fluktuationsrate entsprechend gering, spart dies Firmen Zeit und Geld. Darüber hinaus wirkt sich eine gelungene Mitarbeiterbindung positiv auf Leistung, Engagement, Motivation und Performance der Belegschaft aus. 

Mitarbeiterbindung ist deutlich mehr als das reine Angebot von Benefits. Vor allem junge Arbeitnehmer erwarten von ihrem Arbeitgeber neben einem fairen Gehalt und zusätzlichen Leistungen auch Flexibilität, Anerkennung und die Beachtung individueller Lebensumstände. Ist dies gegeben, ist die emotionale Mitarbeiterbindung höher. Die Arbeitnehmer sind nicht nur zufriedener, sondern auch leistungsbereiter, loyaler und flexibler.

Welche Ziele verfolgt die Bindung von Mitarbeitern?

Um es auf den Punkt zu bringen: Mitarbeiter zu binden ist nicht das Ziel, sondern Mittel zum Zweck. Denn Unternehmen, die eine hohe Mitarbeiterbindung erzielen, sparen auf Dauer Zeit und Geld. Verlässt ein Mitarbeiter ein Unternehmen, muss die freie Vakanz neu besetzt werden. Dies bedeutet viel Arbeit für Personaler und Human Resources Abteilung: Das Schalten einer Stellenanzeige, das Sichten von Bewerbungen, die Durchführung von Vorstellungsgesprächen, Gehaltsverhandlungen und das Onboarding. Im Klartext: Wochenlanger, manchmal sogar monatelanger Aufwand.

Gerade die Suche nach Fach- und Führungskräften kann oftmals enorm viel Zeit in Anspruch nehmen und ist mit einem hohen Kostenaufwand verbunden.

Hinzu kommt eine lange Einarbeitungsphase sowie die Probezeit, in der der neue Mitarbeiter jederzeit wieder abspringen kann. Ein großes Risiko für jedes Unternehmen.

Setzt sich das Unternehmen gezielt für eine gute Mitarbeiterbindung ein, kann eine hohe Fluktuation vermieden werden. Es entsteht eine emotionale Bindung zwischen Arbeitgeber und Mitarbeiter, die langfristige Loyalität sowie Motivation gewährt. Durch die Mitarbeiterbindung sollen außerdem folgende Ziele erreicht werden:

  • Eine geringe Fluktuation,

  • ein hoher Leistungsstandard durch erfahrene Mitarbeiter,

  • gute Teamarbeit,

  • ein angenehmes Arbeitsklima durch eingespielte Kollegen,

  • der Erhalt von Fachwissen im Unternehmen,

  • eine Kundenbindung durch vertraute Ansprechpartner,

  • ein Ausbau der Employer Brand,

  • eine höhere Attraktivität bei Bewerbern.

Was sind die wichtigsten Säulen und Instrumente, um Mitarbeiter zu binden?

Um Mitarbeiter dauerhaft im Unternehmen zu halten, gibt es verschiedene Maßnahmen und Instrumente. Die 6 Säulen der Mitarbeiterbindung sollen verhindern, dass Angestellte nicht nur Dienst nach Vorschrift machen und eigentlich innerlich längst gekündigt haben. Im Folgenden zeigen wir, um welche Aspekte es sich dabei handelt:

1. Arbeitsumfeld und Organisation

Damit Angestellte bleiben, müssen sie sich mit ihrer Arbeit und an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen. Zufriedene Mitarbeiter sind seltener krank, bringen mehr Leistung und haben deutlich mehr Motivation. Um ein angenehmes Arbeitsumfeld zu schaffen, müssen Arbeitgeber bestimmte Dinge beachten. Denn eine langfristig positive Atmosphäre entsteht nicht von allein und muss proaktiv durch Vorgesetzte und die Unternehmensleitung unterstützt werden. Dabei können folgende Maßnahmen die Bindung zum Unternehmen stärken:

  • Ein eigenes Büro,

  • ein gut ausgestatteter Arbeitsplatz,

  • modernes Equipment,

  • kostenlose Verpflegung vor Ort (Kaffee, Wasser, Obst, etc.),

  • eine gute Kantine,

  • kostenfreie Parkplätze für Mitarbeiter,

  • ansprechende Sozialräume,

  • Kinderbetreuung (zum Beispiel durch einen Betriebskindergarten, Eltern-Kind-Büros oder eine Notfallbetreuung),

  • Erlaubnis, Hunde mit zur Arbeit zu bringen,

  • die Option auf Home Office,

  • flexible Arbeitszeitmodelle und Teilzeit-Möglichkeiten,

  • Teamevents und Betriebsfeiern,

  • Job Sharing,

  • ein Feelgood-Manager und Konfliktlöser.

2. Personalentwicklung und Aufstieg

Für eine nachhaltige Mitarbeiterbindung ist es ebenso erforderlich, Chancen zur Personalentwicklung und Aufstiegsmöglichkeiten zu bieten. Mitarbeiter, die gefördert werden und wachsen können, bleiben nicht nur dauerhaft im Unternehmen, sondern leisten auch gute Arbeit. Somit profitiert auch der Arbeitgeber, wenn er Personal fördert und in seine Belegschaft investiert.

Gelungenes Performance Management und entsprechende Maßnahmen führen zu mehr Know-How im Unternehmen und größerem Potential für Wachstum. Das stärkt die Mitarbeiterbindung.

Geeignete Schritte, um dies zu gewähren, sind:

  • Weiterbildungen und Seminare,

  • Zusatzqualifikationen,

  • Aufstiegsmöglichkeiten,

  • Coaching,

  • interne Mentoring-Programme,

  • Jobrotation,

  • Job Enrichment,

  • High Potentials Programme,

  • Auslandsaufenthalte,

  • Zielvereinbarungen,

  • Führungskräfteentwicklung,

  • regelmäßiges Feedback.

3. Gesundheit, Sport und Freizeit

Die Gesundheit der Belegschaft ist ein wertvolles Gut. Denn rein wirtschaftlich betrachtet führt eine gesunde Belegschaft zu weniger krankheitsbedingten Ausfällen und kann die Anzahl der Fehltage deutlich reduzieren. Darüber hinaus sind rundum gesunde Mitarbeiter leistungsfähiger und zufriedener. Unternehmen, die sich um die Gesundheit ihrer Angestellten kümmern, fördern damit auch die Bindung der Mitarbeiter zu ihrem Unternehmen. Die besten Instrumente zur Mitarbeiterbindung auf dieser Ebene sind folgende:

  • Ein betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM),

  • das Angebot von Gesundheitskursen und einer Ernährungsberatung,

  • Impfaktionen (zum Beispiel das Angebot einer jährlichen Grippeschutzimpfung oder Covid-Impfung vor Ort),

  • betriebliche Sportangebote (z.B. Yoga oder Fitness),

  • die Kostenübernahme oder Beteilung an gesundheitsfördernden Freizeitaktivitäten,

  • Gesundheitstage,

  • eine betriebliche Altersvorsorge,

  • eine betriebliche Krankenversicherung,

  • die Vermeidung von Überstunden,

  • die Möglichkeit auf ein Sabbatical.

4. Arbeitgebermarketing und Employer Branding

Das Employer Branding ist ausschlaggebend dafür, wie der Arbeitgeber wahrgenommen wird. Wenn Unternehmen sich als besonders attraktiver Arbeitgeber positionieren können, haben sie bessere Chancen, Mitarbeiter dauerhaft zu binden und neue Mitarbeiter und Talente für sich zu gewinnen.

Dabei gilt es auch mit einer geeigneten, zielgruppenorientierten Strategie die Generation Y und die besten Mitarbeiter von morgen anzusprechen. Um die Mitarbeiterbindung zu ihrem Unternehmen langfristig zu stärken, setzen Arbeitgeber für die Stärkung der eigenen Präsenz vor allem auf folgende Maßnahmen:

  • Social Networks (zum Beispiel Auftritte bei LinkedIN, XING, Instagram, Facebook und in anderen Social Media Netzwerken),

  • Markenbotschafter,

  • Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter Programme,

  • Karriere-Events,

  • Arbeitgeber-Claim,

  • Portale für Arbeitgeberbewertungen,

  • Offline und Online Stellenanzeigen,

  • ein Karriereportal auf der eigenen Website,

  • gelungenes Human Resources Management.

5. Unternehmenskultur und Kommunikation

Jedes Unternehmen hat die Aufgabe, eigene Werte klar zu kommunizieren und zu vertreten. Arbeitgeber, die ein gemeinsames Leitbild schaffen, unterstützen das Vertrauen ihrer Belegschaft und sorgen für bessere Bindung. Dabei sollte die Unternehmenskultur von jedem Mitarbeiter verinnerlicht und gelebt werden. Dies gilt in erster Linie für Führungskräfte, aber auch für geringfügig Beschäftigte im Unternehmen.

Wichtige Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung in diesem Bereich sind etwa folgende:

  • Eine klare Unternehmenskultur,

  • transparente Unternehmenswerte und Führungsgrundsätze,

  • die klare und offene Kommunikation von Zielen und Grundsätzen,

  • Intranet oder Mitarbeitermagazin,

  • Social Responsibility,

  • Work-Life-Balance,

  • Sustainability (Nachhaltigkeit),

  • Tag der offenen Tür.

6. Vorteile und Benefits

Eine weitere Maßnahme, die sich positiv auf die Mitarbeiterbindung auswirkt, sind finanzielle Vorteile und Vergünstigungen. Sogenannte Incentives können auf verschiedenen Wegen zugestanden werden. Neben einer klassischen Gehaltserhöhung können beispielsweise Bonuszahlungen gewährt werden. Aber auch nicht finanzielle Wertschätzung hat einen enormen Einfluss. Die besten Maßnahmen für eine gelungene Mitarbeiterbindung sind folgende:

  • Diensthandy und Arbeitslaptop,

  • ein Firmenwagen,

  • Bonuszahlungen,

  • Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld,

  • Gutscheine und Vergünstigungen,

  • eine betriebliche Altersvorsorge,

  • Erholungsbeihilfen,

  • Fahrtkostenzuschüsse,

  • Essenszuschüsse,

  • Personalrabatte für eigene Produkte oder Dienstleistungen.

Welche Maßnahmen für Mitarbeiterbindung sind sinnvoll?

Die oben genannten Maßnahmen eignen sich ideal, um die Mitarbeiterbindung dauerhaft hochzuhalten. Allerdings ist es für die meisten Unternehmen nicht möglich, alle Faktoren zu beachten und umzusetzen.

Ein weiteres Problem: Nicht jede Maßnahme eignet sich für jeden Arbeitnehmer. Deshalb sollten Maßnahmen immer auf die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Arbeitnehmers abgestimmt werden.

Denn nur so kann das Ziel einer erfolgreichen Mitarbeiterbindung erreicht werden. Ein Unternehmen, das überwiegend kinderlose Arbeitnehmer beschäftigt, hat kaum einen Vorteil von einer betrieblichen Kinderbetreuung. Somit sollte die jeweilige Strategie zur Mitarbeiterbindung immer individuell angepasst werden.

Während Führungskräfte vermehrt an ihrer persönlichen Entwicklung und dem Fortschritt innerhalb ihrer Organisation interessiert sind, kann es für Väter und Mütter hilfreich sein, flexible Arbeitszeiten und eine angenehme Work-Life-Balance zu schaffen. Deshalb sollten sich Arbeitgeber vor der Auswahl geeigneter Instrumente zur Mitarbeiterbindung immer folgende Fragen stellen:

  • Passt die Maßnahme zur Belegschaft?

  • Ist die Maßnahme glaubwürdig und mit der Unternehmenskultur vereinbar?

  • Was wünschen sich die Mitarbeiter?

  • Kann die Maßnahme langfristig umgesetzt werden?

  • Welche Mittel sind notwendig, um die Maßnahme umzusetzen?

Warum und wann kann selektive Mitarbeiterbindung sinnvoll sein?

Es muss erwähnt werden, dass nicht jeder Angestellte ein unverzichtbarer Mitarbeiter für das Unternehmen ist. Ein Mitarbeiter, der seine Aufgaben nicht zufriedenstellend erfüllt und seine Arbeit nur bedingt gut macht, sollte deshalb nicht um jeden Preis gehalten werden.

Ein Kollege, der dagegen wertvolles Fachwissen besitzt und seine Beschäftigung ernst nimmt, sollte dagegen gehalten werden. Wandert er ab, fehlt dem Unternehmen ein wertvoller Leistungsträger, der auch noch zu anderen Arbeitgebern und somit zur Konkurrenz übergeht. Ein solcher Mitarbeiterverlust kostet ein Unternehmen viel Zeit und Geld und sollte in jedem Fall vermieden werden.

Insofern spricht man auch immer von der selektiven Mitarbeiterbindung. Das heißt: Die Bindung von Mitarbeitern, die in ihrem Unternehmen wertvolle Arbeit leisten, soll gestärkt werden. Die Mitarbeiterbindung von austauschbaren Arbeitskräften ist dagegen nicht relevant und sollte nach Möglichkeit vermieden werden. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Instrumente zur Mitarbeiterbindung für folgende Personenkreise greifen sollten:

  • Leistungsträger, die einen wichtigen Beitrag für den Erfolg ihres Unternehmens leisten,

  • junge Talente mit großem Potenzial,

  • und Top-Performer mit Fachkenntnissen und wertvollen Skills.

Die Vorgehensweise zur selektiven Mitarbeiterbindung

Um wahre Leistungsträger und Experten zu identifizieren, müssen Vorgesetzte und Human Resources Abteilung sehr aufmerksam sein. Die beste Vorgehensweise ist eine Einschätzung durch die direkten Vorgesetzten. Die Führungskraft sollte sich ein Bild über die persönliche Eignung und Arbeitsweise machen, um das vorhandene Potenzial und die Arbeitsleistung zu beurteilen. Dabei können folgende Details und Fragen helfen:

  • Welche Mitarbeiter leisten wirklich hervorragende Arbeit und erfüllen alle Aufgaben?

  • Welche Mitarbeiter sind für den Unternehmenserfolg verantwortlich und unverzichtbar?

  • Von welche Mitarbeitern kann künftig hohe Leistung und Motivation erwartet werden?

  • Wo findet aktuell die größte Wertschöpfung statt?

  • Wo findet künftig die größte Vermögensbildung statt?

  • Von welchen Abteilungen und Positionen ist die Zukunft des Unternehmens abhängig?

  • Welche Mitarbeiter haben die Kompetenz, große Verantwortung zu übernehmen?

  • Welche Mitarbeiter verfügen über Führungskompetenz und Management-Fähigkeiten?

Über die Autorin: Nicola Lehrle
Nicola Lehrle

Nicola Lehrle ist als Redakteurin bei hiral tätig. In ihrer beruflichen Laufbahn mit Schwerpunkt Marketing konnte sie im HR vielerlei Erfahrung sammeln. Ihr Fokus liegt auf Ratgebern und Fachtexten zu unterschiedlichen Themen im Bereich Personal/HR. Nicola möchte mit ihren Texten den Lesern auch komplizierte Sachverhalte möglichst einfach erklären.

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